Das Hohe Lied Salomos
In der Übertragung von Athanasius Miller (1927)

 



Das Hohe Lied

1 1 Das Lied der Lieder, von Salomo

I

Braut:

2 Küsse mich mit dem Kusse deines Mundes,
Denn köstlicher als Wein ist deine Minne!

3 Der Duft deiner Salben ist fein;
Wie ausgegossen' Öl ist dein Name.
Darum haben dich die Mägdlein lieb.

4 Zieh mich nach dir! Laß uns eilen!
Führ mich, o König, in dein Gemach!
Da wollen wir jubeln und uns freuen an dir,
Und preisen deine Minne mehr als Wein!
Ja, mit Recht lieben sie dich.

Braut:

5 Schwarz bin ich, aber schön,
Ihr Töchter Jerusalems,
Wie die Zelte Kedars,
Wie die Zeltdecken Salmas.

6 Seht mich darob nicht an, daß ich schwärzlich bin,
Daß mich die Sonne so verbrannt!
Die Söhne meiner Mutter zürnten mir,
Als Hüterin der Weinberge stellten sie mich an;
Meinen eigenen Weinberg konnt' ich nicht hüten.

Braut:

7 Sag an, du, den meine Seele liebt,
Wo du weidest, wo du lagerst am Mittag,
Daß ich nicht umherirren muß,
Bei den Herden deiner Genossen?

Bräutigam:

8 Wenn du's nicht weißt, schönste der Frauen,
So folge nur den Spuren der Herden
Und weide deine Zicklein bei den Zelten der Hirten!

Bräutigam:

9 Dem Rossegespann an Pharaos Wagen
Möchte' ich dich vergleichen, meine Freundin!

10 Wie schön sind deine Wangen in den Metallgehängen,
Dein Hals in den Korallenschnüren!

11 Goldene Gehänge lassen wir dir machen
Mit Kügelchen aus Silber.

Braut:

12 Während der König auf seinem Lager ruht.
Gibt meine Narde ihren Duft.

13 Ein Myrrhentäschchen ist mir mein Geliebter;
Zwischen meinen Brüsten ruht es.

14 Eine Cypertraube ist mir mein Geliebter
In den Weinbergen Engadis.

Bräutigam:

15 Fürwahr, du bist schön, meine Freundin,
Fürwahr, du bist schön!
Deine Augen wie Tauben.

Braut:

16 Fürwahr, du bist schön, mein Geliebter,
Fürwahr so holdselig!
Unser Lager ist grün.

Bräutigam:

17 Die Balken unseres Hauses sind Zedern;
Unsere Täfelung Zypressen.

Braut:

2 1 Ein Krokusblümchen bin ich auf Sarons Flur,
Eine Lilie der Täler.

Bräutigam:

2 Was die Lilie unter den Dornen,
Das ist meine Freundin unter den Mädchen!

Braut:

3 Was der Apfelbaum unter des Waldes Bäumen,
Das ist mein Geliebter unter den Jünglingen!
In seinem Schatten sitze ich, wie mich verlangte,
Und seine Frucht ist meinem Gaumen süß.

Braut:

4 Er führt mich (jetzt) ins Haus des Weines,
Und sein Panier über mir ist "Liebe".

5 Stärket mich mit Rosinen,
Labet mich mit Äpfeln,
Denn krank bin ich vor Liebe!

6 Seine Linke ruht unter meinem Haupte,
Und seine Rechte umfängt mich liebend.

7 Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems,
Bei den Gazellen oder Hindinnen der Flur –
Weckt nicht auf und störet nicht
Die Liebe, bis es selber ihr gefällt!

II

Braut:

8 Horch! Mein Geliebter!
Siehe, er kommt!
Springt über Berge,
Hüpft über Hügel!

9 Es gleicht mein Geliebter
Einer Gazelle oder dem Jungen des Hirsches!
Siehe, schon steht er
Vor unserer Mauer;
Schaut durch die Fenster,
Lugt durch das Gitter!

10 Es hebt an mein Geliebter und redet zu mir:

Bräutigam:

Mach dich auf, meine Freundin,
Du, meine Schöne, und komm!

