Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Meinloh von Sevelingen (2 Hälfte des 12. Jhs)



Swem von guoten wîben lieb geschiht,
der hât aller sælden wol den besten teil.
wâ gesach ie man sô guotes iht.
an in sô lît der werlde wunne und ouch ir heil.
wol im erst ein sælic man,
der wol an in erwirbet pfliht
der fröide, der ir güete wunder geben kan.

Trûren muoz ich sunder mînen danc,
in der werlde wære nieman gerner frô.
swaz ich ie nâch hôhem muote ranc,
daz hât mir mîn ungelinge erwendet sô,
daz ich, wæne, des engalt,
daz mich wan einer liebe twanc,
ald daz ich ûf guot gelinge was ze balt.

 


Wem von edlen Frauen Liebes zuteil wird,
der hat von allen Glücksgütern wohl den besten Teil.
Wo erblickte je ein Mann etwas so Schönes.
Bei ihnen liegt die Wonne der Welt und auch ihr Heil.
Wohl ihm, - der ist ein glücklicher Mann,
der wohl bei ihnen einen Teil der Freude erwirbt,
von der ihre Güte eine Menge geben kann.

Traurig sein muß ich wider meinen Willen,
auf der Welt wäre niemand lieber froh.
Wieviel ich auch jemals nach hohem Sinn strebte,
mein Mißgeschick hat es mir so gewendet,
daß ich, glaube ich, dafür büßte,
daß mich nur eine Liebe beherrschte
oder daß ich (in der Hoffnung) auf gutes Gelingen zu kühn war.
 


 

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