Theodor Storm
(1817-1888)
Neuer Frühling
Der liebe
Frühling kommt mit hellem Klange
Und streuet seinen Schmelz auf Hain und
Triften;
Viel tausend Vögel wiegen sich in Lüften
Und feiern ihn mit lautem Freudensange. -
Auch du, mein
Herz, ihn freundlich zu empfangen,
Aus starrer Trauer mußt du dich erheben!
Was willst du noch der alten Liebe leben,
Da rings umher nur frische Rosen prangen.
Und konnt im
Lenz die alte Lieb verglühen;
So mag die Trauer mit dem Winter
schwinden;
Im neuen Lenz wird neue Lieb erblühen.
Es sind ja
Blumen noch genug zu finden,
Der ganzen Flur ist neuer Schmuck
verliehen!
Drum will auch ich aufs neu mir Kränze
winden!
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