11 Denn sieh, der Winter ist dahin,
Der Regen vorüber, vergangen.

12 Die Blümlein zeigen sich im Lande;
Die Zeit des Gesanges ist da,
Und den Ruf der Turtel vernimmt man.

13 Der Feigenbaum schwellt seine Früchte,
Die Rebenblüte streut ihren Duft.
Darum auf, meine Freundin,
Du, meine Schöne, und komm!

14 Meine Taube in den Felsenklüften,
Im Versteck der Felsenwand –
Laß mich schauen dein Antlitz,
Laß mich hören deine Stimme;
Denn süß ist deine Stimme,
Dein Antlitz holdselig!

Braut:

15 Ach, fangt uns die Füchse,
Die kleinen Füchse,
Die Weinbergverwüster - -
Und unser Weinberg blüht doch!

Braut:

16 Mein Geliebter ist mein und ich bin sein,
Er, der weidet unter Lilien.

17 Bis der Tag sich kühlt, und die Schatten fliehen,
Komm, mein Geliebter,
Tu es gleich der Gazelle oder dem Jungen des Hirsches
Auf den Balsambergen.

Braut:

3 1 Auf meinem Lager des Nachts
Suchte ich den, den meine Seele liebt;
Ich suchte ihn und fand ihn nicht.

2 So will ich aufstehen und die Stadt durchstreifen;
In den Straßen und auf den Plätzen
Will ich suchen ihn, den meine Seele liebt;
Ich suchte ihn und fand ihn nicht.

3 Mich trafen die Wächter, die die Stadt durchstreifen:
"Habt ihr gesehen, den meine Seele liebt?" –

4 Kaum war ich an ihnen vorüber,
Da fand ich ihn, den meine Seele liebt!
Ich hielt ihn fest und ließ ihn nimmer,
Bis daß ich ihn brachte in das Haus meiner Mutter,
Und in das Gemach derer, die mich gebar.

5 Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
Bei den Gazellen oder Hindinnen der Flur,
Weckt nicht auf und störet nicht
Die Liebe, bis es selber ihr gefällt.

III

Chor des Volkes:

6 Wer ist's, die da heraufsteigt aus der Steppe,
Inmitten von Rauchsäulen –
Umduftet von Myrrhe und Weihrauch,
Von allerlei Würzstaub des Krämers?

7 Das ist die Sänfte Salomos –
Sechzig Helden umringen sie,
Von den Helden Israels!

8 Alle sind schwer gewappnet, kriegsgeübt –
Ein jeder das Schwert um die Hüfte
Ob der Schrecken der Nächte.

9 Einen Thron ließ sich Salomo machen
Aus Libanonholz.

10 Aus Silber fertigte er seine Säulen,
Seine Lehne aus Gold,
Seinen Sitz mit Purpurgewebe (gepolstert),
Sein Inneres ausgelegt mit Ebenholz.

11 Ihr Töchter Jerusalems herbei,
Beschaut euch, ihr Töchter Sions,
Den König Salomo mit der Krone,
Mit der ihn gekrönt seine Mutter,
Am Tage seiner Hochzeit,
Am Tage der Freude seines Herzens!

Bräutigam:

4 1 Fürwahr, du bist schön, meine Freundin,
Fürwahr, du bist schön!
Deine Augen wie Tauben
Unter deinem Schleier hervor.
Dein Haar gleicht der Ziegenherde,
Die niederwallt von Gileads Bergen.

2 Deine Zähne sind wie eine Herde der Schur,
Die steigt aus dem Bad.
Allesamt führen sie Zwillinge,
Und keines von ihnen ist unfruchtbar.

3 Wie ein Karmesinband sind deine Lippen,
Und dein Mund voll Anmut.
Wie der Riß des Granatapfels deine Schläfe
Unter deinem Schleier hervor.

4 Dein Hals ist wie der Davidsturm,
Wohlgebaut mit Mauerkränzen.
Tausend Schilde hangen dran,
Lauter Heldenschilde!

5 Deine Brüste gleichen zwei Jungen,
Den Zwillingen einer Gazelle,
Die unter Lilien weiden.

6 Bis der Tag sich kühlt und die Schatten fliehen,
Möcht' ich mich ergehen auf dem Myrrhenberg
Und auf dem Weihrauchhügel.

