Das Hohe Lied Salomos
In der Übertragung von Gillis Gerleman (1965)

 



Das Hohe Lied

Die Überschrift (1,1)

Das schönste Lied von Salomo

Wonne der Liebe (1,2-4)

"Küsse gebe er mir von den Küssen seines Mundes;
denn besser ist deine Liebe als Wein.
Fürwahr, der Duft deiner Salben ist köstlich.
Eine frische Salbe ist dein Name;
darum lieben dich die jungen Frauen.
Zieh mich mit dir! Laßt uns eilen!
Der König hat mich in seine Kammer geführt".
"Wir wollen frohlocken und uns an dir freuen.
Wir wollen deine Liebe mehr als Wein rühmen".
"Mit Recht haben sie dich lieb".
 

Die schwarze Gärtnerin (1,5-6)

Schwarz bin ich, aber doch schön,
ihr Töchter Jerusalems,
wie die Zelte Kedars,
wie die Zeltdecken Salmas.
Seht nicht auf mich, weil ich schwärzlich bin,
weil die Sonne mich gebräunt hat.
Die Söhne meiner Mutter schnaubten gegen mich.
Sie setzten mich zur Hüterin der Weingärten.
Meinen eigenen Weingarten habe ich nicht hüten können.
 

Der verschwundene Hirt (1,7-8)

"Erzähl mir, du, den meine Seele liebt,
wo du deine Herde weiden läßt,
wo du sie lagern läßt zur Mittagszeit,
damit ich nicht wie eine Herumirrende
bei den Herden deiner Genossen zu sein brauche".
"Wenn du das nicht weißt,
du Schönste unter den Frauen,
geh nur in den Spuren der Herde
und weide deine Zicklein
bei den Stätten der Hirten".
 

Die königliche Stute (1,9-11)

"Einer Stute an dem Wagen des Pharao
vergleiche ich dich, meine Geliebte.
Schön sind deine Wangen mit Gehängen,
dein Hals mit Muschelketten".
"Gehänge aus Gold wollen wir dir machen,
mit Silberperlen".
 

Salbe des Wohlgeruchs (1,12-14)

"Solange der König im festlichen Kreis bleibt,
gibt meine Narde ihren Duft".
"Ein Myrrhenbeutelchen ist mein Geliebter für mich,
das zwischen meinen Brüsten ruht.
Eine Cypernblumenrispe ist mein Geliebter für mich,
in den Weingärten von En-Gedi".
 

Baumgartenlied (1,15-17)

"Wahrlich, du bist schön, meine Geliebte,
ja, du bist schön;
deine Augen sind Tauben".
"Auch du bist schön, mein Geliebter,
und lieblich.
Und laubreich ist unser Ruhelager.
Die Balken unseres Hauses sind Zedern,
unsere Dachsparren sind Zypressen".
 

Wie Lilie und Apfelbaum (2,1-3)

Ich bin eine Narzisse des Saron,
eine Lilie der Täler.
Wie eine Lilie unter den Disteln,
so ist meine Freundin unter den Mädchen.
Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes,
so ist mein Liebster unter den Jünglingen;
in seinem Schatten liebe ich zu sitzen,
und seine Frucht ist süß für meinen Gaumen.
 

Im Weinhaus (2,4-7)

Er hat mich ins Weinhaus gebracht,
dessen Zeichen über mir heißt "Liebe".
Stärket mich mit Rosinenkuchen,
erfrischet mich mit Äpfeln,
denn ich bin krank aus Liebe.
Seine Linke ist unter meinem Kopf,
und seine Rechte umfängt mich.
Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen oder den Hinden des Feldes:
weckt nicht auf und stört nicht die Liebe,
bis ihr's gefällt.
 

