s i l e n t i u m
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... bis der Betende Gott hört Es ist des Menschen Vorzug vor dem Tiere, daß er reden kann; aber im Verhältnis zu Gott kann es dem Menschen, der reden kann, leicht zum Verderben werden, reden zu wollen. Gott ist im Himmel, der Mensch auf der Erde: darum können sie nicht gut miteinander reden. Gott ist Liebe, der Mensch ist - wie man wohl zu einem Kinde sagt - sogar hinsichtlich seines eignen Wohls und Wehes ein kleines Schaf; darum können sie nicht gut miteinander reden. Nur mit viel Furcht und Zittern kann der Mensch mit Gott reden; mit viel Furcht und Zittern. Indes, mit viel Furcht und Zittern reden ist schwierig aus einem andern Grunde; denn gleich wie die Angst es macht, daß die Stimme leiblich versagt, ebenso bewirkt wohl auch viel Furcht und Zittern, daß die Rede verstummt und stille wird. Dies weiß der rechte Beter; und wer ein rechter Beter nicht war, er hat vielleicht eben dies gelernt im Gebet. Es war da etwas, das ihm so sehr am Herzen lag, eine Sache, die ihm so wichtig war, es war ihm so überaus dringlich, sich Gott so recht verständlich zu machen, es bangte ihm, daß er im Gebet etwas vergessen haben könnte, und ach, gesetzt, er hatte es vergessen, so bangte ihm, daß Gott vielleicht von selber nicht daran denken möge: darum wollte er seinen Sinn darauf sammeln, recht innerlich zu beten. Und was widerfuhr ihm dann, wenn anders er wirklich betete? Etwas Wunderliches widerfuhr ihm; allmählich wie er innerlicher und innerlicher wurde im Gebet, hatte er weniger und weniger zu sagen, und zuletzt verstummte er ganz. Er ward stumm, ja, was dem Reden vielleicht noch mehr entgegengesetzt ist als das Schweigen, er ward ein Hörender. Er hatte gemeint, beten sei reden; er lernte: beten ist nicht bloß schweigen, sondern ist hören. Und so ist es denn auch; beten heißt nicht, sich selbst reden hören, sondern heißt dahin kommen, daß man schweigt, und im Schweigen verharren, und harren, bis der Betende Gott hört. Sören Kierkegaard www.lesen-bei-kierkegaard.de |