 |
Ivan Goll
(1891-1950)
Erster
Frühlingsstrauss für Dich
Von den
millionen Frühlingen
Wenige sind uns gegeben,
Zu pflücken das einfache Geisblatt
Und die knatternde Fahne des Windes zu
grüssen.
Es gilt, sein Lächeln richtig
einzusetzen,
Denn die Liebe ist zarter
Als Schneeglöckchen.
Wie lange standen wir im Wintertempel
Und beteten um Sehnsucht
Und sparten Mond
In den Nischen unsres Herzens!
Und nun, schon
ist das erste Leberblümchen blau,
Schon übt der Bach seine Fugen,
Im Wind-Express reist das Schicksal
Direkt auf uns zu!
Veilchen, zitternde Veilchen
Eine wilde Wiese voll
Raffen wir an unsre Lippen,
Um sie zu kühlen,
Wie zittern wir selber
Und schluchzen uns ans Ungewisse hin.
|