Das
Hohelied
(Echter-Bibel)
11
Lied der Lieder, so (herstammt) von Salomo
Gegenseitiges
Liebeswerben von Braut und Bräutigam
Einladung
an den Bräutigam
Braut:
2 Küsse
mich mit den Küssen deines Mundes,
denn köstlicher ist deine Liebe als Wein,
3 und der
Duft deiner Salben ist köstlich;
(wie) ausgegossenes Öl ist dein Name,
darum haben die Mädchen dich lieb.
4 Zieh
mich dir nach, laß und laufen,
führ mich ein, o König, in dein Gemach:
wir wollen frohlocken und uns freuen an dir,
und berauschen an deiner Minne mehr als (an) Wein,
ja, mit Recht haben sie (die Mädchen) dich lieb.
Verachtet
nicht die Sonnenverbrannte
Braut:
5
Gebräunt bin ich, aber doch schön,
ihr Töchter Jerusalems,
wie die Gezelte Qedars,
wie die Zeltdecken Salmas.
6 Seht
mich nicht (schief) an, weil ich geschwärzt bin,
weil mich die Sonne verbrannt hat!
Die Söhne meiner Mutter grollten mir,
sie machten mich zur Hüterin der Weinberge
meinen eigenen Weinberg konnte ich nicht hüten.
Die Hirtin
sucht den Hirten
Braut:
7 Tue mir
kund, den liebt meine Seele,
wo hüttest du, wo lässest du lagern am Mittag (die
Herde);
denn warum soll ich sein wie eine Herumirrende
bei den Herden deiner Genossen?
Bräutigam:
8 Wenn du
nicht Bescheid weißt, du Schönste unter den Frauen,
so folge doch den Spuren der Schafe
und weide deine Zicklein bei den Wohnstätten der Hirten!
Gegenseitiges
Lob der Schönheit
Bräutigam:
9 Den
Rossen an den Wagen Pharaos
vergleich ich dich, meine Freundin;
10 lieblich sind deine Wangen in den Kettchen,
dein Hals in den Korallenschnüren.
11
Goldkettchen wollen wir machen für dich
mit Pünktchen von Silber.
Braut:
12
Solange der König an seiner Tafel (ruht),
gibt meine Narde ihren Duft.
13 Ein
Myrrhensäckchen ist mein Geliebter mir,
zwischen meinen Brüsten soll es ruhen
14 Eine
Cypernraube ist mein Geliebter mir
in den Weinbergen von Engedi.
Bräutigam:
15
Fürwahr, schön bist du, meine Freundin,
fürwahr, du bist schön!
Deine Augen sind (wie) Tauben!
Braut:
16
Fürwahr, schön bist du, mein Geliebter, ja lieblich,
und unser Lager ist grün.
17 Die
Balken unseres Hauses sind Zedern,
unsere Täfelung Zypressen.
Im
Weinhaus der Liebe
Braut:
2 1 Ich
bin die Krokusblume von Saron,
die Lilie der Täler.
Bräutigam:
2 Wie
eine Lilie (prangt) unter den Dornen,
so meine Freundin unter den Töchtern.
Braut:
3 Wie ein
Apfelbaum unter den Waldbäumen,
so (prangt) mein Geliebter unter den Söhnen.
In seinem Schatten verlangt' ich zu sitzen,
und seine Frucht ist süß meinem Gaumen.
4 Er hat
mich eingeführt ins Weinhaus
und sein Wahrzeichen über mir ist Liebe.
5 Er
stärkte mich mit Weinbeeren,
er erquickte mich mit Äpfeln;
denn krank vor Liebe bin ich.
6 Seine
Linke liegt unter meinem Haupte
und seine Rechte umfängt mich.
7 Ich
beschwör' euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen oder Hindinnen der Flur:
Wecket doch nicht und störet nicht auf die Liebe,
bis daß es ihr gefällt.
Gegenseitiges
Suchen und Finden
Der
Geliebte am Fenster
Braut:
8 Horch,
mein Geliebter,
siehe, da kommt er;
er springt über die Berge,
hüpft hin über die Hügel.
9 Es
gleicht mein Geliebter der Gazelle
oder dem Kälbchen von Hirschen.
Siehe doch, er steht (schon) hinter unserer Mauer;
ich blicke (nach ihm) von den Fenstern aus,
ich spähe (nach ihm) von den Gittern aus.
Einladung
zu einem Gang in die Frühlingswelt
Bräutigam:
10 Mein
Geliebter hebt an und sagt zu mir:
Mach dich auf, meine Freundin,
meine Schöne, so komm doch!
