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Eduard Mörike
(1804-1875)
Lied eines Mädchens
Bist du, goldner
Frühling,
Wieder auf dem Wege,
Wirst du wieder rege,
Warme Lebensluft?
Daß du, holder Knabe,
Vor der Türe stehest,
Linde mich umwehest,
Spür ich lange schon.
Willst du erst necken,
Dann mit schnellen Schwingen
Mir entgegenspringen,
Wie der Braut in Arm?
Deine grüne Jacke
Sah ich lange blitzen,
Und aus allen Ritzen
Flimmert sie hervor.
Nur den alten Winter
Laß sich nimmer regen!
Laß dich nimmer legen
In das Leichentuch!
Sonst folg ich dem Sieger
Fort in alle Weite,
Und im Flockenkleide
Kehr ich nur zurück,
Daß du beim Erwachen
Kalt und starr mich findest
Und beinah erblindest
Vor dem Flockenmann!
Magst mit Rosen schmeicheln
Und mit Blumenschmelze, -
Ei, am weißen Pelze
Steht die Blüte wohl!
Glaubst mich zu erwärmen,
Mir das Kleid zu rauben? -
Wollts ja gern erlauben, -
Ach, so komme nur!
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