Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Heinrich von Veldeke (13. Jh.)



Swer ze der minne ist sô fruot,
daz er der minne dienen kan
und er durch minne pîne tuot,
wol ime derst ein sælic man.
von minne kumt uns allez guot,
diu minne machet reinen muot.
waz solt ich sunder minne dan?

Ich minne die schœnen sunder danc.
ich weiz wol ir minne ist clâr.
ob miniu minne ist kranc,
sô wirt ouch niemer minne wâr.
ich sage ir mîner minne danc.
bî ir minne stât mîn sanc.
erst tump swers niht geloubet gar.

 


Wer für die Minne so geeignet ist,
daß er der Minne dienen kann
und der Minne wegen sich abmüht,
wohl ihm, der ist ein glücklicher Mann.
Von der Minne kommt uns alles Gute,
die Minne macht reinen Sinn.
Was sollte ich also ohne Minne?

Ich minne die Schöne ohne Dank.
Ich weiß wohl, ihre Minne ist lauter.
Wenn meine Minne sündhaft ist,
dann gibt es wahrhaftig niemals wahre Minne.
Ich sage ihr meiner Minne wegen Dank:
Mit ihrer Minne steht (und fällt) mein Gesang.
Der ist töricht, der dies nicht wirklich glaubt.

 


 

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