Schön bist du, meine Freundin, du bist schön ...


 




Schildert die wunderbaren Wirkungen,
die die Schönheit seiner Dame auf das Meer ausübt

XIII

Die vielen Fische, sonst so stumm und kalt,
Sind warm geworden, reden Liebessachen,
Du selbst willst Flut und Sturm gelinder machen:
Erkennst du, Meer, der Schönheit Allgewalt?

Dein Spiegel läßt die holde Lichtgestalt,
Der Ufer Sonne, sich vertausendfachen.
Du dankst ihr mehr als jener armen, schwachen,
Die alle Tage auf und nieder wallt:

Die Undankbare, deinem Schoß entstiegen,
In dir versinkend, will dein Bestes rauben,
Und Salzgeschmack und Schwermut bleibt zurück.

Doch jene Sonne, deren Augen siegen,
Ist voller Süße, läßt an Frohes glauben
Und will nicht nehmen, Schenken ist ihr Glück.

Torquato Tasso (1544-1595)


 

Bild: Neroccio de' Landi (1445-1500)
Madonna mit Kind, Johannes dem Täufer
und Maria Magdalena (ca 1495) (Detail)

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