11 Denn
siehe, der Winter ist vorbei,
der Regen vorüber, (ist) vergangen.
12 Die Blümlein lugen hervor am Erdboden,
[die Zeit des Beschneidens rückt heran]
und der Ruf der Turtel läßt sich hören [in unserem
Lande].
13 Der
Feigenbaum treibt seine Knötchen
und die Weinstöcke [mit Blüte] geben (ihren) Duft.
Mach dich auf, meine Freundin,
du, meine Schöne, so komm doch!
14 Meine
Taube in den Felsenklüften
im Versteck der Felswand,
laß mich schauen deinen Anblick,
laß mich hören deine Stimme;
denn süß ist deine Stimme
und lieblich dein Anblick.
Liebendes
Zusammensein
Braut:
15 Fangt
uns doch die Füchse,
die Füchse, die kleinen,
sie verwüsten den Weinberg;
unser Weinberg ist ja in Blüte.
16 Mein
Geliebter ist mein und ich bin sein,
er, der da weidet in Lilien,
17 bis
der Abendwind weht
und die Schatten sich recken.
Komm, mein Geliebter,
tu es gleich [mein Geliebter] der Gazelle
oder dem Kälbchen von Hirschen
auf würzigem Bergland!
Suchen
der Braut und seliges Finden
Braut:
31 Auf
meinem Lager in der Nachtzeit
suchte ich den, so liebt meine Seele,
ich suchte ihn, doch fand ich ihn nicht.
2 So will
ich denn aufstehen und herumstreifen in der Stadt
in den Gassen und auf den Plätzen,
suchen will ich, den liebt meine Seele
ich suchte ihn, doch fand ich ihn nicht.
3 Es
fanden mich die Wächter, welche die Stadt durchstreifen:
"Habt ihr gesehen, den meine Seele liebt?"
4 Kaum
war ich vorüber an ihnen,
da fand ich, den liebt meine Seele,
ich faßte ihn und nimmer laß ich ihn los,
[bis ich ihn ins Haus meiner Mutter gebracht,
ins Gemach derer, die mich (im Leibe) trug.]
5 Ich
beschwör' euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen und Hindinnen der Flur:
Wecket doch nicht und störet nicht auf die Liebe,
bis daß es ihr gefällt.
Herrlichkeit
des Bräutigams und Lieblichkeit der Braut
Der
Salomobräutigam
Chor der
Hochzeitsgäste:
6 Was ist
das, was da heraufsteigt aus der Steppe
inmitten von Rauchsäulen,
umwölkt von Myrrhen und Weihrauch
mit allem Duft des Krämers?
7 Siehe
da seine, des Salomo Sänfte,
sechzig Krieger sind rings um sie
von den Kriegern Israels.
8
Allesamt (sind sie) Schwertträger,
geschult im Kampfe,
ein jeglicher (trägt) sein Schwert an seiner Hüfte
wider nächtliche Schrecken.
9 Einen
Tragsessel hat sich der König [Salomo] gemacht
aus Hölzern vom Libanon;
10 seine
Füße ließ er machen von Silber,
seine Lehne von Gold,
sein Sitz ist ausgelegt mit Ebenholz,
mit Purpur sein Inneres.
11 Ihr
Töchter Jerusalems, kommt herbei,
beschauet euch doch, ihr Töchter Sions,
den König Salomo mit der Krone,
mit der ihn gekrönt hat seine Mutter
am Tage seiner Vermählung,
ja, am Tage seiner Herzensfreude.
Schilderung
der Schönheit der Braut
Bräutigam:
4 1
Fürwahr, schön bist du, meine Freundin,
fürwahr, du bist schön!
Deine Augen (gleichen) Tauben
(lugend) unter deinem Schleier hervor.
Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen,
die herabkommen vom gebirge Gilead.
2 Deine
Zähne sind wie eine Herde geschorener (Schafe),
welche heraufsteigen aus der Schwemme;
allesamt sind sie zwillingsträchtig
und eine unfruchtbare ist nicht unter ihnen.
3 Wie
Karmesinstreifen sind deine Lippen
und dein Mund ist lieblich;
wie Scheibe eines Granatapfels ist deine Schläfe,
(hervorlugend) hinter deinem Schleier.
4 Wie der
Davidsturm ist dein Hals,
gebaut in Terassen (?),
tausend Schilde sind aufgehängt an ihm,
alles Kriegertartschen.
5 Deine
[beiden] Brüste sind wie zwei Kälbchen,
wie Zwillinge des Gazellenweibchens,
welche weiden in Lilien
6 Bis der
Abendwind wehet
und die Schatten sich recken,
will ich mich ergehen am Myrrhenberg
und am Weihrauchhügel.