An der Tür der Geliebten (2,8-14)

Horch! Mein Geliebter!
Sieh, da kommt er,
kletternd über die Berge,
hüpfend über die Hügel.
Mein Geliebter gleicht einer Gazelle
oder einem jungen Hirsch.
Siehe, da steht er vor unserer Wand,
er schaut durch die Fenster, er blickt durch die Gitter.
Mein Geliebter hob an und sprach zu mir:
"Steh auf, meine Liebste,
meine Schöne, und komm heraus!
Denn sieh, der Winter ist vergangen,
der Regen zieht ab und geht vorüber.
Die Blumen sind erschienen am Boden,
die Zeit des Schneitelns ist da,
und die Stimme der Turteltaube läßt sich hören
in unserem Lande.
Der Feigenbaum hat seine Früchte gefärbt,
und die blühenden Reben duften.
Steh auf, meine Geliebte,
meine Schöne, und komm heraus!
Meine Taube in den Schlupfwinkeln des Felsens,
im Versteck des Felsensteiges!
Laß mich deine Gestalt sehen,
laß mich deine Stimme hören.
Denn deine Stimme ist angenehm,
und deine Gestalt ist lieblich.
 

Fanget uns die kleinen Füchse (2,15-17)

Fanget uns die Füchse,
die kleinen Füchse,
die Weinbergverwüster,
denn unsere Weinberge blühen.
Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein,
der weidet unter den Lilien.
Wenn der Tag weht und die Schatten fliehen,
Komm her, gleiche, mein Geliebter, einer
Gazelle oder einem jungen Hirsch auf den Bether-Bergen.
 

Suchen und Finden (3,1-5)

Auf meinem Lager in der Nacht suchte ich ihn,
den meine Seele liebt,
ich suchte ihn und fand ihn nicht.
"Ich will aufstehen und die Stadt durchwandern,
die Straßen und Plätze,
ich will suchen ihn, den meine Seele liebt".
Ich suchte ihn und fand ihn nicht.
Mich fanden die Wächter, welche die Stadt durchstreifen:
"Den meine Seele liebt, habt ihr ihn gesehen?"
Kaum war ich an ihnen vorüber,
da fand ich ihn, den meine Seele liebt.
Ich faßte ihn und ließ ihn nicht los,
bis ich ihn in das Haus meiner Mutter gebracht hatte,
und in das Gemach derer, die mich gebar.
Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen oder den Hinden des Feldes:
Weckt nicht auf und stört nicht die Liebe,
bis ihr's gefällt.
 

Festzug aus der Wüste (3,6-8)

Wer ist sie, die da heraufkommt
aus der Wüste, wie Rauchsäulen,
durchduftet von Myrrhe und Weihrauch,
von allen Gewürzpulvern des Kaufmannes?
Siehe, es ist Salomos Sänfte.
Sechzig Helden sind rings um sie her
von den Helden Israels.
Sie sind alle Schwertträger,
Kampfgeübte,
jeder hat sein Schwert an der Hüfte
gegen das Schrecknis zur Nachtzeit.
 

Der König in seiner Thronhalle (3,9-11)

Eine Thronhalle hat sich der König Salomo gemacht
aus Libanonholz.
Ihre Säulen machte er silbern, ihre Decke golden,
ihren Thronsitz purpurn;
ihr Inneres ist mit Steinen belegt.
Ihr Töchter Jerusalems, kommt heraus und
seht den König Salomo mit dem Kranze,
mit dem seine Mutter ihn bekränzt hat
am Tag seiner Hochzeit, am Tag seiner Herzensfreude.
 

Schönheit der Geliebten (4,1-7)

Wahrlich, du bist schön, meine Geliebte,
ja, du bist schön.
Deine Augen sind Tauben hinter deinem Schleier hervor,
dein Haar ist wie eine Herde von Ziegen,
die vom Gileadberge springen.
Deine Zähne sind wie eine Herde der Frischgeschorenen,
die von der Schwemme heraufsteigen;
alle haben sie Zwillinge, keine ist da, der es an Jungen fehlt.
Wie ein roter Faden sind deine Lippen,
und dein Mund ist lieblich.
Wie eine Granatapfelscheibe ist deine Schläfe
hinter deinem Schleier hervor.
Wie der Turm Davids ist dein Hals,
in Reihen gebaut;
tausend Schilde sind daran gehängt,
alle Rundschilde der Helden.
Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitzen,
Gazellenzwillinge, die unter den Lilien weiden.
Bis der Tag weht und die Schatten fliehen,
will ich zum Myrrhenberg gehen und zum Weihrauchhügel.
Ganz und gar bist du schön, meine Geliebte,
und kein Tadel ist an dir.
 

