Novalis
(Friedrich von Hardenberg)
(1772-1801)
Ihr Herz und Kuss
Mir wirds so weit im Busen
drin,
So offen, hehr und frei,
Nie wars so hell in meinem Sinn
Und meiner Phantasei;
Mir glüht die Wange und die
Stirn,
Mir schmückt der Himmel sich,
Und süßer dünkt der Weste Girrn
In jenen Eichen mich;
Um mich tanzt Blumentrift und
Flur,
Und jedes Hälmchen lacht,
Und seliger blüht die Natur
Mir in der Frühlingstracht.
Der Mond, der dort voll
Freundlichkeit
Sich sonnt, so hell und klar,
Ist mir noch eins so lieber heut,
Als er mir sonst wohl war.
Ha! wie sich schnell mein
Rosenblut
Durch alle Adern rafft;
Wie jede Fiber schwellt von Mut
Und niegefühlter Kraft.
Doch weißt du, Freund, woher,
woher?
Der Wonne Überfluß?
Sie gab mir heut von ohngefähr
Ihr Herz und einen Kuß.
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