7 Ganz
schön bist du, meine Freundin,
und eine Makel ist nicht an dir.
Die
Libanonbraut
Bräutigam:
8 Komm
doch (herab) vom Libanon,
komm (herab) vom Libanon, komm herbei,
verlaß den Gipfel des Amana,
den Gipfel des Senir und Hermon,
die Höhlen der Löwen,
die Berge der Panther!
9 Du hast
mich verzaubert, meine Schwester [Braut],
du hast mich verzaubert mit einem (Blick) deiner Augen,
mit einem Ringlein deines Halsschmuckes.
10 Wie
ist so schön deine Liebe, meine Schwester [Braut],
wieviel köstlicher deine Liebe als Wein,
und der Duft deiner Salben (besser) als alle
Balsamdüfte.
11
Honigseim träufeln deine Lippen, [o Braut],
[Honig] und Milch ist unter deiner Zunge
und der Duft deiner Kleider ist wie Duft des Libanon.
Die
Braut im duftenden Garten
Bräutigam:
12 Ein
verriegelter Garten ist meine Schwester [Braut],
ein verriegelter Garten, ein versiegelter Quell;
13 seine
Gewächse sind ein Paradies von Granaten
mit allerlei köstlichen Früchten [Cyperblüten mitsamt
Narden]
14 Narde
und Safran, Gewürzrohr und Zimt,
mit allen Weihrauchgewächsen;
Myrrhe und Aloepulver
samt all den vorzüglichen Wohlgerüchen;
15 der
Quell meines Gartens
ist ein Brunnen lebendigen Wassers,
so herabrieselt vom Libanon.
Braut:
16 Rege
dich, Nordwind, und komm herbei, Südwind,
durchwehe meine Garten, daß rieseln seine Düfte!
Mein Liebster mag kommen in seinen Garten
und essen von seinen köstlichen Früchten!
Bräutigam:
5 1 Ich
komme in meinen Garten, meine Schwester [Braut],
ich pflücke meine Myrrhe samt meinem Balsam,
ich esse meine Wabe samt meinem Honig,
ich trinke meinen Wein samt meiner Milch.
[Esset, ihr Freunde, und trinket und berauscht euch mit
Liebe!].
Suchen
der Braut nach dem herrlichen Bräutigam
Nächtliches
Pochen des Bräutigams. Prüfung der Braut
Braut:
2 Ich
schlief, doch mein Herz war wach
Horch, mein Geliebter pocht (und spricht):
Bräutigam:
"Mache
mir auf, meine Schwester,
meine Freundin, meine Taube, meine Makellose;
denn mein Haupt ist voll Tau,
meine Locken (voll) von Tropfen der Nacht."
Braut:
3
"Ich habe ausgezogen mein Kleid,
wie sollt' ich's wieder anziehen,
habe gewaschen meine Füße,
wie sollt' ich sie wieder beschmutzen?"
4 Mein
Geliebter streckte seine Hand durch den Türspalt
und mein Inneres wallte auf in mir,
meine Seele war weg bei seinem Reden.
5 Ich
erhob mich, meinem Geliebten zu öffnen
da troffen meine Hände von Myrrhen,
über meine Finger floß Myrrhe hin,
meine Hand (lag) am Griffe des Riegels.
6 Ich
öffnete meinem Geliebten,
doch mein Geliebter war dahin, war entschwunden,
ich suchte ihn, doch nimmer konnt ich ihn finden,
ich rief ihn, doch nimmer gab er mir Antwort.
7 Es
fanden mich die Wächter, welche die Stadt durchstreifen,
sie schlugen mich, verwundeten mich,
sie nahmen mir meinen Überwurf weg,
die Wächter der Mauern.
8 Ich
beschwör' euch, ihr Töchter Jerusalems,
wenn ihr meinen Geliebten findet,
was sollt ihr ihm melden?
(Meldet ihm), daß ich krank bin vor Liebe.
Schönheit
des Bräutigams
Chor der
Frauen:
9 Was ist
dein Geliebter unter den Liebhabern,
du schönste unter den Frauen?
Was ist dein Geliebter unter den Liebhabern,
daß du uns also beschwörst?
Braut:
10 Mein
Geliebter ist licht und rot,
ausgezeichnet vor Myriaden.
11 Sein
Haupt ist Gold, ja Feingold,
seine Locken (wie) Palmenrispen (?)
