LIEBESHYMNE
Sie ist
schlank wie ein biegsamer Zweig.
Ihr Blick macht trunken wie Wein; trunken
macht der Nektar ihres Mundes.
Sie ist
ein Mond, der aufgeht über dem Horizont
meines Herzens.
Sie ist
eine Gazelle und durchfliegt die Ebene,
meiner Augen.
Die
vollendete Schönheit erkennt sie als Herrin an.
Alle Schönheiten schlafen in ihren Gliedern.
Ihre Bewegungen sind geschmeidig, zum Anbeten.
Mein
Herz ward ihr Gefangener, und meine
Tränen fließen, aus Liebe.
Auf
ihrem Nacken wächst ein zarter Flaum.
Karminrot glänzen ihre Lippen, wie alter Wein.
Auf
ihren Wangen leuchtet der Abglanz eines
Feuers der Liebe;
Dieses Feuer der Liebe wütet in meinem Herzen.
Ihr
Antlitz gleicht dem Monde am Firmament;
Die Menschen nennen die beiden Zwillingsgestirne.
Der
Liebende findet es süß, sich ganz zu opfern für sie.
Er spürt keine Scham; um ihretwillen verleugnet
er seine Geliebte.
O mein
Herz, wie bist du keusch,
Während meine Augen ihr Bild einsaugen, voller
Entzücken.
Der
allein kennt das Glück dieser Welt,
Der sich tränkt von der Nässe ihres Mundes am
Morgen und am Abend.
IL HAGYRI (13. Jh)
Nachdichtung: Hans Bethge
Mit freundlicher Genehmigung
des
YinYang Media
Verlages, Kelkheim
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