Das Hohe Lied Salomos
In der Übertragung von Manfred Sturmann (1923)

 


 

DAS LIED DER LIEDER

TRINKEN will ich den Kuß
Deines Mundes;
Denn süßer ist dein Lieben
Als der Karmelwein.
Deiner Salben Ruch
Durchströmt mich mit Süße!
Dein Name ist ausgegossen
Wie Öl!
Wie müssen die Mädchen
Dich lieben!
Zieh mich dir nahe!
Wir wollen eilen!
In deinem Gemache, mein König
Will ich froh sein mit dir;
Denn süßer ist dein Lieben
Als der Karmelwein.
Sie wußten wohl,
Warum sie dich liebten ...
Dunkel zwar bin ich,
Aber schön doch
Wie Kedars Zelte,
Ihr Töchter Jerusalems;
Wie die Decken Salomos
In seinen Palästen.
Was seht ihr mich an?
Weil ich so schwarz bin?
Mich hat die Sonne verbrannt,
Die lodernde!
Meine Brüder sandten mir nach ihren Haß,
Da ich vergaß, ihren Weinberg zu hüten,
So ich ihn suchte, den meine Seele liebt.
Sage mir du, mein Geliebter,
Wo lässest du weiden die Schafe gen Mittag,
Daß ich nicht einer Verirrten gleiche
Bei den Herden deiner Helfer?

DAS weißt du nicht,
Du schönste der Frauen?
Eile nur nach
Den Spuren meiner Schafe,
Weide deine jungen Ziegen
Im Schatten der Hütten,
Die meiner Sennen sind!

Salomo

DU bist wie das Gold
An Pharaos Wagen, Geliebte,
Wie lieblich sind deine Wangen!
An deinem Halse
Erglänzen Perlen wie Tau.
Goldene Ketten will ich dir schenken,
Deine Knöchel umschmücken
Mit zärtlichen Spangen aus Silber.

Sulamith

Wenn der König ausruht,
Dann schlägt um ihn
Wie mit kosenden Händen
Der Ruch meiner Narde.
Wenn du bei mir liegst,
Bist du ein wachsender
Strauß aus Myrrhen
An meinen Brüsten.
Eine Zyprustraube
Aus den Gärten von Engedi
Ist mein Geliebter!

Salomo

Wie bist du schön, meine Freundin!
In deinen Augen fiegt: der Flug der Tauben.

Sulamith

Wie schön du bist, mein Geliebter,
Komme, das Lager ist frisch bereitet!
Mit Zedern ist unser Gemach gebälkt
Und die Wände, die schweigenden,
Sind belegt mit dem Holz der Zypressen.
Wie die Blume Sarons bin ich schön,
Ich gleiche der Lilie auf den Feldern!

Salomo

Du bist die Blüte inmitten der Dornen,
Die Auserwählte unter den Mädchen Jerusalems.

Sulamith

Wie der Apfelbaum
Unter fruchtlosen Stämmen des Waldes,
So ist mein Geliebter unter den Jünglingen.
Wie will ich ruhen unter seinem Schatten,
Seine Frucht ist süße Labsal meinem Munde!
Er führte mich fort in sein Haus.
Ich will von seinem Weine
Namenlos trinken!
Sein Schild über mir ist, die Liebe!
Du sollst deinen Arm, der so stark ist,
Unter mein Haupt legen;
Du sollst mich beschützen, Geliebter:
Ich will ruhen;
Denn krank bin ich, krank
Vor Sehnsucht nach deinen Küssen.

Salomo

Weckt sie nicht auf!
Bei den jungen Gazellen,
Bei den tragenden Rehen des Feldes
Beschwöre ich euch:
Weckt sie nicht auf
Eure Liebe, ihr Töchter Jerusalems,
Harret, bis sie sich regt
Und selber erwacht!