(sind) schwarz wie der Rabe;
12 seine
Augen sind wie Tauben
an den Wasserläufen,
die in Milch sich baden,
die sitzen am vollen (Teich).
13 Seine
Wangen sind wie Balsambeete,
die Gewürzkräuter sprossen,
seine Lippen sind Lilien,
triefend flüssige Myrrhe.
14 Seine
Hände sind Walzen von Gold,
besetzt mit Tarsissteinen,
sein Leib eine Platte von Elfenbein,
überdeckt mit Saphiren.
15 Seine
Schenkel sind Marmorsäulen
gestützt auf Sockeln von Feingold,
sein Anblick ist (erhaben) wie der Libanon,
prachtvoll wie seine Zedern;
16 seine
(hehre) Gestalt ist Süßigkeit
und seine Gesamtheit Entzücken.
Das ist mein Geliebter und das mein Freund,
ihr Töchter Jerusalems.
Der
Geliebte drunten in seinem Garten
Chor der
Frauen:
6 1 Wohin
ist dein Geliebter gegangen,
du Schönste unter den Frauen?
Wohin hat sich gewandt dein Geliebter,
auf daß wir mit dir ihn suchen?
Braut:
2 Mein
Geliebter ist hinabgestiegen in seinen Garten
hin zu den Balsambeeten,
um sich zu weiden am Duft der Weinstöcke
und um Lilien zu sammeln.
3 Ich
gehöre meinem Geliebten und mein Geliebter mir,
er, der da weidet in Lilien.
Der
Braut bezaubernde, unwiderstehliche Schönheit
Schilderung
der Schönheit der Braut
Bräutigam:
4 Schön
bist du, meine Freundin, wie Tirsa,
lieblich wie Jerusalem,
majestätisch wie Bannerscharen.
5 Wende
deine Augen weg von mir,
denn sie sind es, die mich erregen,
Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen,
die herabwimmeln vom Gilead.
6 Deine
Zähne sind wie eine Herde von Mutterschafen,
die heraufsteigen aus der Schwemme;
allesamt sind sie zwillingsträchtig
und eine Unfruchtbare ist nicht unter ihnen.
7 Wie
Scheibe eines Granatapfels ist deine Schläfe,
(hervorlugend) hinter deinem Schleier.
Die
Schönste von allen
Bräutigam:
8 Sechzig
Königinnen hatte Salomo
und achtzig Nebenfrauen
und Mädchen ohne Zahl.
9 Doch
einzigartig ist sie, meine Taube, meine Fehllose,
einzigartig ist sie ihrer Mutter,
eine Auserwählte ist sie ihrer Gebärerin.
Es sahen sie die Töchter und priesen sie,
Der
Bräutigam im Nußgarten überwältigt von Liebe
Chor der
Frauen:
10 Wer
ist sie, so herablugt wie Morgenrot,
schön wie der Mond,
lichtvoll wie die Sonne,
majestätisch wie Bannerscharen?
Bräutigam:
11 In den Nußgarten war ich hinabgestiegen,
um zu sehen nach dem Gesproß des Tales,
um zu sehen, ob getrieben der Weinstock,
ob aufgeblüht die Granaten.
12 Ich
kannte mich selber nicht mehr,
es hat mich von Sinnen gebracht die Tochter meines
Volkes.
7 1
Kehre wieder, kehre wieder, o Sulamit,
kehre wieder, kehre wieder, daß wir dich betrachten!
Was erschauet ihr an der Sulamitin
beim Lagertanz?
2 Wie
schön sind deine Schritte in den Schuhen,
du Fürstentochter,
die Linien deiner Hüften sind wie Halsgeschmeide,
ein Werk von Künstlerhänden.
3 Dein
Schoß ist in wohlgeborgnes Becken,
nicht mangle der Mischtrank,
dein Leib ein Weizenhaufen,
umhegt von Lilien.
4 Deine
[beiden] Brüste sind wie zwei Kälbchen,
Zwillinge des Gazellenweibchens;
5 dein
Hals ist wie Elfenbeinturm,
dein Haupt [auf dir] wie der Karmel.
Deine Augen sind wie die Teiche von Hesbon
am Tore Bat-Rabbim;
deine Nase ist wie der Libanonturm,
der herablugt gen Damaskus;
6 die
Locken deines Hauptes sind wie Purpur,
ein König ist gefangen in den Flechten.
Die
Braut eine Palme
Bräutigam:
7 Wie
schön bist du und wie lieblich,
du Geliebte, du Wonnevolle!
8 [Diese]
deine hohe Gestalt gleicht einer Palme
und deine Brüste Trauben.
