s i l e n t i u m
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Das Gebet als das Tor in unsere Ewigkeit Für die tiefsten Dinge gibt es keine Worte. Worte werden hinfällig, wenn das Mysterium aufscheint und das Gebet ins Schweigen übergeht. In der postmodernen Gesellschaft hat das allgegenwärtige Geschwätz uns dem Schweigen entfremdet. Infolge dessen sind wir ängstlich und gestreßt. Das Schweigen ist faszinierend gegenwärtig. Das Schweigen ist scheu; es ist geduldig und drängt sich niemals auf. Aber ohne die Gegenwart des Schweigens könnte kein Wort je gesprochen oder vernommen werden. Unser Denken beschwört fortwährend neue Wörter herauf. Wir sind so versessen auf Wörter, daß wir das Schweigen kaum noch bemerken - aber das Schweigen ist immer da. Die besten Wörter werden im fruchtbaren Schweigen geboren, das auf das Geheimnis achtet. Wenn das Gebet die geräuschvollen Wildbäche der Wörter und Gedanken verläßt, gelangt es auf den stillen See des Schweigens. Hier werden wir des tiefen Friedens gewahr, der in uns lebt. Unter all unseren Handlungen, Gesten und Gedanken liegt ein schweigender Friede. Wenn wir beten, suchen wir die Unschuld unserer Seele auf. Dies ist ein reiner, sanfter Ort der Einigkeit, den der Lärm des Lebens niemals zu stören vermag. Wir betreten den Tempel unserer tiefsten Zugehörigkeit. Einzig in diesem Tempel kann jegliche Sehnsucht Ruhe und Frieden finden. Dies faßt der Psalmist in dem anrührenden Vers zusammen: "Seid stille und erkennet, daß ich Gott bin!" In der Stille wird das Schweigen des Göttlichen zur größter Nähe. John O'Donohue (Echo der Seele) |