7 Ganz schön bist du, meine Freundin,
Und keine Makel ist an dir.

Bräutigam:

8 Komm vom Libanon, Braut, komm –
Vom Libanon steige hernieder!
Verlaß den Gipfel des Amana,
Den Gipfel des Senir und Hermon:
Die Behausung der Löwen,
Die Berge der Panther!

Bräutigam:

9 Du hast mein Herz bezaubert, meine Schwester, Braut,
Du hast mein Herz bezaubert mit einem einzigen
Blick deiner Augen,
Mit einem Schildchen schon deines Halsschmucks!

10 Wie schön ist deine Minne, meine Schwester, Braut,
Viel köstlicher deine Minne als Wein,
Und der Duft deiner Salben über alle Balsamdüfte!

11 Honigseim träufeln deine Lippen, Braut;
Honig und Milch birgt deine Zunge,
Und der Duft deiner Kleider wie der Duft des Libanon.

Bräutigam:

12 Ein verschlossener Garten bist du, meine Schwester, Braut,
Ein verschlossener Garten, ein versiegelter Quell.

13 Deine Pflanzung ist wie ein Lusthain
Von Granaten und allerlei köstlichen Früchten.
Cyperblumen und Narden,

14 Narde, Safran; Gewürzrohr und Zimmt,
Nebst allerlei Weihrauchgewächsen;
Myrrhe und Aloe,
Nebst allerlei köstlichen Balsamen.

15 Der Quell meines Gartens ist ein Born lebendigen Wassers,
Das rieselt vom Libanon.

Bräutigam:

16 Auf, Nordwind! Südwind herbei!
Durchwehe meinen Garten,
Daß strömen seine Balsamdüfte!

Braut:

Ja, mein Geliebter komme in seinen Garten
Und genieße seine köstlichen Früchte!

Bräutigam:

5 1 Ich komm in meinen Garten, meine Schwester, Braut;
Ich pflücke meine Myrrhe samt meinem Balsam,
Ich esse meine Wabe samt meinem Honig;
Ich trinke meinen Wein samt meiner Milch.
Esset, Freunde, und trinket,
Und berauscht euch, Geliebte!

IV

Braut:

2 Ich schlief, doch mein Herz war wach.
Horch! da klopft mein Geliebter:

Bräutigam:

Tu mir auf, meine Schwester, meine Freundin,
Meine Taube, meine Reine;
Denn mein Haupt ist voll Tau,
Meine Locken von den Tropfen der Nacht.

Braut:

3 Ich habe mein Kleid ausgezogen,
Wie soll ich es nur wieder anziehen!
Ich habe meine Füße gewaschen,
Wie soll ich sie wieder beschmutzen!

4 Mein Geliebter streckte die Hand durch die Luke.
Da wallte mein Herz auf für ihn,
Und meine Seele entwich ob seiner Rede.

5 Ich stand auf, meinem Geliebten zu öffnen.
Da troffen meine Hände von Myrrhe,
Und meine Finger von reichlicher Myrrhe
Am Griffe des Riegels.

6 Ich öffnete meinem Geliebten –
Doch mein Geliebter war entwichen, verschwunden.
Ich suchte ihn und fand ihn nimmer;
Ich rief ihn, er antwortete nicht!

7 Mich trafen die Wächter, die die Stadt durchstreifen.
Sie schlugen mich, verwundeten mich –
Sie nahmen mir den Überwurf ab,
Die Wächter der Mauern!

8 Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
So ihr findet meinen Geliebten,
Was wollt ihr ihm melden - ?
Daß ich krank bin vor Liebe!

Chor der Jungfrauen:

9 Was ist dein Geliebter vor andern Geliebten,
Du schönste der Frauen –
Was ist dein Geliebter vor andern Geliebten,
Daß du uns so beschwörst?!

Braut:

10 Mein Geliebter ist blendend weiß und rot,
Ragend aus Zehntausenden.

11 Sein Haupt ist Gold, feinstes Gold.
Seine Locken wie Dattelrispen,
Schwarz wie Raben.

12 Seine Augen wie Tauben an Wasserläufen,
In Milch sich badend, in der Fassung ruhend.

13 Seine Wangen wie Balsambeete,
Die Gewürzkräuter sprossen lassen.
Seine Lippen sind Lilien,
Reichliche Myrrhe träufelnd.

