Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Meister Johannes Hadlaub (um 1300)



Ez muoz ein man dik hân so senden smerzen,
der frowen gern nimet war.

Ir liechter schîn so fîn gêt im ze herzen
und durch die sêle gar.

Ein wîblîch zartez bilde
gît manne muot und tuot sîn herze wilde.
wîb sint ein lieblich guot!

Dur schœniu wîb mans lîb sol pflegen züchte
und ouch bescheidenheit:

Wer tæt des nicht? man sicht so stolzer früchte
nicht in der welte breit.

Wîb sint in mannes ougen
ein süezzer schîn. ach mîn! des tulde ich tougen
von süezze strengen pîn.

Nacht unde tag er mag wol frœlich wesin,
der mag bî frowen sîn.

Vor leit er sol vil wol bî in genesen,
sîn zît gêt suozze hin.

Sîn ougen sehint dike
so lieblîch dar, doch gar heinlicher blike:
wîb sint so zartlîch clâr.

 


Es muß ein Mann oftmals Sehnsuchtsschmerzen erleiden,
wenn er gerne Frauen beobachtet.

Ihre strahlende Erscheinung geht ihm so sanft zu Herzen
und mitten durch die Seele.

Ein weiblich zartes Wesen
macht einen Mann frohgemut und sein Herz unruhig.
Frauen sind ein liebenswertes Gut!

Um der schönen Frauen willen soll ein Mann Benehmen
und Savoir-vivre zeigen:

Wer wollte das nicht? Man sieht so herrliche Geschöpfe
sonst nicht in aller Welt.

Frauen sind für Männeraugen
eine süße Erscheinung. Ach Gott, ich erleide innerlich
wegen dieser Süße schlimmste Qualen!

Tag und Nacht kann der wohl fröhlich sein,
der bei Frauen sein darf.

Von seinem Leiden wird er bei ihnen sicher gesunden,
seine Zeit geht angenehm dahin.

Seine Augen sehen oft
in Liebe mit ganz vertraulichen Blicken zu ihnen:
Frauen sind so sanft und rein.

 


 

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