Stille der NachtWillkommen,
klare Sommernacht,
die auf betauten Fluren liegt!
Gegrüßt mir, goldne Sternenpracht,
die spielend sich im Weltraum wiegt!
Das Urgebirge um mich
her
ist schweigend wie mein Nachtgebet;
weit hinter ihm hör' ich das Meer
im Geist und wie die Brandung geht.
Ich höre einen
Flötenton,
den mir die Luft von Westen bringt,
indes herauf im Osten schon
des Tages leise Ahnung dringt.
Ich sinne, wo in weiter
Welt
jetzt sterben mag ein Menschenkind -
und ob vielleicht den Einzug hält
das vielersehnte Heldenkind.
Doch wie im dunklen
Erdental
ein unergründlich Schweigen ruht,
ich fühle mich so leicht zumal
und wie die Welt so still und gut.
Der letzte leise Schmerz
und Spott
verschwindet aus des Herzens Grund:
Es ist, als tät der alte Gott
mir endlich seinen Namen kund.
Gottfried Keller
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