Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Dietmar von Eist (1139-1171)



Ez stuont ein frouwe alleine
und warte über heide
und warte ir liebes.
sô gesach si valken fliegen.
'sô wol dir valke, daz du bist,
du fliugest, swar dir liep ist.
du erkiusest dir in dem walde
einen boum, der dir gevalle.
alsô hân ouch ich getân.
ich erkôs mir selbe einen man,
den erwelton mîniu ougen.
daz nîdent schône frouwen.
owê wan lânt si mir mîn liep,
joh engerte ich ir dekeines trûtes niet.'

 


Es stand eine Frau alleine
und spähte über die Heide
und spähte aus nach ihrem Geliebten.
Da sah sie einen Falken fliegen.
'Wohl dir, Falke, so wie du bist,
du fliegst, wohin dir lieb ist.
Du suchst dir in dem Walde
einen Baum, der dir gefällt.
So habe auch ich gehandelt:
Ich suchte mir selbst einen Mann aus,
den erwählten meine Augen.
Das neiden mir schöne Damen.
Ach, warum lassen sie mir nicht meinen Liebsten,
begehrte ich doch auch keinen ihrer Geliebten.'

 


 

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