Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Reinmar der Alte (von Hagenau)
(letztes Viertel des 12. Jh - vor 1210)



Ich waene, mir liebe geschehen wil.
mîn herze hebet sich ze spil,
ze vröiden swinget sich mîn muot,
alse der valke envluge tuot
und der are ensweime.
joch liez ich vriunde dâ heime.
wol mich, <unde> vinde ich die
wol gesunt, alse ich si lie.
vil guot ist daz wesen bî ir.
herre got, gestate mir,
daz ich si sehen müeze
und alle ir sorge büeze;
Obe sî in deheinen sorgen sî,
daz ich ir die geringe
und sî mir die mîne dâ bî.
sô mugen wir vröide niezen.
ô wol mich danne langer naht!
wie kunde mich der verdriezen?


 


Ich glaube, die Liebe kommt zu mir.
Mein Herz will spielen,
zur Freude schwingt sich meine Seele auf,
wie ein Falke fliegend,
wie ein Adler schwebend.
Doch ließ ich die Freundin zu Haus.
Wohl mir, finde ich sie
wohlbehalten, wie ich sie verließ.
Es ist so gut, bei ihr zu sein.
Herr Gott, gewähre mir,
sie wieder zu sehen
und ihr allen Kummer zu nehmen;
wenn sie in Sorgen ist,
daß ich ihr die erleichtere
und sie mir die meinen.
Dann werden wir voller Freude sein.
Ach, wie schön wäre dann eine lange Nacht!
Wie könnte mir die zu lang werden?
 


 

zurück