14 Seine Hände sind goldene Barren,
Besetzt mit Tarsissteinen.
Sein Leib ein Gebilde von Elfenbein,
Bedeckt mit Saphiren.

15 Seine Beine sind Marmorsäulen,
Gestellt auf Füße von Feingold.
Seine Gestalt ist (ragend) wie der Libanon,
Prächtig wie Zedern!

16 Sein Mund ist voll von Süßigkeit;
Er selbst ganz Lieblichkeit.
Das ist mein Geliebter, mein Freund,
Ihr Töchter Jerusalems.

Chor der Jungfrauen:

6 1 "Wohin pflegt dein Geliebter zu gehen,
Du schönste der Frauen –
Wohin pflegt dein Geliebter sich zu wenden,
Daß wir ihn suchen mit dir?"

Braut:

2 Mein Geliebter pflegt in seinen Garten zu gehen,
Zu den Balsambeeten,
Um sich zu weiden an dem herrlichen Garten,
Um Lilien zu pflücken.

3 Ich gehöre meinem Geliebten,
Und mein Geliebter gehört mir –
Er, der unter Lilien weidet.

Bräutigam:

4 Schön bist du, meine Freundin, wie Tirsa,
Anmutig wie Jerusalem,
Furchtbar wie Bannerscharen!

5 Wende deine Augen weg von mir,
Denn sie sind es, die mich verwunden.
Es gleicht dein Haar der Ziegenherde,
Die niederwallt von Gilead.

6 Deine Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen,
Die steigt aus dem Bade.
Allesamt führen sie Zwillinge.
Und keines von ihnen ist unfruchtbar.

7 Wie der Riß des Granatapfels ist deine Schläfe,
Unter deinem Schleier hervor.

Bräutigam:

8 Der Königinnen sind es sechzig wohl,
Und achtzig der Nebenfrauen,
Und Jungfrauen ohne Zahl!

9 Doch die Eine nur ist meine Taube, meine Reine;
Sie nur ihrer Mutter (Liebling),
Die Auserlesene ihrer Gebärerin - !
Es sehen sie die Töchter
Und preisen sie glücklich,
Die Königinnen und Nebenfrauen,
Und jubeln ihr zu:

Chor der Frauen:

10 "Wer ist's, die herniederschaut wie die Morgenröte –
Schön wie der Mond, klar wie die Sonne,
Furchtbar wie Bannerscharen?"

V

Braut:

11 In den Nußgarten stieg ich hinab,
Mich zu ergötzen an den Blumen des Tales;
Zu sehen, ob der Weinstock Sprossen treibe,
Und die Granaten in Blüte wären.

12 Da, unvermutet - - -
Meine Seele geriet in Bestürzung –
Die Wagen des fürstlichen Gefolges!

Chor des Gefolges:

7 1 "Halt an, halt an, Sulamit!
Halt an, halt an, wir wollen dich schauen!"

Braut:

Was wollt ihr denn schauen an Sulamit - -
Etwa den Lagertanz?

Chor des Gefolges:

2 Wie schön sind deine Schritte in den Sandalen,
Du fürstliche Tochter!
Die Wendung deiner Hüften wie Geschmeide,
Ein Werk von Meisterhänden.

3 Dein Schoß ein kostbares Becken,
Nie mangle darin der Mischwein!
Dein Leib ein Weizenhaufen,
Mit Lilien rings umsteckt.

4 Deine Brüste gleichen zwei Jungen,
Den Zwillingen einer Gazelle.

5 Dein Hals ist wie ein Elfenbeinturm

Deine Augen sind wie die Teiche von Hesbon,
Am Tore der volkreichen Stadt.
Deine Nase gleicht dem Libanonvorsprung,
Der gegen Damaskus schaut.

