Schön bist du, meine Freundin, du bist schön ...


 




AN EINE GRIECHIN

Du Schöne kamst auf diese Welt,
Den Müden Munterkeit zu bringen,
Von der Natur dazu bestellt,
Den Geist der Dichter zu beschwingen.
Durch deiner Stimme Ausdruckskraft,
Den Glanz der Augen zauberhaft.
Und die verführerischen Füße,
Weckst du die Ahnung aller Süße
Wollustberauschter Leidenschaft;
Dem Sänger, der Leila besungen,
Sie pries als höchstes Ideal,
Das ausschloß jede andre Wahl,
Ist wohl sein Lied voll Sehnsuchtsqual
Nach deinem Anblick nur gelungen?
Vielleicht sah er im fernen Land
Der Griechen dich vorübergehen,
Nachdem er dich im Traum gesehen,
Und hat dein Ebenbild erkannt.
Um es für immer zu bewahren
In seinem Herzen unbeirrt.
Vielleicht hast du das Glück erfahren.
Daß dich ein Zaubrer hat verführt
Und deine Sinne hat verwirrt
Mit Liebesliedern, wunderbaren.
Daß du, gelehnt an seine Brust...
Doch nein, ich hüte mich, du Schöne,
Durch Eifersucht der Liebe Lust.
Zu trüben mir. - Zu lange sehne
Ich mich, sie zu genießen neu.
Bin ich von Eifersucht nicht frei.

Denk ich : Kein schönes Weib ist treu.

Alexander Puschkin (1799-1837)


 

Bild: Reni Guido (1575-1642)
Madonna der Verkündigung (Detail)

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