Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
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Oswald von
Wolkenstein (1376/78-1445)
Frölich, zärtlich, lieplich und klärlich, lustlich, stille, leise, in senfter, süesser, keuscher, sainer weise wach, du minnikliches, schönes weib, reck, streck, preis dein zarten, stolzen leib! Sleuss auff dein vil liechte euglin klar! taugenlich nim war, wie sich verschart der sterne gart in der schönen, haitern, klaren sunnen glanz! wolauff zue dem tanz! machen ainen schönen kranz von schaunen, praunen, plawen, grawen, gel, rot, weiss, viol plüemlin spranz. Lunzlocht, munzlocht, klunzlocht und zisplocht, wisplocht, freuntlich sprachen auss waidelichen, gueten, rainen sachen sol dein pöschelochter, roter munt, der ser mein herz tiefflich hat erzunt Und mich fürwar tausent mal erweckt, freuntlichen erschreckt auss slaffes traum, so ich ergaum ain so wolgezierte, rote, enge spalt, lächerlich gestalt, zendlin weiss darin gezalt, trielisch, mielisch, vöslocht, röslocht, hel zu fleiss waidelich gemalt. Wolt si, solt si, tät si und käm si, näm si meinem herzen den senikleichen, grossen, herten smerzen, und ain prüstlin weiss darauff gesmuckt, secht, slecht wär mein trauren da verruckt. Wie möcht ain zart seuberliche diern tröstlicher geziern das herze mein an allen pein mit so wunniklichem, lieben rainen lust? mund mündlin gekust, zung an zünglin, prüstlin an prust, pauch an peuchlin, rauch an reuchlin snell zu fleiss allzeit frisch getust. |
Fröhlich, zärtlich, anmutig und hell, lustvoll, still und sanft, ruhig, süß, rein, gemächlich: so wache auf, du liebliche, schöne Frau! Reck und streck dich, schmücke deinen zarten, herrlichen Leib! Öffne deine strahlenden, hellen Äuglein! Nimm heimlich wahr, wie die Sternenweide zergeht im Glanz der schönen, heiteren, klaren Sonne! Wohlauf zum Tanz! Laß uns einen schönen Kranz machen, schimmernd von honigfarbnen, braunen, blauen, grauen, gelben, roten, weißen, veilchenfarbnen Blümlein! Schlummerlich, küsselich, schmeichlerisch, flüsterlich und wisperlich, herzlich reden von köstlichen, guten, schönen Dingen soll dein blühender roter Mund, der mein Herz ganz in der Tiefe entzündet hat und mich wahrlich tausendmal aufgeweckt, lieblich aufgeschreckt aus Schlaf und Traum, wenn ich eine so schöngeformte rote feine Spalte gewahre, zum Lächeln geschaffen, Zähnlein weiß darin in Reihe, lippenschön, lächelnd, füllig, rosig, leuchtend wie ein trefflich gemaltes Bild. Wollte sie, möchte sie, würde sie doch, käme sie und nähme sie von meinem Herzen den sehnlichen, schweren, bitteren Schmerz! Und ein weißes Brüstlein drauf gedrückt - seht, so wäre mein Leid geglättet. Wie könnte ein zart hübsches Mädchen mein Herz wonniger schmücken, unbeschwert machen, als mit so herrlicher, süßer, reiner Lust? Mund Mündlein geküßt, Zung an Zünglein, Brüstlein an Brust, Bauch an Bäuchlein, Pelz an Pelzlein frisch, eifrig, nimmermüd gedrückt. |