Liebeshymne
Der Schimmer, der
von deinem Mund ausgeht,
Ist wie ein Frühlingswunder. Eh der Wind
Der Dämmrung anhebt, lugt er nach dir aus,
Zu wissen, wie
dir's geht. Durch deine Schönheit
Verwandelt sich das Wesen der Natur:
Das Angesicht, in das der Schmerz sich grub,
Beginnt zu
lächeln, wenn du es betrachtest
Wo du erscheinst, das glänzt die Finsternis
Der Nächte wie ein Morgenrot empor.
Das aufgeregte
Wesen der Verliebten
Beruhigt sich, sobald du ihnen nahst, -
Sie beugen sich vor deiner Himmelsschönheit.
Du darfst dich
messen mit der Kunst der Dichtung;
Du bildest keine Verse, - aber dennoch
Bist du so dichterisch wie sonst nichts mehr.
Du bist uns ein
Beweis dafür, daß Liebe
So rein ist wie die Seele in den Blumen;
Wenn du dahingehst in der Keuschheit Glanz,
So neigen sich
die Stirnen tief vor dir,
Wie vor der Himmelsgöttin. Strahlende,
Du bist so schön, daß man behaupten möchte,
Aus lauter Seele
sei dein Leib gemacht.
Der Regen weicht, die Wolken schwinden hin,
Die Frühlingssonne schüttet ihren Glanz
Auf alle
blühenden Horizonte aus,
Und in den Blumen wird ein Lächeln wach, -
Und dieses Lächeln: das bist du, Geliebte!
Tewfik Fikret Bey
(19. Jh)
Nachdichtung: Hans Bethge
Mit freundlicher Genehmigung
des
YinYang Media
Verlages, Kelkheim
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