Mit mir vom Libanon (4,8)

Mit mir vom Libanon, Braut,
mit mir vom Libanon komm,
geh fort vom Gipfel des Amana,
vom Gipfel des Senir und Hermon,
von den Lagern der Löwen,
von den Bergen der Panther.
 

Du hast mein Herz belebt (4,9-11)

Du hast mein Herz belebt, meine Schwester Braut,
du hast mein Herz belebt mit einem deiner Augen,
mit einem Glied deiner Halskette.
Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester Braut,
wieviel köstlicher deine Liebe als Wein
und der Duft deiner Salben als aller Balsam!
Honigseim triefen deine Lippen, o Braut,
Honig und Milch ist unter deiner Zunge,
und der Duft deiner Gewänder
ist wie der Duft des Libanons.
 

Der Garten (4,12-5,1)

Ein verschlossener Garten bist du,
meine Schwester Braut, ein verschlossener Garten,
eine versiegelte Quelle.
Deine Schößlinge bilden einen Park
von Granatbäumen mit köstlichen Früchten,
Zypressensträuchern und Narde.
Narde und Safran, Würzrohr und Zimt
samt allen Weihrauchbäumen,
Myrrhe und Aloe samt allen besten Balsamen.
Eine Gartenquelle,
ein Brunnen mit lebendigem
und vom Libanon strömendem Wasser.
Auf, Nordwind, und komm, Südwind,
durchwehe meinen Garten,
daß seine Wohlgerüche strömen –
Möge mein Liebster in seinen Garten kommen
und dessen köstliche Früchte essen.
Ich komme in meinen Garten, Schwester Braut,
ich pflücke meine Myrrhe und meinen Balsam,
ich esse meine Wabe samt meinem Honig. –
Eßt, Ihr Lieben, trinkt und berauscht euch an der Liebe.
 

Nächtliches Intermezzo (5,2-8)

Ich schlief, aber mein Herz war wach.
Hör, da klopft mein Geliebter.
"Öffne für mich, mein Schwesterlein, mein Täubchen.
Denn mein Haupt ist naß vom Tau,
meine Locken von nächtlichen Tropfen".
"Ich hab' mein Hemd schon ausgezogen,
wie sollt' ich's wieder anziehen?
Ich hab' meine Füße gewaschen,
wie sollt' ich sie wieder beschmutzen?"
Mein Geliebter streckte seine Hand durchs Türloch,
da wurde mein Inneres um seinetwillen heftig aufgeregt.
Ich stand auf, meinem Geliebten zu öffnen,
und meine Hände troffen von Myrrhe,
(als ich sie legte) an die Griffe des Riegels.
Ich öffnete meinem Geliebten,
aber mein Geliebter war weggegangen.
Ich geriet außer mir, als ich ihm nacheilte.
Ich suchte ihn, aber fand ihn nicht,
ich rief ihn, aber er antwortete mir nicht.
Mich fanden die Wächter, welche die Stadt durchstreifen,
sie schlugen mich, verletzten mich,
es nahmen mir das Kopftuch
die Wächter der Mauern.
Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems:
Wenn ihr meinen Geliebten findet –
was wollt ihr ihm sagen?
Daß ich krank bin vor Liebe.
 

Überleitung (5,9)

Was ist dein Geliebter unter den Geliebten,
du schönste der Frauen?
Was ist dein Geliebter unter den Geliebten,
daß du uns also beschwörst?
 