SEHT, dort kommt mein Geliebter!
Er steigt die Berge hernieder zu mir.
Er springt über Hügel wie die Gazelle,
Gleich dem jungen der Hindin.
Schon bleibt er stehen und lauscht,
Ich sehe sein Haar über meinem Gitter flattern,
Er klopft an die Wölbung des Tores;
Wie der Sturm des Lenzes ist seine Stimme:
"Erwache, Geliebte, erwache!
Der Winter ist fort
Wie ein flüchtiges Tier.
Verrauscht sind die Ströme des Regens.
Schon heben die Blumen
Die Häupter auf den Feldern.
Nun ist es Zeit zu singen, Geliebte!
Die Tauben gurren das Lied ihrer Liebe,
Am Baume röten sich die jungen Feigen,
Schon duftet die Blüte der Rebe..."

 

MEIN Täubchen, verbirg dich mir nicht
In Klüften und Fels!
Ich will in dein Antlitz schauen,
Ich will den Klang deiner Stimme liebkosen,
Wie ist dein Antlitz so schön!
Wie liebe ich die Farbe deiner Stimme!
Ihr sollt mir die jungen Füchse verjagen,
Ihr sollt den Weinberg hüten
Vor ihrem Streifen:
Schon keimt es zwischen den Zweigen;
Bald werden wir ruhen
Im Schatten hängender Blätter.

 

ICH bin dein, mein Geliebter,
Du bist ganz mein Eigen!
Mein Beschützer geht
Über den Garten mit Lilien ...
Wenn der Tag sich dem Abend neigt,
Und die Schatten der Bäume lang werden im Kies,
Wenn der Wind mit kühler Stimme
Über den Häuptern der Zweige singt -
Dann kehre heim mein Geliebter,
Gleich der Gazelle,
Gleich dem Jungen der Hindin,
Das sein Nest aufsucht
In den duftenden Höhen.

 

IM Traume suchte ich sein Angesicht,
Das meine Seele liebt.
Wie suchte ich!
Ich sah verwaist umher
Und fand ihn nicht, den Geliebten!
Da warf ich die Decken von mir.
Ich irrte durch leere Straßen;
In den Winkeln der Gassen,
Auf den nackten Märkten suchte ich ihn
Und fand ihn nicht, den Geliebten!
Die Wächter, die unsern Schlaf behüten,
Sie fragt' ich mit schmerzender Sehnsucht:
"Saht ihr ihn nicht, den meine Seele liebt?"
Kaum war verhallt der Wache Schritt,
Da fand ich ihn, den meine Seele liebt.
Nun halte ich fest den Geliebten
Mit bebenden Händen.
Er soll immer bei mir bleiben!
Ich führe ihn in das Haus meiner Mutter,
Ins Gemach derer, die mich gebar.
Weckt sie nicht auf!
Bei den jungen Gazellen,
Bei den tragenden Rehen des Feldes
Beschwöre ich euch:
Weckt sie nicht auf
Eure Liebe, Ihr Töchter Jerusalems,
Harret, bis sie sich regt
Und selber erwacht!

 

VON der Steppe her naht sich ein Zug.
Was steigt der Rauch von Lavendel und Myrrhe?
Was drängt sich in Scharen gegen
Die Zinnen der Stadt?
Siehe es ist die Sänfte Salomos!
Dreimal zwanzig der besten
Helden von Israel
Gehen an seiner Seite.
Waffen tragen sie und den Schild,
Jede Faust umklammert das Schwert,
Ihn, den Lichten, zu schützen
Vorm Schrecken der Nacht.
Eine Sänfte ließ sich Salomo bauen
Aus den edelsten Hölzern des Libanon.
Ihre Säulen sind aus Silber gedreht,
Ihre Sitze mit Gold ausgelegt.
Die Kissen sind von Purpur,
Reich bestickt von den Händen
Der Mädchen in Israel.
So lieben sie ihn, ihren König!
Eilet herbei, ihr Töchter Jerusalems!
Sehet euern Hüter Salomo!
Sein Haupt trägt die Krone!
Seine Mutter hat ihn
Mit greisen Händen geschmückt
Für seinen Hochzeitstag!

