Schön bist du, meine Freundin, du bist schön ...


 



AN***

Ein Augenblick ist mein gewesen:
Du standst vor mir mit einemmal.
Ein rasch entfliegend Wunderwesen.
Der reinen Schönheit Ideal.

Im schmerzlich hoffnungslosen Sehnen.
Im ew'gen Lärm der Menschenschar,
Hört ich die süße Stimme tönen.
Träumt ich das milde Augenpaar.

Allein im Kampf mit dem Geschicke
Und in der Jahre düsterm Gang
Vergaß ich deine Engelsblicke
Und deiner süßen Stimme Klang.

Und lange Kerkertage kannt ich.
Es ward die Brust mir stumm und leer.
Für keine Gottheit mehr entbrannt ich.
Nicht weint ich, lebt ich, liebt ich mehr.

Es darf die Seele nun genesen:
Und du erscheinst zum zweitenmal,
Ein rasch entfliegend Wunderwesen,
Der reinen Schönheit Ideal.

Und wieder schlägt das Herz voll Weihe.
Sein Todesschlummer ist vorbei.
Für eine Gottheit glüht's aufs neue,
Es lebt, es weint, es liebt aufs neu.


Alexander Puschkin (1799-1837)



 

Bild: Giulio Romano (1499-1546)
Madonna mit Kind (1522-23) (Detail)

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Dieses Gedicht von Puschkin ist von Karolina Pawlowa (Jaenisch)
übersetzt worden.
Da dieses Gedicht aber von mehreren übersetzt worden ist,
und ich wirklich nicht sagen kann, welche Übersetzung die beste ist,
lass ich hier die anderen Übersetzungen folgen:

 

AN A. P. KERN

O Stunde seliger Vereinung,
Wo du erschienst mit holdem Gruß,
Gleich einer flüchtigen Erscheinung,
Der reinsten Schönheit Genius!

In hoffnungslosen Sehnsuchtsqualen,
In dieses Lebens Wogenprall,
Sah ich dein Engelsauge strahlen
Und hörte deiner Stimme Schall.

Es schwanden Jahre. Meine Qualen
Begrub des Lebens Wogenschwall,
Und deiner Engelsaugen Strahlen
Vergaß ich, deiner Stimme Schall!

Verbannt, in düstrem, dumpfem Sehnen
Floß träg und kalt dahin mein Blut -
Ach, ohne Gottheit, Leben, Tränen,
Begeisterung und Liebesglut!

Da schlug die Stunde der Vereinung,
Und du erschienst mit holdem Gruß,
Gleich einer flüchtigen Erscheinung,
Der reinsten Schönheit Genius.

Nun schlägt mein Herz in trunknem Sehnen,
Und feurig schießt dahin mein Blut -
Mich rufen Gottheit, Leben, Tränen,
Begeisterung und Liebesglut.

(Übersetzt von F. Fiedler)
___________

An ***

Ich schwieg in seligem Entzücken,
Als ich zum ersten Mal dich sah.
Du standst, das Herz mir zu beglücken,
In reiner Schönheit vor mir da.

In hoffnungslosen, schweren Tagen,
Wie ich so oft sie damals sah,
War, wie vom Zauber hergetragen,
Dein Wort, dein Blick mir manchmal nah.

Dann wurde ich vom Sturm verschlagen,
Und andres, Fremdes, kam mir nah,
Und ich vergaß nach dir zu fragen,
Der Traum verflog, den einst ich sah.

Wie Lasten schwer das Herz bedrücken,
Floß träge im Exil die Zeit:
Kein Gott, kein schöpferisch Entzücken,
Kein Lieblingsglück, nur dumpfes Leid.

Doch jetzt, erneut mich zu beglücken,
Kam neu das Himmelsbild mir nah:
Du stehst vor den beglückten Blicken
In reiner Schönheit wieder da.

Nun schlägt das Herz mir in Entzücken,
Der Geist vergißt den kalten Spott.
Neu sind erstanden, neu beglücken
Mich Liebe, Schöpfertum und Gott.

(Übersetzt von Ludolf Müller)
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An ***

Ich denk des Augenblicks, des einen:
Du tratst vor mich, ein Traumgebild,
Als wäre mir durch dein Erscheinen
Der Schönheit Genius rein enthüllt.

In hoffnungslosem Schmerzengrimme,
Im wilden Drang des lauten Nichts,
Erschien mir lang, mit süßer Stimme,
Die Milde deines Angesichts.

Die Zeit verging. Im Sturmestoben
Versank mein früher Traum in nichts,
Und mit der Stimme war zerstoben
Der Himmel deines Angesichts.

Im fremden Land sind mir versunken
In träger, dunkler Zeitenflut
Die Gottheit, der Begeistrung Funken
Und Tränen, Leben, Liebesglut.

Mein Herz erwacht aus der Verneinung:
Du kehrtest wieder, Traumgebild,
Als wär in deiner Lichterscheinung
Der Schönheit Geist mir rein enthüllt.

Und wieder schlägt das Herz mir trunken,
Und neu erglühn in meinem Blut
Die Gottheit, der Begeistrung Funken
Und Leben, Tränen, Liebesglut.

(Übersetzt von Michael Engelhard)
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***

Ich denk der wundervollen Stunde,
Als du mir im Vorübergehn
Von reiner Schönheit brachtest Kunde
Und ich Vollkommenheit gesehn.

Mit hoffnungsloser Trauer ringend
Im Lärme der Vergänglichkeit,
Hört deine Stimme zart ich klingen,
War mir dein Blick Geleit.

Die Jahre gingen. Sturmeswinde
Vertrieben meinen frühen Traum,
Und ich vergaß der zarten Stimme,
Des holden Blicks gedacht ich kaum.

Im Dunkel zogen, still und trübe,
Die Erdentage nun dahin,
Ich lebte ohne Gott und Liebe,
Und ohne Tränen, ohne Sinn.

Doch schlug mir wiederum die Stunde,
Als nochmals im Vorübergehn
Du mir von Schönheit brachtest Kunde
Und ich Vollkommenheit gesehn.

Das Herz, es schlägt im Rausche wieder,
Von neuem ich erstanden bin,
Mit mir das Göttliche, die Liebe,
Begeistrung, Tränen, Leben, Sinn.

(Übersetzt von Christoph Ferber)
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An A. P. Kern

Ich denk' der zaubrischen Sekunden:
Du tratest flüchtig vor mich hin,
Wie ein Gesicht, nicht erdgebunden,
Der reinsten Schönheit Herrscherin.

Im Kampf des Gutes mit dem Schlimmen,
Im hoffnungslosen Tageslicht
Klang mir noch lang die süße Stimme
Und träumte mir dein Angesicht.

Die Jahre flohn. Dem Sturmesgrimme
Hielt stand das frühere Traumbild nicht,
Und ich vergaß die süße Stimme
Und deiner Züge Himmelslicht.

Verbannt, umschwärmt von düstern Geistern,
Zog langsam nur mein Tagwerk hin,
Ganz ohne Gottheit und Begeistern,
Ganz ohne Liebe, ohne Sinn.

Doch plötzlich hat sich's eingefunden:
Aufs neue tratst du vor mich hin,
Wie ein Gesicht, nicht erdgebunden,
Der reinsten Schönheit Herrscherin.

Es läßt das Herz sich nicht mehr meistern,
Denn herrlich auferstehn drin
Mitsamt der Gottheit das Begeistern
Und Liebe und des Lebens Sinn.

(Übersetzt von J. v. Guenther)