Der schöne Jüngling (5,10-16)

Mein Geliebter ist glänzend und rot,
hervorragend unter zehntausend.
Sein Haupt ist Gold und Feingold,
seine Locken sind Dattelrispen,
schwarz wie der Rabe.
Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen,
die in Milch baden und in der Fülle sitzen.
Seine Wangen sind wie ein Balsamgarten,
Salbtürme;
seine Lippen sind Lilien,
triefend von flüssiger Myrrhe.
Seine Hände sind Goldzapfen, besetzt mit Tarschisch;
sein Leib ist eine Platte aus Elfenbein,
bedeckt mit Lapis lazuli.
Seine Schenkel sind Alabastersäulen,
auf goldene Sockel gegründet.
Sein Aussehen ist wie der Libanon,
auserlesen wie Zedern.
Sein Gaumen ist Süße und sein ganzes Wesen lieblich.
So ist mein Geliebter und so mein Freund,
ihr Töchter Jerusalems.
 

Überleitung (6,1)

Wohin ist dein Liebster gegangen,
du schönste der Frauen?
Wohin hat dein Liebster sich gewandt,
daß wir ihn mit dir suchen?
 

Der Jüngling und sein Garten (6,2-3)

Mein Liebster ist zu seinem Garten hinabgegangen,
zu den Balsampflanzungen,
um in den Gärten zu weiden
und Lilien zu pflücken.
Ich bin meines Liebsten, und mein Liebster ist mein,
der unter den Lilien weidet.
 

Die erschreckende Schönheit (6,4-7)

Schön bist du, meine Geliebte, wie Tirza,
lieblich wie Jerusalem,
furchterregend wie die Trugbilder!
Wende deine Augen von mir ab,
denn sie haben mich verwirrt.
Dein Haar ist wie eine Herde von Ziegen,
die vom Gilead springen.
Deine Zähne sind wie eine Herde der Mutterschafe,
die von der Schwemme heraufsteigen;
alle haben sie Zwillinge,
keine ist da, der es an Jungen fehlt.
Wie eine Granatapfelscheibe ist deine Schläfe
hinter deinem Schleier hervor.
 

Die Unvergleichliche (6,8-10)

Sechzig sind es der Königinnen
und achtzig der Nebenfrauen,
dazu Mädchen ohne Zahl.

Eine ist mein Täubchen,
die Einzige ist sie ihrer Mutter,
die Erkorene ihrer Gebärerin.
Sähen sie die Mädchen, sie priesen sie,
die Königinnen und Nebenfrauen, sie rühmten sie:

"Wer ist sie, die hinunterblickt wie die Morgenröte,
schön wie der Mond,
strahlend wie die Sonne,
furchterregend wie die Trugbilder?"
 

Begegnung mit Amminadib (6,11-7,1)

Zum Nußgarten stieg ich hinab,
nach den Palmensprossen zu sehen,
zu sehen, ob der Weinstock treibt,
ob die Granatäpfel blühen.

Ich weiß nicht, wie mir zumute wurde –
in solchen Zustand setzten mich die Wagen Amminadibs.

"Kehr zurück, kehr zurück, Schulammit!
Kehr zurück, kehr zurück, damit wir dich anschauen!"
"Warum wollte ihr Schulammit anschauen,
als ob sie eine Lagertänzerin wäre?"
 

Die schöne Fürstentochter (7,2-6)

Wie schön sind deine Füße in den Sandalen,
du Fürstentochter!
Die Rundungen deiner Hüften sind wie Halsgeschmeide,
Werk der Hände eines Künstlers.
Dein Nabel ist eine runde Schale –
möge der Mischwein nicht fehlen!
Dein Leib ist ein Weizenhaufen,
umhegt von Lilien.
Deine beiden Brüste sind wie zwei Kitzen,
Zwillinge einer Gazelle.
Dein Hals ist wie der Elfenbeinturm.
Deine Augen sind die Teiche zu Hesbon,
am Bat-Rabbim-Tor.
Deine Nase ist wie der Libanonturm,
der gegen Damaskus schaut.
Dein Haupt auf dir ist wie der Karmel,
und die Fäden deines Haupts
sind wie Königspurpur,
an den Bäumen festgemacht.
 