 

WIE schön du bist, Sulamith,
Wie reizend du, meine Freundin!
Deine Augen nicken
Wie kleine Tauben
Hinter dem Schleier hervor.
Dein Haar ist seidig und dunkel
Wie das Fell der Ziegenherden
An den Hängen Gileads!
Deine Zähne sind weiß
Wie das Licht.
Dein Mund ist eine
Frucht von Purpur,
Deine Wangen sind
Samten wie der Pfirsich!
Wie ein kleiner Turm ist dein Hals,
Von Perlen geziert.
Deiner Brüste schneeiges Paar
Gleichet zwei jungen Rehlein,
Die unter silbernen Lilien weiden.
Wenn der Tag müde wird, Geliebte,
Und die Schatten ziehen -
Harre auf mich!
Ich komme in die Grotte unsres Hügels,
Wo es nach Myrrhen duftet.
Wie schön du bist, Sulamith,
Wie reizend du, meine Freundin!

 

WIR wollen Seite an Seite
Von des Libanon Gipfel herabsteigen!
Komme - wir eilen
Von der Höhe Amanas und Senirs
Zu Tal.
Wir wollen die Wildnis
Des Hermon verlassen,
Die Grotten der Löwen
Und die Berge, wo die Panter schleichen!
Du hast mein Herz dir geraubt,
Meine Schwester, meine Braut!
Du hast es geraubt mit der Glut
Deiner Blicke;
Mit der Kette, die klirret
An deinem Hals.
Wie süß sind deine Küsse, Sulamith,
Süßer als schäumender Wein!
Deiner Salben Ruch
Ist schwerer
Denn alle Balsamdüfte!
Honig rinnt von deinen Lippen,
Honig und Milch fließt von deiner Zunge,
Deine Gewänder duften wie der Libanon!

Salomo

EIN verschlossener Garten ist meine Braut.
Hinter güldenen Gittern
Schimmern an hängenden Ästen
Lockend die Früchte.
Du bist eine verborgene Quelle, Sulamith,
Ein verschlossener Born.
Im Garten sproßen dir Granaten,
Zyprustrauben und Narde,
Narde und Krokus, Kalmus und Zimmt,
Weihrauchhölzer aller Art,
Myrrhe und Aloe
Und alle köstlichen Gewürze.

Sulamith

Hei! Ihr Winde, die ihr über Bergen thront:
Nordwind du, komme!
Zephir und ihr andern!
Strömt von tausend Seiten
Über meinen Garten
Und zerstäubet seine Düfte!
Komme, Lieber, in deinen Garten,
Fürchte dich nicht!
Pflücke dir die lockenden Früchte!
Und trinke den Saft aus!

Salomo

Ich komme, Geliebte, in meinen Garten!
Ich weilte lange ...
Nun pflücke ich die Myrrhe,
Die an des Jordans Ufern wächst.
Ich bringe dir wilden Honig,
Wir wollen trinken Wein und Milch,
Wir wollen unser Lachen
Durch die Täler Hebrons wirbeln!
Wir wollen berauscht sein
An Liebe und Wein!

 

ICH schlief in tiefer Nacht,
Und viele Stunden gingen streichelnd
Über mich.
Mein Herz nur wachte treu.
Da schlug ein Finger
Gegen mein Fenster.
Horch! Er pocht! Mein Geliebter!
"Öffne mir, Sulamith, mein Täubchen!
Mein Haupthaar ist durchtränkt
Von den Tropfen der Nacht,
Meine Locken tropfen vom Tau.
Öffne mir, Sulamith!"
"Ich liege nackt da, mein Geliebter -
Soll ich mich wieder bekleiden?
Ich wusch meine kleinen Füße zur Nacht -
Soll ich aufstehn, sie zu besudeln?"
Da streckte mein Geliebter
Die Hand durchs Fenster.
Mein Herz, es bebte ihm entgegen.
Und ich erhob mich, ihm zu öffnen,
Meine Hände schienen von Myrrhen umkränzt,
Meine Hände von flatternder Myrrhe
Am Griffe des Riegels.
Ich öffnete das Tor,
Da war er fort, der Geliebte.
Aus Fernen hört ich seinen Ruf,
Und ich sank um...
Da trafen mich die Wächter,
Die unsern Schlaf behüten.
Sie schlugen mich,
Sie hieben Wunden in mich,
Sie rissen das Linnen von mir,
Daß ich nackt ward.
Ihr Töchter Jerusalems,
Wenn ihr meinen Geliebten seht,
Haltet ihn auf und verkündet ihm:
Sulamith, Sulamith sei krank
Vor Liebe und Gram!

