Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
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Der Graf von Anhalt (regierte von 1212 bis 1242, gest. 1252)
Stâ bî, lâ mich den wint an wæjen der kumt von mînes herzen kuneginne. wie mohte ein luft sô suoze dræjen, ern wære al ûz und ûz vil gar ein minne? dô mîn herze wart verdriben, daz wart von ir enthalden: doch wunsche ich des, got müeze ir êren walden. ir mundel daz ist rôsenvar; sold ich si kussen zeinem mâle, sô mües ich niht alden. Ich sach die schônsten in den landen: dâ man aller frouwen muoz geswîgen. ir ougen klâr, ir wîzen handen, swâ si wonet, dar muoz ich eimer nîgen. müeste ich bî der wolgetânen liebiu kint prônieren und ein ganze naht bî ir dormieren! ahî, jô wær des alze vil: mich gnuogte, solde ich in ir dienste mînen sanc schantieren. |
Tritt weg, laß den Wind mich anwehn, der von meines Herzens Königin kommt. Wie könnte ein Lufthauch so süß duften, wenn er nicht durch und durch aus Minne wäre? Da mein Herz verlorenging, ward es von ihr bewahrt: doch wünsche ich, Gott möge ihre Ehre schützen. Ihr kleiner Mund ist rosenrot: Könnt ich sie nur einmal küssen, müßte ich nicht altern. Ich sah die Schönste in den Ländern: da muß man von allen Frauen schweigen. Ihren hellen Augen, ihren weißen Händen muß ich, wo immer sie weilt, mich verneigen. Könnt ich bei der Wohlgestalten liebe Kinder progignieren und eine ganze Nacht bei ihr dormieren! Ei, das wäre allzu viel: Mir genügte, könnte ich in ihrem Dienste meinen Sang chantieren. |