9 Ich
sagte (mir): Hinaufsteigen will ich auf die Palme,
will anfassen ihre Wedel
und deine Brüste sollen mir wie Trauben [des
Weinstockes] sein
und der Odem deiner Nase wie (Geruch) von Äpfeln
10 dein
Mund (soll mir sein) wie bester Wein,
der über meinen Gaumen gleitet, [geradeaus?],
netzend meine Lippen und meine Zähne.
Heißes
Verlangen nach Vereinigung
Einladung
zu einem Ausflug hinaus in die sprossende Natur
Braut:
11 Ich
gehöre meinem Geliebten
und nach mir geht sein Verlangen.
12 Komm,
mein Geliebter, wir wollen auf's Land hinausgehen,
nächtigen in den Dörfern.
13 Früh
wollen wir aufstehen, nach den Weinbergen sehen,
ob schon sprosset der Weinstock,
(schon) offen ist die Blüte,
(schon) blühen die Granaten
dort will ich dir schenken meine Liebe;
14 die
Liebesäpfel geben schon Duft
und an unserer Tür sind alle köstlichen Früchte,
neue sowohl als alte
hab ich, mein Geliebter, dir aufbewahrt.
Heiße
Sehnsucht, selige Erfüllung
Braut:
8 1 O,
wer könnte dich mir zum Bruder geben,
der die Brust meiner Mutter gesogen?
Fänd' ich dich auf der Straße, so könnt' ich dich
küssen,
und man würde (darob) mich nicht verachten.
2 Dann würd' ich dich entführen, [dich hineinbringen]
ins Haus meiner Mutter
und ins Gemach meiner Gebärerin,
ich würde dich tränken mit Würzwein,
mit dem Most der Granaten ...
3 Seine
Linke liegt unter meinem Haupte
und seine Rechte umfängt mich:
4 Ich
beschwör' euch, ihr Töchter Jerusalems,
bei den Gazellen und Hindinnen der Flur
Was wollt ihr aufwecken und was aufstören die Liebe,
ehe es ihr gefällt?
Der
Vermählung entgegen
Die
überwältigende Macht der Liebe
Chor der
Zuschauer:
5 Wer ist
die, so heraufsteigt aus der Steppe,
sich lehnend auf ihren Geliebten?
Unter dem Apfelbaum hab' ich dich aufgeweckt,
dort geriet in Wehen mit dir deine Mutter,
dort geriet in Wehen deine Gebärerin.
6 Leg
mich wie ein Siegel an dein Herz,
wie eine Spangen an deinen Arm;
denn stark wie der Tod ist die Liebe,
hart wie die Unterwelt ist ihr Eifern;
ihre Funken sind Feuerfunken,
ihre Flammen sind Flammen Jahwes.
7 Große
Wasser können sie nicht auslöschen
und Ströme sie nicht wegschwemmen;
wenn einer allen Reichtum seines Hauses gäbe für die
Liebe,
würde man darob ihn verachten?
Verhandlungen
bezüglich Brautkauf
Brüder:
8 Eine
Schwester haben wir, eine kleine,
und Brüste hat sie noch keine
Was sollen wir anfangen mit unserer Schwester
am Tage, da sie angesprochen wird?
9 Wenn
eine Mauer sie ist,
so wollen auf sie eine Schutzwehr von Silber wir bauen;
und wenn eine Türe sie ist,
so wollen wir sie abschließen mit Zedernplanken.
Braut:
10 Ich
bin eine Mauer
und meine Brüste sind (schon) wie Türme,
längst bin ich in euren Augen
wie eine, für die man Entgelt bekommt.
Brüder:
11 Einen
Weinberg hatte Salomo zu Baal-Hamon;
er übergab den Weinberg den Hütern,
ein jeder sollte für seine Frucht beibringen
tausend Silbersekel.
12 Meinen
Weinberg, so mir gehört, hab' ich vor mir;
die tausend (Silbersekel) sollen dein sein, Salomo,
und noch zweihundert den Hütern seiner Frucht gehören.
Verstümmelter
Abschluß
Bräutigam:
13 Die du
wohnest in den Gärten,
meine Gefährten lauschen,
deine Stimme laß uns hören!
Braut:
14
Fliehe, mein Geliebter,
und tu' es gleich der Gazelle
oder dem Jungen von Hirschen
auf duftendem Bergland!
Aus:
Das Hohelied
von Dr. Johann Fischer
em. o. Professor an der Universität Würzburg
(Das Alte Testament
Herausgegeben von
Prof. DDr. Friedrich Nötscher)
Echter-Verlag Würzburg 1950
(Echter-Bibel)