"WAS zeichnet deinen Geliebten aus
Vor allen Söhnen der Stadt?
Was hat er voraus, dein Geliebter,
Vor allen den andern?
Erzähle es uns, Sulamith,
Du schönste der Frauen!"

 

ROT und weiß ist mein Geliebter,
Der Schönste unter Tausenden!
Sein Haupt ist wie Gold,
Schwarze Seide ist sein, Haar.
Seine Augen sind wie die Turteln,
Die am Bache rasten.
Sie baden in Milch und hüpfen am Ufer.
Mein Geliebter ragt auf
Wie eine Zeder des Libanon!
In sanfter Farbe leuchtet seine Haut,
Schwarze Seide ist das Haar seines Hauptes.
Seine Wangen sind duftende Beete,
Seine Lippen sind Lilien,
Mit Myrrhen geschmückt.
Seine Finger sind gülden von Ringen,
Ein Sockel aus Elfenbein ist sein Leib,
Besetzt mit Saphiren.
Seine Beine sind marmorne Säulen
Auf goldenen Schwellen,
Mein Geliebter ragt auf
Wie eine Zeder des Libanon!
Sein Mund ist ein purpurner Kelch,
Übervoll von Süßigkeit.
An ihm ist alles herrlich!
Dies ist mein Geliebter,
Dies ist mein Bruder,
Ihr Töchter Jerusalems!

 

"WOHIN ist enteilt dein Geliebter,
Du Schönste der Frauen?
Wohin lenkt den Schritt er?
Auf, laßt uns ihn suchen mit dir!"

 

ER ist in seinen Garten gegangen
Zu den blühenden Beeten,
Auf denen Balsam wächst.
Er jubelt in seinem Garten
Und pflückt sich düftende Lilien.
Ich bin dein, mein Geliebter,
Du bist ganz mein Eigen!
Mein Beschützer geht
Über den Garten mit Lilien.

 

WIE schön du bist, meine Freundin!
Du gleichest der Pracht Thirzas,
Lieblich bist du wie Jerusalem!
Du sollst deine Augen von mir wenden,
Weil sie mich rasen machen!
Deine Flechten sind seiden und dunkel
Wie das Fell der Ziegenherden
An den Hängen Gileads.
Wie eine Heide von Schafen,
Die aus dem Bade steigen,
Sind deine Zähne.
Eines gleichet dem anderen,
Zwillinge sind alle.
Eine Schnur von Korallen
Sind deine Lippen.
Deine Wangen sind samten
Wie der Pfirsich
Hinter deinem Schleier.
Ich habe dreimal zwanzig Königinnen,
Zweimal vierzig Nebenfrauen
Und zahllose Mägde,
Alle sind mir zu Willen:
Doch nur du bist mein Täubchen,
Nur du meine Sehnsucht!
Der Mutter Einzige,
Der Liebling derer, die sie gebar.

 

ICH stieg in den Hain,
Wo die Nüsse reifen.
In den Tälern keimte
Der Segen der Erde.
Ich sehe nach den jungen Reben,
Nach den kleinen Granaten.
Dort sollst du trinken
Mein Lieben.

 

SIE gleichet dem Frührot,
Sie ist wie das Silber des Monds,
Sie ist die Tochter der Sonne,
Unbezwinglich wie eine Kriegsschar!
Tanze, tanze, Sulamith!
Wende dich, wende dich,
Daß wir dich sehen!
Wie schön ist ihr Schritt
In leichten Sandalen,
Du Tochter des Fürsten!
Die Hüften Geschmeide,
Vom Künstler gefertigt!
Eine Schale dein Schoß,
Nicht fehle der Wein darin!
Dein Leib ein Garbe von Weizen,
Mit Rosen umkränzt!
Deiner Brüste schneeiges Paar
Gleicht zwei jungen Rehlein,
Die unter Lilien weiden!
Dein Hals ist ein Turm aus Elfenbein.
Deine Augen sind wie die Seen von Hesbon
Am Tore Bath-Rabbim,
Wie der Karmel ist dein Haupt!
Deine Haare sind wie Purpur.
Gefesselt ist ein König
In deinen Locken!

