In des Herzens Ruhekammer ...
Texte zum Nachsinnen
(3. August  2007)





 

Markos der Asket
(gest. um 430)

Über das geistige Gesetz
(Ausschnitte)

(Aus:  Philokalie)

 




Bei allem, was du vorhast, mache Der den Anfang,
der den Anfang alles Guten wirkt,
damit das Anstehende vollbracht werde,
wie es Gott gefällt.

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Werde nicht Schüler dessen, der sich selbst lobt,
damit du nicht statt Demut Hochmut lernst.

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Im Augenblick, wo du an Gott denkst, vermehre dein Gebet,
damit sich Gott deiner erinnere,
wenn du ihn vergißt.

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Bei jeder Tugend macht Gott den Anfang,
wie auch beim Licht des Tages die Sonne.

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Hast du eine Tugend vollbracht, denke an den, der gesagt hat:
"Ohne mich könnt ihr nichts tun".

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Tadel von Menschen bringt dem Herzen Bedrängnis,
doch wird er für den, der ihn erduldet,
Ursache der Reinheit.

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Kümmere dich um deine eigenen Fehler und nicht um die
des Nächsten, und niemals wird dir
das geistige Betätigungsfeld genommen.

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Jede Bedrängnis ist nach dem Willen Gottes
ein wesentliches Werk der Frömmigkeit.
Die wahre Liebe wird nämlich
durch Widerwärtigkeiten geprüft.

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Viele Ratschläge des Nächsten sind von Vorteil.
Für jeden aber ist nichts passender
als die eigene Einsicht.

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Suchst du Heilung, kümmere dich um dein Gewissen.
Tu alles, was es dir sagt, und du wirst die ersehnte Hilfe finden.

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Alles, was der Mensch vermag, das setzt er ins Werk
nach seinem eigenen Willen.
Doch dessen Ausgang gestaltet Gott nach seiner Gerechtigkeit.

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Willst du Lob von den Menschen empfangen,
ohne verurteilt zu werden,
so heiße zuvor Tadel deiner Sünden wegen willkommen.

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Ein Mensch rät dem Nächsten entsprechend seinem Wissen.
Und Gott wirkt für den, der auf ihn hört,
entsprechend seinem Glauben.

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Ich sah Ungebildete, die hatten wirklich
einen demütigen Sinn angenommen;
und sie wurden weiser als die Weisen.

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Ein anderer Ungebildeter hatte gehört, wie jene gelobt wurden,
und ahmte ihre Demut nicht nach;
vielmehr rühmte er sich seiner mangelnden Bildung
und lud damit Hochmut auf sich.

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Wer Verständnis gering achtet und sich seiner Torheit rühmt,
ist nicht nur ein Ungebildeter im Wort,
sondern auch in der Erkenntnis.

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Denn wie etwas anderes Weisheit des Wortes
und etwas anderes Einsicht ist,
so ist eines fehlende Bildung im Wort
und ein anderes Unverstand.

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In keiner Weise wird Ungeschicklichkeit im Ausdruck
dem wirklich Frommen schaden,
genauso wenig wie Weisheit der Worte
dem Demütigen.

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Die Worte der göttlichen Schrift lese (bzw. erkenne) durch die Tat,
und rede nicht breit daher,
indem du dich bloßer aus ihr gewonnener Einsichten wegen aufblähst.

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Wer verständig betet, erduldet, was auf ihn zukommt.
Wer aber voller Groll ist, hat noch nie rein gebetet.

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Es ist besser, in Gottesfurcht für den Nächsten zu beten,
als ihn bei jeder Sünde zurechtzuweisen.

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Ein langmütiger Mensch ist groß in der Einsicht.
Ebenso auch, wer sein Ohr
Worten der Weisheit zugeneigt hat.

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Getrennt vom Gedenken Gottes kann Erkenntnis nicht wahr sein.
Denn ohne das erstere ist letztere unecht.

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Alles Werdende beginnt beim Kleinen, und,
indem es Schritt für Schritt genährt wird, erhält es Wachstum.

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Manche nennen jene verständig, die sich
in den sichtbaren Dingen gut auskennen.
Verständig aber sind jene,
die Herr ihrer eigenen Wünsche sind.

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Gehorche deinem Herzen nicht,
bevor das Böse nicht daraus beseitigt ist.
Denn wie beschaffen das ist, was es in sich trägt,
solcher Art ist auch dies, was es hinzuzufügen sucht.

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Gott beurteilt die Taten nach den Absichten.
"Gott gebe dir", heißt es, "nach deinem Herzen".

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Ein natürliches Buch ist das Gewissen.
Wer es tätig liest, macht die Erfahrung der göttlichen Hilfe.

