Schön bist du, meine Freundin, du bist schön ...


 



Ich würde sagen ...

Ich würde sagen,
es sei im April ein Abend,
Und die beglückendsten
aller Winde wehen von dir.
In dir betrachte ich nun
das blaueste aller Meere,
In dir durchwandele ich
den ganz einsamen Wald,
Von dir nur pflückt' ich
die unverwelklichsten Blüten,
In dir durchpflügte ich
das gesegnetste Land,
Und alle Früchte kostete ich in dir.
Ich würde sagen, du seist für mich
Notwendig wie die Luft,
Gesegnet wie das Brot,
Und wie das Wasser so lieb,
Du, himmlisches Gnadengeschenk.

Ich würde sagen ... glaub mir,
o glaube mir, Lieb,
Du bist mir im Hause der Frohsinn,
Du bist mir im Garten der Lenz,
Auf meiner Tafel der älteste Wein.
Ich lebe in dir,
Und du, du herrschest in mir.
Laß mich, ich will
deine Schönheit verkünden
Mit Winden und Vögeln
und Strömen zusammen!
Und später, an einem Tag,
Wenn du vielleicht meine Stimme
nicht mehr erkennst
Aus der Stimme der Winde
und Ströme und Vögel,
Dann, wisse das, bin ich tot.
Aber werde nicht traurig, du,
sei nur ganz ruhig:
Auch den Käfern im Grab
erzähle ich deine Schönheit.
Und irgendwann später,
Wenn du am Himmelszelt
wiederum meine Stimme vernimmst,
Denke daran: dann ist Auferstehung,
Und ich stehe mitten darin
und suche nur dich.

CAHIT SITKI TARANCI (1910-1956)



 

Bild: Correggio (1490-1534)
Madonna mit Kind und ein Engel
(Madonna del Latte) (Detail)

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