Süße Minne reine Minne
Mittelalterlicher Minnesang
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Graf Kraft Toggenburg (um 1260)
Hât ieman ze fröiden muot, der sol kêren ze der grüenen linden: ir wol blüenden sumerbluot mac man dâ bî loubeschaten vinden. daz liebet kleiner vogele schal, der schallet unde singet: dâ von sendes herzen muot ûf alsam diu wolken hôhe swinget. Uf der heide ist bluomen vil: dem der meie sorge mac geringen, der vint maniger fröide spil, wolde eht mich so sende leit niht twingen. ich wære hôhes muotes rîch mit fröiden fröidebære, wolde ein reine sælec wîp niht sô vil gelachen mîner swære. Lache, ein rôsevarwer munt, sô daz mir dîn lachen nien enswache mîne fröide und mîn gesunt, daz daz noch dîn güetlîch lachen mache. der meie und al der bluomen schîn diu künden mînem muote alsô vil niht fröide geben sô dîn lachen, meines dûz in guote. Bluomen loup klê berge und tal und des meien sumersüeziu wunne diu sint gegen dem rôsen val sô mîn vrowe treit: diu liehte sunne erlischet in den ougen mîn, swann ich den rôsen schouwe, der blüet ûz einem mündel rôt sam die rôsen ûz des meien touwe. Swer dâ rôsen ie gebrach, der mac wol in hôhgemüete lôsen. swaz ich rôsen ie gesach, dâ gesach ich nie sô lôsen rôsen. swaz man der brichet in dem tal dâ si diu schœne machet, sâ zehant ir rôter munt einen tûsentstunt sô schœnen lachet. |
Wer sich nach Freude sehnt, der soll sich zu der grünen Linde wenden: da mag man ihren Sommerblust wohlblühend bei dem Blätterschatten finden. Kleiner Vögel Schall verschönt es, der schallt und singt: davon schwingt der Sinn des liebenden Herzens sich wie Wolken hoch empor. Auf der Heide sind der Blumen viele: Wem der Mai die Sorgen lindern kann, fände vieler Freuden Lust, würde mich das Liebesleid nicht so bedrücken. Ich wär reich an hohem Mut, freudiger freudebringend, wollte eine reine, edle Frau meinen Kummer nicht so sehr belachen. Lache, du rosenroter Mund, so, daß mir dein Lachen nicht zerstöre meine Freude und mein Heil, welche doch dein gütiges Lachen noch bewirken soll! Der Mai und all der Blumen Glanz, die könnten meinem Sinn nicht so viel Freude geben wie dein Lachen, wenn du's gütig meinst. Blumen, Laub, Klee, Berg und Täler und des Maien sommersüße Lust, die sind farblos im Vergleich zur Rose, die meine Herrin trägt: die helle Sonne erlischt in meinen Augen, wenn ich die Rose schaue, die aus einem roten Mündlein blüht wie die Rosen aus dem Maientau. Wer da Rosen je gepflückt, der mag wohl in hohem Mute üppig sein. Was ich je an Rosen sah, sah ich nie so üppige Rose. Was man von ihnen pflückt im Tal, wo sie die Schöne macht, immer lacht ihr roter Mund noch eine tausendmal so schöne Rose. |