6 Dein Haupt auf dir gleicht dem Karmel,
Die Stränge deines Hauptes dem königlichen Purpur,
In Flechten gebunden.

Bräutigam:

7 Wie schön bist du, wie lieblich,
Du Geliebte, du Wonnevolle!

8 Dein Wuchs gleicht der Palme,
Und deine Brüste den Trauben.

9 Ich dachte, die Palme will ich ersteigen,
Und ihre Trauben erfassen.
Ja, deine Brüste seien mir wie Trauben
Und der Hauch deiner Nase wie Äpfel.

10 Dein Mund ist mir wie der beste Wein,
Der köstlich mir über den Gaumen gleitet,
Lippen und Zähne befeuchtend.

Braut:

11 Ich gehöre meinem Geliebten,
Und nach mir geht sein Verlangen.

12 Komm, mein Geliebter,
Laß und hinausgehen aufs Land,
Nächtigen in den Dörfern.

13 Früh aufbrechen wollen wir zu den Weinbergen,
Sehen, ob die Rebe sproßt,
Die Blüten sich öffnen,
Die Granaten blühen - -

Dort will ich Dir schenken meine Liebe.

14 Die Liebesäpfel verbreiten ihren Duft,
Und über unserer Tür allerlei köstliche Früchte:
Frische und alte hab ich dir,
Mein Geliebter, verwahrt.

Braut:

8 1 O, daß du mein Bruder wärest,
Der meiner Mutter Brust gesogen;
Dann dürft' ich dich, träf' ich dich draußen, küssen,
Und niemand säh' mich darum an.

2 Dann nähm' ich dich mit und brächte dich
In meiner Mutter Haus, die mich erzog.
Ich tränkte dich mit Würzwein,
Mit Most von Granaten.

3 Seine Linke ruht unter meinem Haupte,
Und seine Rechte umfängt mich liebend.

4 Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems,
Bei den Gazellen und Hindinnen der Flur,
Was wollt ihr wecken, stören
Die Liebe, bis daß es selber ihr gefällt?!

VI

Chor des Volkes:

5 Wer ist's, die da heraufsteigt aus der Steppe,
Gestützt auf ihren Geliebten?

Bräutigam:

Unter dem Apfelbaum habe ich dich geweckt;
Dort gebar dich in Schmerzen deine Mutter,
Dort lag in Wehen deine Gebärerin.

Braut:

6 Leg mich wie einen Siegelring an dein Herz,
Wie ein Siegel an deinen Arm.
Ja, stark wie der Tod ist die Liebe,
Hart wie die Unterwelt das Eifern der Liebe.
Ihre Gluten sind Feuersgluten,
Ihre Flammen Jahweflammen.

7 Viele Wasser vermögen die Liebe nicht zu löschen,
Und Ströme schwemmen sie nicht fort –
Wollte einer allen Reichtum seines Hauses für die Liebe geben,
Man würde ihn verachten.

Brüder:

8 Wir haben eine kleine Schwester –
Noch hat sie keine Brüste!
Was machen wir mit unserer Schwester
Am Tage, da man um sie freit?

9 Ist sie eine Mauer,
Bauen wir auf sie eine Silberwehr.
Ist sie ein Tor,
Verrammeln wir es mit einer Zedernplanke

Braut:

10 Ich bin eine Mauer,
Und meine Brüste Türme!
Doch bin ich in seinen Augen
Wie eine, die sich längst ergeben.

Brüder:

11 Einen Weinberg hatte Salomo zu Baal-Hamon.
Er übergab den Weinberg Hütern.
Ein jeder sollte für seinen Ertrag entrichten
Tausend Silberlinge.

Bräutigam:

12 So sei es auch mit meinem Weinberg,
Der vor mir ist.
Die Tausend dir, o Salomo,
Zweihundert dazu den Hütern seiner Frucht.

Bräutigam:

13 Die du in den Gärten weilest,
- Freunde lauschen –
Deine Stimme laß mich hören!

Braut:

14 Fliehe, mein Geliebter,
Und gleiche der Gazelle,
Oder dem Jungen des Hirsches
Auf den Balsambergen!

 

Aus: Das Hohe Lied
Übersetzt und erklärt von Athanasius Miller O.S.B.
Benediktiner der Erzabtei Beuron
Professor der Exegese am Anselmianum in Rom
Bonn 1927
Verlag Peter Hanstein
 

 

 

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