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Wer nicht freiwillig die Mühen erwählt, die für die Wahrheit nötig sind,
wird von den unfreiwilligen noch schmerzlicher erzogen.

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Wer ohne Gebet und Ausdauer die Versuchungen überwinden möchte,
wird sie nicht von sich stoßen,
sondern sich noch mehr darin verstricken.

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Ein gutes Gewissen wird durch das Gebet gefunden
und das reine Gebet durch das Gewissen.
Das eine nämlich ist auf das andere
von Natur aus angewiesen.

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Liebst du das Wissen, dann liebe auch die Anstrengung.
Die nackte Erkenntnis nämlich bläht den Menschen auf.

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Ohne die entsprechenden Taten ist die Erkenntnis
noch nicht gefestigt, auch wenn sie wahr ist.
Denn die Festigkeit jeder Angelegenheit
besteht in der Tat.

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Wer das geistige Meer durchqueren will,
ist langmütig, demütig, wach und enthaltsam.
Wenn er sich nämlich ohne diese vier gewaltsam bemüht,
ins gelobte Land einzugehen,
bringt er das Herz in Unruhe, doch vermag er nicht hinüberzugelangen.

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Wenn du hörst, daß die Letzten Erste
und die Ersten Letzte sein werden,
fasse diese als Teilhaber an den Tugenden
und Teilhaber an der Liebe auf.
Die Liebe nämlich ist der Reihenfolge nach
die letzte Tugend, doch wird sie ihrer Bedeutung nach
als die erste von allen erfunden und stellt jene,
die vor ihr entstanden sind, als letzte hin.

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Du wirst nichts von dem verlieren, was du um des Herrn willen aufgibst.
Zur gegebenen Zeit wird es nämlich vielfach wieder zurückkommen.

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Philosophiere durch die Tat über die Gesinnung des Menschen
und die Vergeltung Gottes.
Die Überlegung ist nämlich nicht weiser oder nützlicher
als die Betätigung.

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Wahre Erkenntnis besteht im Erdulden der Bedrängnis und darin,
daß man nicht den Menschen die Schuld
an den eigenen Widerwärtigkeiten gibt.

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Wer Gutes tut und nach Vergeltung trachtet,
dient nicht Gott, sondern dem eigenen Willen.

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Die Saat wird sich nicht mehren ohne Erde und Wasser.
Und auch der Mensch wird keinen Nutzen haben
ohne freiwillige Mühen und göttlichen Beistand.

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Wenn der Maulwurf unter der Erde kriecht,
kann er, blind wie er ist, die Sterne nicht sehen.
Und wer Gott nicht vertraut im Hinblick auf die zeitlichen Dinge,
kann ihm auch nicht bezüglich der ewigen vertrauen.

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Die Erkenntnis eines jeden ist insofern wahr,
als sie Sanftmut, Demut und Liebe bekräftigen.

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Habe bei jeder Angelegenheit beständiges Gebet in dir,
damit du nichts ausführst ohne den Beistand Gottes.

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Nichts kann leichter wirksam werden als das Gebet,
und für das Wohlgefallen Gottes ist nichts nützlicher.

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Jede Verwirklichung der Gebote ist im Gebet enthalten.
Denn nichts steht höher als die Liebe zu Gott.

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Ein Gebet, welches nicht umherschweift, ist für den, der dabei verharrt,
ein Zeichen seiner Gottesliebe.
Doch seine Vernachlässigung und das Umherschweifen
sind ein Beweis von Liebe zum Genuß.

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Wer ohne Bedrängnis wacht, ausharrt und betet,
hat offensichtlich Anteil am Heiligen Geist.
Wer aber dabei bedrängt wird und willensmäßig ausharrt,
erfährt ebenfalls Hilfe.

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Im Hinblick worauf jemand Hoffnung auf Gott gefaßt hat,
darum kämpft er nicht mehr mit dem Nächsten.

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Alles, was wir ohne Gebet reden oder tun,
ist nachher entweder trügerisch oder schädlich;
und es überführt uns durch unsere Handlungen,
ohne das wir es merken.

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Aus Werken, Worten und seiner Gesinnung ist ein einziger gerecht.
Doch aus Glauben, Gnade und Umkehr
sind viele gerecht.

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Was ein sichtbares Haus für die gewöhnliche Luft ist,
das ist der immaterielle Geist für die göttliche Gnade.
Je mehr man die Einrichtung hinausschafft,
desto mehr wird jene von selbst kommen,
und je mehr man sie hineinbringt,
desto mehr wird jene sich zurückziehen.

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Der Freiraum des Herzens bedeutet Hoffnung auf Gott,
doch seine Enge leibliche Sorge.

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