s i l e n t i u m






Erziehung zur Stille, zum Schweigen
begann schon sehr früh.
Wir lehrten unsere Kinder,
still zu sitzen
und Freude daran zu haben.
Wir lehrten sie, ihre Sinne
zu gebrauchen, die verschiedenen
Gerüche aufzunehmen,
zu schauen,
wenn es allem Anschein nach
nichts zu sehen gab,
und aufmerksam zu horchen,
wenn alles ganz ruhig schien.
Ein Kind, das nicht stillsitzen kann,
ist in seiner Entwicklung
zurückgeblieben.

Übertriebenes, auffälliges Benehmen
lehnten wir als unaufrichtig ab,
und ein Mensch,
der pausenlos redete,
galt als ungesittet
und gedankenlos.
Ein Gespräch wurde nie
übereilt begonnen
und hastig geführt.
Niemand stellte vorschnell eine Frage,
mochte sie auch noch so wichtig sein,
und niemand wurde zu einer Antwort
gezwungen.
Die wahrhaft höfliche Art
und Weise, ein Gespräch zu beginnen,
war eine Zeit gemeinsamen
stillen Nachdenkens;
und auch während des Gespräches
achteten wir jede Pause,
in der der Partner
überlegte und nachdachte.
Für die Dakota war das Schweigen
bedeutungsvoll.
In Unglück und Leid,
wenn Krankheit und Tod
unser Leben überschatteten,
war Schweigen
ein Zeichen von Ehrfurcht
und Respekt;
ebenso, wenn uns
Großes und Bewundernswertes
in seine Bann schlug.
Für die Dakota
war das Schweigen
von größerer Kraft
als das Wort.

Luther Standing Bear
(Weisheit der Indianer)



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