Denn du bist meine Heimat ...
 



Giorgione (1478-1510)
Porträt eines Jünglings



 




Ein jeder Seufzer, meiner Brust entsprungen,
- Und täglich wächst mein Sehnen seit der Stunde,
Da mir zuerst mit tödlich sichrer Wunde
Ins Herz dein Blick als Sonne eingedrungen -

Bleibt dir, Geliebter, einzig nur verdungen.
Von ferne lausch' ich ängstlich deiner Kunde,
Und rastlos geht mein Sinnen in die Runde,
Hält unbeirrt und zitternd dich umschlungen.

Denn du bist meine Heimat. Deine Seele,
Dein Auge hält in Schönheit mich gebannt.
Wie ich zuerst dich liebte, so befehle

Ich dir mich heute. Ziehe deine Hand
Nicht ab. O daß mein Hoffen nur nicht fehle!
Ich weiß, wie herzlos ich dich stets erfand.

Gaspara Stampa (1523-1554)

 

 

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