Es war eine Zeit, da die Liebe ...
 



Giovanni Bellini (1430-1516)
Porträt eines jungen Mannes



 




Es war eine Zeit

Es war eine Zeit, da die Liebe in langsamem
Feuer mein Leben verbrannte, mein Herz sich so
schmerzend verzehrte, daß jegliche andere
Folter dagegen Vergnügen und Spiel war.

Dann bändigte Zorn und Erbarmen allmählich
die Flamme, ich schweifte umher, war befreit von
so grausamer, langer Begierde, und fröhlich,
wie es kaum eine andere getan hätte, sang ich.

Ach, aber der Himmel, nicht müde, nicht satt
meiner Qualen! Er führt mich zurück in mein altes
Verhängnis, ich soll wohl vor Seufzen vergehen.

Er sticht mir die Seite mit spitzem Sporn,
ich fürchte in die früheren ruchlosen Martern zu fallen,
so daß ich den Tod als das kleinere Übel ersehne.

Tulia D'Aragona (um 1510-1556)
 

 

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