s i l e n t i u m
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Nachtstille In stiller Nacht die Sterne gingen Am Himmel hoch in ernster Pracht, Ein Säuseln hört' ich und ein Klingen Wohl durch die stille Mitternacht. Doch war es nicht der Blätter Rauschen, Es war nicht Nachtigallensang: Aus tiefer Seele mußt' ich lauschen Dem nie gehörten, süßen Klang. Und o, mir war's, als käm' geflogen Ein Flötenton aus Fels und Stein, Als sängen aus des Baches Wogen Sirenen ihren Zauberreihn; Als lullten leise, schlummertrunken In süßen Traum sich Feld und Wald, Wie halb in Schlummer schon gesunken Ein Kindlein noch Gebete lallt; Als ob in seinem Silbernachen Der Mond ein Schifferlied sich sang, Als ob geheim in tausend Sprachen Der Sterne nächtlich Plaudern klang; Als stiege schon vom Himmel nieder Der Träume leichtbeschwingter Chor, Und sänge Märchen, sänge Lieder Dem Schlummernden ins wache Ohr! Das, o Natur, ist deine Weise, Es ist dein nächtlich Feierlied, Das hell wie Orgelklang und leise Wie ein Gebet das All durchzieht. Und wo dich Sterbliche vernehmen, Da machst du schnell die Herzen weit, Zu linder Wehmuth wird ihr Grämen, Zu stiller Hoffnung wird das Leid. So tönet fort, ihr süßen Lieder, Ihr Engelstimmen hell und rein! Strömt leise wie ein Balsam nieder In jedes wunde Herz hinein! Doch wo getrennt von seiner Schönen Ein Jüngling unter Thränen wacht, Da sagt ihm mit der Liebsten Tönen Ein herzig süßes Gute Nacht! Robert Prutz |