Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Graf Werner von Homberg (1248-1320)
Wol mich hiute und iemer mê, ich sach ein wîp, der ir munt von rœte bran sam ein fiurîn zunder. ir wol triutelehter minneclîcher lîp hât mich in den kumber brâht: von der minne ein wunder an ir schœne hât got niht vergezzen. ist ez reht als ich ez hân gemezzen, sô hât si einen rôten rôsen gezzen. So ist der eine, der des niht enwære wert daz er læge ûf reinem strô, der triut ir wîplich bilde; so ist der ander, der des tôdes dur si gert und zuo zallen marsen vert, dem muoz si wesen wilde. heyâ got, wie teilst sô ungelîche! ist er hezlich, so ist si minneclîche: waz sol der tiuvel ûf daz himelrîche? Hêrre got, und het ich von dir den gewalt daz ich möht verstôzen in von der grôzen wunne, sô möht ich in ganzen fröiden werden alt: helfent alle biten mir got daz ers mir gunne, daz der selbe tiuvel werde geletzet und ich werde an sîne stat gesetzet: sô bin ich mîs leides wol ergetzet. |
Wohl mir heute und immerfort, ich hab eine Frau gesehen, der der Mund von Röte brannte wie flammender Zunder. Ihre reizende, liebliche Gestalt hat mich zu diesem Kummer gebracht: kein Wunder der Minne hat Gott an ihrer Schönheit vergessen. Ist es so, wie ich vermutet habe, so hat sie eine rote Rose gegessen. Da ist der eine, der nicht einmal verdienen würde, auf reinem Stroh zu liegen - der liebkost ihren Frauenleib; das ist der andere, der für sie sterben will und zu allen Teufeln fährt - dem muß sie fremd bleiben. Ei, Gott, wie verteilst du so ungleich! Ist er häßlich, so ist sie lieblich: was soll der Teufel zu dem Himmelreich? Gott Herr, hätt ich von dir die Macht, daß ich ihn von seiner großen Lust verstoßen könnte, so könnte ich in voller Freude alt werden: Helft mir alle Gott bitten, daß er mir's vergönne, daß jener Teufel unschädlich gemacht und ich an seine Stelle gesetzt werde - dann bin ich für mein Leid wohl entschädigt. |