Schön bist du, meine Freundin, du bist schön ...


 



Sie schreitet in Schönheit

1

Sie schreitet in Schönheit, wie die Nacht /
bei wolkenlosen Atmosphären
und sternklaren Himmeln; /
und alte Vorzüge des Dunklen und Hellen /
vereinigen sich in ihrer Erscheinung
und ihren Augen: /
so gemildert zu jenem zarten Licht, /
das der Himmel dem grellen Tag verweigert.

2

Ein Schatten mehr, ein Strahl weniger /
hätte die unbeschreibliche Anmut
fast beeinträchtigt, /
welche in jeder rabenschwarzen Locke wallt /
oder weich über ihr Antlitz leuchtet; /
wo heitersüße Gedanken
zum Ausdruck bringen, /
wie rein, wie teuer ihre Wohnstatt.

3

Und auf jener Wange und über jene Braue, /
so weich, so ruhig, und doch so beredt, /
erzählt das Lächeln, das einnimmt,
die Farben, die strahlen, /
nur von Tagen, die in Güte verbracht sind, /
einem Geist, der im Frieden ist
mit allem [hier] drunten, /
einem Herz, dessen Liebe unschuldig ist.

George Gordon Lord Byron (1788-1824)



 

Bild: Raffaelo Sanzio (1483-1520)
Madonna mit dem blauen Diadem (1510-11)
(Detail)

zurück