Komm, junge Zauberin
Komm,
junge Zauberin,
die meine Seele bannte!
Als Göttin priese dich
Virgil, als Engel Dante,
So hoch
ist deine Stirn,
so schwebend leicht dein Fuß,
Und vom halboffnen Mund
so lieblich klingt dein Gruß .
Wie
müßte wundervoll
zu deinen stolzen Brauen
Der blaue Panzer stehn
der alten Schildjungfrauen.
Und mehr
als ein Serail
beneidete vielleicht
Dich um der Lippen Rot,
das der Koralle gleicht.
Cellini
würd, entzückt
von deiner Anmut gülden
Auf einem Trinkgefäß
dein holdes Gleichnis bilden,
Wie du,
das Haupt empor,
mit sanftgebognem Leib
Aus einer Lilie stiegst,
die ausläuft in ein Weib,
Aus einem
Lotuskelch,
von Laubgerank umkleidet,
Um dessen fremden Reiz
Natur die Kunst beneidet.
O komm
und hör mich an,
du, deren Blick ein Strahl. -
Der Tag, an dem ich dir
genaht zum erstenmal,
Das war
ein goldner Tag.
O, blieb in deinem Innern,
So wie in meiner Brust,
von ihm ein licht Erinnern?
Du
lächelst. Gib mir denn
die Hand so weiß und weich,
Und komm. Der Frühling blüht,
der Pfad ist schattenreich,
Die Luft
ist lau, und dort
am Hang im Eichengrunde
Vernimmt kein lauschend Ohr
das Wort aus unserm Munde.
Victor
Hugo (1802-1885)
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