Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
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Herr Heinrich von Morungen (1160-1220)
Leitliche blicke unde grôzliche riuwe hân mir daz herze und den lîp nâch verlorn. mîn alte nôt die klagte ich für niuwe, wan daz ich fürhte der schimpfere zorn. singe ab ich durch die diu mich freute hie bevorn, sô velsche durch got nieman mîne triuwe, wan ich durch sanc bin zer werlde geborn. Manger der sprichet 'nu sêt wie der singet! wêre im iht leit, er têt anders dan sô.' der mac niht wizzen waz mich leides twinget: nu tuon ab ich reht als ich tet aldô. do ich in leide stuont, dô huop ich si gar unhô. diz ist ein nôt diu mich sanges betwinget: sorge ist unwert dâ die liute sint frô. Diu mînes herzen ein wunne und ein krôn ist vor allen frouwen diech noch hân gesên, schône unde schône unde schône aller schônist ist si, mîn frouwe: des muoz ich ir jên. al diu werlt sol si durch ir schône gerne sên. noch wêre zît daz du, frouwe, mir lônist: ich hân mit lobe anders tôrheit verjên. Stên ich vor ir und schouwe daz wunder daz got mit schône an ir lîp hât getân, sost des sô vil daz ich sê dâ besunder, daz ich vil gerne wolt iemer dâ stân. ôwê sô muoz ich harte trûrig scheiden dan: sô kumt ein wolken sô trüebez dar under daz ich des schînen von ir niht enhân. |
Schmerzende Blicke und mächtiger Kummer haben mir Herz und Leben zugrunde gerichtet. Meine alte Not klagte von neuem, wenn ich nicht fürchtete die Wut der Spötter. Sing ich aber um sie, die mich einst froh gemacht, so soll bei Gott niemand meine Treue verdächtigen, denn ich bin zum Singen in die Welt geboren. Mancher spricht da: 'Nun seht, wie der singt! Würde er leiden, so täte er anders als so.' Der kann nicht wissen, welch ein Leid mich bedrängt: tu ich doch gerade, wie ich damals tat. Da ich im Leide verharrte, ehrte ich sie gar wenig damit. Das ist die Not, die zum Singen mich zwingt: Kummer ist unwürdig, wo die Leute fröhlich sind. Die meines Herzens Glück und Krone ist vor allen Frauen, die ich je erblickte, schön und schöner und am allerschönsten schön ist sie, meine Herrin: das muß ich bekennen. Alle Welt muß sie bei ihrer Schönheit gerne sehn. Noch wäre es Zeit, daß du, Herrin, mich belohntest: Ich habe sonst töricht mein Lob ausgesprochen. Steh ich vor ihr und betrachte das Wunder an Schönheit, das Gott an ihr getan hat, so gibt es für mich so viel Besondres zu betrachten, daß ich am liebsten immer dastehn wollte. O weh, da muß ich sehr traurig abtreten: derart kommt eine so dunkle Wolke dazwischen, daß ich von ihrem Glanze nichts habe. |