 

WIE bist du schön, meine Liebe,
Wie bist du süß in der Lust!
Du bist schlank wie die Palme,
Deine Brüste sind wie Trauben der Dattel.
Ich will die Palme ergreifen
Mit fordernden Händen,
Ich will ihre Zweige an mich ziehen
Und sie betten an meine Brust.
Deine Brüste sind wie die Trauben am Weinstock,
Dein Atem ist wie der Ruch von Äpfeln.
Dein Mund gießt schäumenden Wein über mich,
Wie glüht er entgegen meinem Verlangen!
Er strömt liebkosend über meine Lippen,
Bis sie ermüden im Schlaf...

 

WIR wollen über die Felder streifen, Geliebter,
Und ruhen in dem Schatten der Zypressen!
Des Morgens gehn wir auf den Weinberg
Zu sehen, wie die Rebe sproßt - ob die Blüte aufbricht.
Dort will ich dir reichen meine Liebe!
Die Früchte duften so,
An unsern Türen prangen sie alle,
Neue und alte.
Ich hob sie dir auf, mein Geliebter!
Wenn du mein Bruder wärest,
Ich dürfte dich küssen, bar allen Neides,
Auf den Straßen und Märkten;
Die Leute würden nicht scheel sehen.
Sie würden nicht tuscheln,
Wenn du aufgewachsen wärest
An den Brüsten meiner Mutter.
Laß dich führen in ihr Haus,
Ins Gemach derer, die mich gebar!
Würzigen Wein will ich dir reichen,
Gegärt vom Most der Granaten.
Du sollst deinen Arm, der so stark ist,
Unter mein Haupt legen.
Ihr Töchter Jerusalems,
Weckt sie nicht auf!
Weckt sie nicht auf meine Liebe,
Harret bis sie sich regt
Und selber erwacht!

 

SIE steigen hernieder von den Triften,
Sie haben sich ihre Arme geschenkt,
Sulamith lehnt sich an die Stärke seiner Schultern.
Ich habe dich aufgeweckt
Unter den Zweigen des Apfelbaumes,
Wo dich gebar deine Mutter.
Wo sie das Leben dir gab,
Verzerrt von den Wehen.
Du sollst mich an dein Herz pressen
Wie ein Siegel,
Wie einen Siegelring
An deinem Arme!
Denn die Liebe ist stark wie der Tod,
Unbeugsam wie die Unterwelt,
Unlöschbar wie das Feuer, wie die Flammen Gottes!
Nicht löschen die Wasser die Liebe,
Nicht töten die Regen die Glut!
So einer kaufen wollte die Liebe
Um alle Pracht seines Hauses,
Ihn träfe nur Hohn und Gelächter!

 

WIR haben ein Schwesterlein
Mit kindlichem Leibe,
Es hat noch keine Brüste.
Was wird geschehen.
Mit dem Schwesterlein
An seinem Hochzeitstage?
Wenn sie eine Mauer ist -
Mit silberner Zinne sei sie gekrönt!
Wenn sie eine Türe ist -
Mit Tafeln aus Zedern sei sie umrahmt!
"Ich bin eine Mauer,
Wie Türme sind meine Brüste!
Nun bin ich in seinen Augen
Die Quelle des Glücks..."

 

SALOMO hat seinen Weinberg zu Baal-Hemon
Den Pächtern zu hüten gegeben.
Tausend Silberlinge würfe jeder
Jährlich auf des Herren Tisch.
Auch mir gab er einen Weinberg,
Der ist ganz mein Eigen ...
Hier nimm doch deine tausend!
Noch zweimal hundert dazu!

 

DIE weilet im Garten,
Die Freunde lauschen deiner Stimme.
O laß sie mich hören!
Eile, mein Freund, mein Geliebter,
Ich warte auf dich!
Eile wie die Gazelle,
Wie das junge Reh
Über die atmenden Höhen!

Aus: Manfred Sturmann Althebräische Lyrik. Nachdichtungen. Allgemeine Verlagsanstalt München 1923 (Offizin Dr. C. Wolf&Sohn)

 

 

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