s i l e n t i u m






Als mein Vater ein Junge war,
kam ein alter Mann oft zu Besuch
in das Haus Mammedatys, meines
Großvaters. Es war ein hagerer
alter Mann mit zu Zöpfen
geflochtenem Haar,
der durch sein Auftreten
und die Anzahl seiner Jahre
bei allen großen Eindruck
hinterließ. Sein Name war Cheney,
und er war Pfeilmacher.
Jeden Morgen, so erzählt mir
mein Vater, bemalte Cheney
sein runzeliges Gesicht,
ging ins Freie hinaus
und betete mit lauter Stimme
zu der aufgehenden Sonne.
In meiner Vorstellung sehe ich
den alten Mann so deutlich,
als stünde er vor mir.
Ich liebe es, ihn zu betrachten,
wenn er sein Gebet spricht.
Ich weiß genau, wo er steht,
von wo er seine Stimme
ausschickt über das wogende Gras,
und ich weiß, an welcher Stelle
die Sonne emporsteigt.
Dort, in der Morgendämmerung,
kannst du die Stille spüren.
Sie ist kühl und klar
und tief wie Wasser.
Sie erfaßt dich
und läßt dich nicht mehr los.

Momaday
(Weisheit der Indianer)



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