Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Oswald von Wolkenstein (1376/78-1445)



'Sim Gredli, Gret, traut Gredelein,
mein zarter puel, herzlieb gemait,
dein züchtlich er an mir nicht weich.'
'Halt wie es get, mein Öselein,
in deiner schuel treustätikait,
die wil ich ler- en ewiklich.'
'Die wort sol ich behalten mir
und schreiben in meins herzen grunt
von deinem röselochten munt.'
'Mein hort, dasselb ist wol mein gir,
wann ich wil nicht wenken.'
'Das sol ich bedenken.'
'Gedenk, liebs Öselein, an mich,
dein Gredlin sol erfreuen dich.'

'Du kanst mich nicht erfreuen pas,
wann das ich läg an deinem arm
verslossen als ain kleusenär.'
'In deiner pflicht wurd ich nicht lass,
an sainlich träg mach ich dir warm,
und ist mir das ain klaine swär.'
'Hab dank, mein zarter aidgesell,
das mag ich dir vergessen klain,
wann du pist wol, die ich da main.'
'An wank von mir kain ungevell,
herz lieb, nicht enwarte.'
'Dank so hab die zarte.'
'Zart liebster man, mir ist so wol,
wann ich dein prust umbsliessen sol.'

'Vor aller freud tröst mich dein herz,
dazue dein wunnikleicher leib,
wenn sich der freuntlich zue mir smuckt.'
'Gesell, so geud ich wol den scherz,
und gailt sich fro dein ainig weib,
wenn mir dein hand ain prüstlin druckt.'
'Ach frau, das ist mein zuckernar
und süesst mir alle meine glit,
seit mir dein er halt günstlich frit.'
'Getrau mir sicherlichen zwar,
Oeslin, gar an ende!'
'Gredlin, das nicht wende!'
'Kain wenden zwischen mein und dir
sei uns mit hail beschaffen schier.'

 


'Ei Gretli, Gret, lieb Gretlein,
mein zartes Lieb, lustige Herzliebste,
deine feine Ehre bleibe mir erhalten.'
'Wie es auch geht, mein Öslein,
in deiner Schule will ich
Beständigkeit lernen ewiglich.'
'Diese Worte will ich mir bewahren
und in meines Herzens Grund schreiben
von deinem rosigen Mund.'
'Mein Schatz, das selbe ist mein Wunsch,
denn ich will immer treu bleiben.'
'Daran werde ich denken.'
'Denk, liebes Öslein, an mich,
dein Gretlein wird dir Freude machen.'

'Du kannst mich besser nicht erfreun,
als daß ich läg in deinem Arm,
eingeschlossen wie ein Klausner.'
'In deiner Treue würde ich nie müde,
fleißig und unverdrossen mach ich dir warm,
und fällt mir das nicht schwer.'
'Hab Dank, mein zarter Eidgesell,
das mag ich dir nicht vergessen,
denn du bist, die ich da im Herzen habe.'
'Zuversichtlich erwarte von mir,
Herzliebster, nichts Schlimmes.'
'Dank sollst du haben, du Zarte.'
'Zartliebster Mann, mir ist so wohl,
wenn ich deine Brust umschließen darf.'

'Mehr als alle Freude tröstet mich dein Herz,
dazu dein köstlicher Leib,
wenn sich der freundlich an mich schmiegt.'
'Gesell, so geh ich über vor Lust,
und vergnügt sich fröhlich dein einzig Weib,
wenn mir deine Hand ein Brüstlein drückt.'
'Ach Liebste, das ist mein Zuckerbrot
und geht mir süß durch alle Glieder,
daß du mir Gunst und Obdach gibst.'
'Verlaß dich sicherlich auf mich,
Öslein, immerzu!'
'Gretlein, bleib dabei!'
'Kein Wanken zwischen mir und dir
sei uns je vom Glück beschieden.'

 


 

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