Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
 


Heinrich Hetzbold von Weissensee (bezeugt 1312-1345)



Wol mich der stunde, von rôtem munde mir
liep geschah.
den sach ich machen ein zartez lachen des ich
dô jach.
ir mündel vreche daz gestellet sich,
alsz viunviu spreche, gar durchsiuverlich.

Ach swer daz kuste, zwâr den geluste vröude
âne nôt.
sîn lachen lôse, ez enwart nie rôse mê halb
sô rôt.
kel unde hende wîzer danne ein snê.
liep trût ân ende, wes tuost dû mir wê?

Wilt dû mich twinge durch daz ich singe dir
offenbar?
trœste mich eine, sît ich dich meine mit
triuwen gar.
mîn zuckerkrûtken, tuo mir helfe schîn:
trût herzen trûtken, jâ bin ich ie dîn.

 


Wohl mir der Stunde, von rotem Munde mir
Glück widerfuhr.
Den sah ich machen ein zärtlich Lachen: da hab
ich's erkannt.
Ihr keckes Mündlein, das stellt sich,
als spräche es 'Fünfe', überaus säuberlich.

Ach, wer das küßte, fürwahr, den erfreute Freude
ohne Leid.
Sein liebliches Lachen, es ward nie Rose je halb
so rot.
Kehle und Hände weißer als Schnee -
Liebes Lieb ohne Ende, warum tust du mir weh?

Willst du mich bedrücken, weil ich dir singe so
unverhohlen?
Tröste mich Einsamen, weil ich dich meine in
ganzer Treue.
Mein Zuckerkräutchen, laß mir Hilfe erscheinen:
Lieb Herzensliebchen, ich bin immer dein.

 


 

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