Der liebliche Gartenbaum (7,7-11)

"Wie schön bist du und wie lieblich, Geliebte,
Mädchen voller Wonne!
Dein Wuchs ist dergestalt,
daß er einer Palme gleicht
und deine Brüste Trauben.

Ich sagte: Ich will die Palme ersteigen,
nach ihren Rispen greifen.
Und es seien deine Brüste wie Trauben des Weinstocks
und der Duft deiner Nase wie Äpfel
und dein Gaumen wie edler Wein.

"(Ein Wein), der meinem Geliebten
leicht hinuntergleitet,
der über die Lippen der Schlafenden schleicht,
bin ich für meinen Geliebten,
und nach mir ist sein Verlangen".
 

Feiere einen schönen Tag (7,12-13)

Komm, mein Liebster, laß uns aufs Land gehen,
in den Dörfern über Nacht bleiben.

Laß uns früh in die Weinberge gehen,
sehen, ob der Weinstock schon treibt,
ob die Knospen sich geöffnet haben,
ob die Granatbäume blühen.
Dort will ich dir meine Liebe schenken.
 

O wärest du mir wie ein Bruder (7,14-8,4)

Es geben die Liebesäpfel ihren Duft,
und an unserer Tür sind allerlei köstliche Früchte,
neue und alte,
dir, mein Liebster, habe ich sie aufbewahrt.

O wärest du mir wie ein Bruder,
an meiner Mutter Brust genährt!
Träfe ich dich auf der Straße, würde ich dich küssen
- und niemand würde mir's verargen -,
würde dich ins Haus meiner Mutter bringen.
Wolltest du mich "belehren",
würde ich dir zu trinken geben vom Würzwein,
von meinem Granatmost.
Seine Linke ist unter meinem Kopf,
und seine Rechte umfängt mich.
Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems,
warum wollt ihr wecken und warum stören die Liebe,
ehe ihr's gefällt?
 

Fragment (8,5)

Wer ist sie, die da heraufkommt aus der Wüste,
an ihren Geliebten gelehnt?
Unter dem Apfelbaum weckte ich dich,
dort empfing dich deine Mutter,
dort empfing dich sie, die dich gebar.
 

Die Macht der Liebe (8,6-7)

Lege mich wie einen Siegelring an dein Herz,
wie einen Sieglring an deinen Arm,
denn stark wie der Tod ist die Liebe,
mächtig wie die Unterwelt die Leidenschaft;
ihre Gluten sind Feuersgluten,
eine gewaltige Flamme.

Große Wasser können nicht
die Liebe löschen,
und Ströme schwemmen sie nicht weg.
Gäbe jemand alle Habe seines Hauses um Liebe,
nur verachten würde man ihn.
 

Das Schwesterlein (8,8-10)

Wir haben eine Schwester, eine kleine,
die noch keine Brüste hat.
Was sollen wir tun mit unserer Schwester
am Tage, wo man um sie werben wird?
Wird sie eine Mauer,
so bauen wir auf sie einen silbernen Mauerkranz,
wird sie aber eine Tür,
so verrammeln wir sie mit einem Zedernbrett.
Ich bin eine Mauer,
und meine Brüste sind wie Türme –
bei alledem bin ich vor ihm
wie eine Kapitulierende geworden.
 

Zweierlei Weinberge (8,11-12)

Einen Weinberg hatte Salomo in Baal-Hamon.
Er übergab den Weinberg den Wächtern;
für seine Frucht würde jedermann
tausend Silberlinge einbringen.
Meinen Weinberg habe ich vor mir.
Die tausend gönne ich dir, Salomo,
und zweihundert denen,
die seine Frucht hüten.
 

Die Gartenbewohnerin (8,13-14)

Die du in den Gärten weilst,
die anderen lauschen auf deine Stimme –
laß mich hören:
"Eile fort, mein Geliebter,
und gleiche einer Gazelle oder einem jungen Hirsch
auf den Balsambergen".


Aus: Biblischer Kommentar Altes Testament
Gillis Gerleman Das Hohe Lied
Neukirchener Verlag des Erziehungsvereins
Neukirchen-Vluyn 1965
 

 

 

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