Ich blieb ohne Licht, das so innig geliebte ...
 



Sandro Botticelli (1445-1510)
Porträt eines jungen Mannes


 




O meine Augen

O meine Augen, verdunkelt ist eure Sonne,
desgleichen verschwunden mein hohes Licht,
es ist, wie ich hoffe, zum Himmel gestiegen.
Ein Wunder ist es nicht – es ist höhere Absicht.

Wie ein Stern, der vorbeifliegt im Himmel, so ging
es dahin, im schönsten und blühendsten Alter.
Ach Tod, so erbarmungslos! Leben, so grausam!
Kein anderes Unglück bedrückt mich so schmerzlich.

Ich blieb ohne Licht, das so innig geliebte,
und geh, ohne Licht, wie ein Blinder, der nicht weiß,
wohin, aber dennoch sich aufmacht.

So hat sich mein Singen in Klagen verwandelt.
O mein schweres Geschick, dahin führst du mich:
die Liebe ist Schuld, nicht der Mangel an Kunst.

Chiara Matraini (1515-1604)
 

 

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