Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
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Graf Rudolf von Fenis (bezeugt 1158-1192)
Mit sange wânde ich mîne sorge krenken. dar umbe singe ich deich si wolte lân. so ich ie mê singe und ir ie baz gedenke, sô mugens mit sange leider niht zergân: wan Minne hât mich brâht in solhen wân dem ich sô lîhte niht enmac entwenken, wan ich im lange her gevolget hân. Sît daz diu Minne mich wolt alsus êren daz si mich hiez in dem herzen tragen diu mir wol mac mîn leit ze vröuden kêren, ich wære ein gouch, wolt ich mich der entsagen. ich wil ouch Minnen mînen kumber klagen, wan diu mir kunde dez herze alsô versêren, diu mac mich wol zu vröuden hûs geladen. Mich wundert des wie mich mîn vrouwe twinge sô sêre swenne ich verre von ir bin: so gedenke ich mir und ist daz mîn gedinge, mües ich si sehen, mîn sorge wære hin. 'so ich bî ir bin', des trœstet sich mîn sin und wæne des daz mir vil wol gelinge: alrêrste mêret sich mîn ungewin. So ich bî ir bin, mîn sorge ist deste mêre, als der sich nâhe biutet zuo der gluot: der brennet sich von rehte harte sêre: ir grôziu güete mir daz selbe tuot. so ich bî ir bin, daz tœtet mir den muot, und stirbe ab rehte, swenne ich von ir kêre, wan mich daz sehen dunket alsô guot. Ir schœnen lîp hân ich dâ vür erkennet, er tuot mir als der fiurstelîn daz lieht; diu fliuget dran, unz si sich gar verbrennet: ir grôziu güete mich alsô verriet. mîn tumbez herze enlie mich alsô niet, ich habe mich sô verre an si verwennet daz mir ze jungest rehte alsam geschiet. |
Mit Singen hofft ich meine Sorgen zu lindern. Darum sing ich: um sie loszuwerden. Doch je mehr ich singe und immer inniger an sie denke, um so weniger können sie leider mit Singen vergehn: denn Minne hat mich in einen solchen Wahn versetzt, dem ich so leicht mich nicht entziehen kann, denn ich habe ihm schon lang nachgegeben. Seit die Minne mich so ehren wollte, daß sie mich die im Herzen tragen hieß, die mir mein Leid wohl in Freude wandeln könnte - ich wär ein Narr, wollt ich auf sie verzichten. Ich will auch Minne meinen Kummer klagen, denn die mir mein Herz so zu versehren wußte, die mag mich auch ins Haus der Freude laden. Mich erstaunt, wie mich meine Dame bezwungen hält so sehr, auch wenn ich ihr fern bin: so denk ich mir und setze meine Hoffnung drauf, wenn ich sie sehen könnte, wäre meine Sorge fort. 'Bin ich dann bei ihr ...' - damit tröste ich mich und hoffe, dann recht glücklich zu sein: doch dann gerade wird mein Unglück groß. Bin ich bei ihr, wird mir die Sorge größer wie einem, der dem Feuer nahe kommt. Der verbrennt sich mit Recht sehr stark: ihre große Vollkommenheit macht es mir eben so. Bin ich bei ihr, das tötet mein Herz, und wiederum sterb ich, wenn ich mich von ihr wende, denn das Anschaun dünkt mich dann so gut. Ihre Schönheit, das habe ich erkannt, tut mir wie der Motte das Licht: sie fliegt dagegen, bis sie sich ganz verbrennt: ihre große Vollkommenheit hat mich ebenso verraten. Mein töricht Herz gab mir keine Ruhe, ich habe mich so weit an sie verloren, daß mir am Ende ebenso geschieht. |