Der Völker
L
°i°e°b°e°s°g°a°r°t°e°n
(Ausgewählte Gedichte)
 







 



Kaum sah ich dich, so fühlt' ich Flammen sprühen;
Aus fremdem Auge schien mir's traut entgegen,
Und heimlich Rot sah deine Wang' ich hegen
Gleich Rosen, wachgeküßt vom Tag, dem frühen.

Kaum hob dein Sang an, fühlt' ich Tränen glühen
Und mir dein Lied so tief das Herz erregen,
Als tönt' ihm aus der Höhe Engelsegen,
Als sollt' ihm alle Seligkeit erblühen.

O laß mich, Teure, dir im Aug' erkennen,
Ob Liebe ihre Macht an dir erprobet!
Und muß ich, wenn Geschick und Welt uns trennen,

Dich fliehn, von Gluten hoffnungslos durchtobet;
Wer dich auch Braut hienieden möge nennen,
Im Himmel hat dich Gott mir anverlobet.

Polnisches Liebeslied
(Adam Mickiewicz)


 

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Literatur: Der Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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