DIE HERRLICHE
Du bist
wie eine Zauberin! Die Schritte,
Die deine schlanken Lenden tun, verwirren;
Der Maulbeerbaum umkost dich, dem du nahst.
Pflückst
du dir Blumen, fliegen sie beseligt
In deine Hände. Fällt dein Ärmel rückwärts,
So seh ich einen Arm, der himmlisch ist.
Zwei
goldne Reifen gehn um deine Knöchel,
In deinem Gürtel prangen blaue Steine,
Ein kleiner goldner Vogel schmückt dein Haar.
Um
deinen Hals, der glatter ist als Jade,
Flirrt eine Kette großer, echter Perlen,
Die eine Spange von Korallen schließt.
Wenn
sich der Wind in deinen Kleidern fängt,
So bauschen deine Kleider sich wie Wolken,
Darin die Götter durch den Himmel ziehn.
Siehst
du mich an, so glüh ich wie die Hölle;
Streift mich ein Hauch von deinen roten Lippen,
So atme ich den Duft der Blume Lan.
Begegnet
dir ein Reiter vor den Toren,
So hemmt er seines Rosses wilde Hufe,
Ihm ist, als ob ein holdes Traumbild naht.
Sieht
dich ein Hungriger am Straßenrande,
So blickt er auf und läßt die Mahlzeit ruhen
Und staunt dich an und weiß nicht, daß ihn hungert ...
Gedicht eines
Fahrenden (3. Jh.)
Nachdichtung: Hans Bethge
Mit freundlicher Genehmigung
des
YinYang Media
Verlages, Kelkheim
(Blume Lan
ist eine Orchideenart)
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