das Ideal eines Paradieses ...
 


Ich glaube, dass es ein Ideal gibt,
das über der Erde schwebt und sie durchdringt –
das Ideal eines Paradieses,
das kein bloßes Hirngespinst ist,
sondern die letzte Wirklichkeit,
die alles umfasst und zu der alles strebt.
Ich glaube, dass die Vision dieses Paradieses
im Sonnenlicht aufscheint, im Grün der Erde,
in den reißenden Flüssen, in der Heiterkeit
des Frühlings, in der Ruhe eines Wintermorgens,
in der Schönheit eines Gesichts
und in dem Reichtum der menschlichen Liebe.
Überall auf der Erde ist der Geist dieses Paradieses
lebendig und lässt seine Stimme erklingen.
Sie erreicht unser inneres Ohr, ohne dass wir es wissen.
Sie stimmt die Harfe unseres Lebens
und drängt uns dazu,
über die Endlichkeit hinauszustreben,
so wie die Blumen ihren Duft und die Vögel ihr Lied
in die Lüfte steigen lassen.

Rabindranath Tagore (1861-1941)

 

 zurück weiter
Übersicht

 

 

Aus: Rabindranath Tagore Indische Weisheiten für jeden Tag
O.W. Barth Verlag 2006