Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Heinrich von Veldeke (13. Jh.)



Tristrant muose sunder sīnen danc
stęte sīn der küniginne,
wan in der poysūn dar zuo twanc
mźre dan diu kraft der minne.
des sol mir diu guote danc
wizzen, daz ich solken tranc
nie genam und ich so doch minne
baz danne er und mac daz sīn.
wolgetāne
valsches āne,
lā mich wesen dīn
unde wis du mīn.

Sīt diu sunne ir liehten schīn
gegen der kelte hāt geneiget
und diu kleinen vogellīn
ir sanges sint gesweiget,
trūric ist daz herze mīn.
ich węne ez wil winter sīn,
der uns sīne kraft erzeiget
an den bluomen, die man siht
in liehter varwe
erblīchen garwe.
dā von mir beschiht
leit und anders niht.

 


Tristan mußte gegen seinen Willen
treu sein der Königin,
weil ihn der Liebestrank dazu zwang
mehr als die Macht der Minne.
Dafür soll mir die Gute Dank
wissen, daß ich solchen Trank
nie zu mir nahm und ich sie dennoch liebe
mehr als er, wenn das sein kann.
Wohlgestalte
ohne Falsch,
laß mich dein sein
und sei du mein.

Seit die Sonne ihre lichten Strahlen
vor der Kälte gesenkt hat
und die kleinen Vöglein
mit ihrem Gesang verstummt sind,
ist mein Herz traurig.
Ich glaube, es will Winter werden,
der uns seine Kraft zeigt
an den Blumen, die man
in ihren leuchtenden Farben
gänzlich erbleichen sieht.
Dadurch geschieht mir
Leid und sonst nichts.

 


 

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