Der Völker
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°i°e°b°e°s°g°a°r°t°e°n
(Ausgewählte Gedichte)
 









 




Eingenommen bin ich von der Liebe zu einer jungen Schönen,
Von der Liebe zu einer, deren Augen schmachtend,
deren Wimpern Pfeile, deren Brauen Bogen sind.
Wie die Nachtigall um das Aufblühen einer lachenden Rose fleht,
So ich um die Liebe zu einer, deren Brust Marmor,
deren Busen Granatblüte, deren Schoß eine Rosenaue ist.

Wahnsinnig ist mein Kopf geworden dieser Liebe wegen:
Was hilft mir nun Anstrengung, Ehrgeiz und Eifer?
Ich bin ein Kaufmann geworden,
habe aber nur Schmerzen gewonnen,
Verkommen bin ich in Liebesgram um diese Schöne.

Schon im Jünglingsalter, auf der Pilgerschaft,
habe ich mein junges Leben hinschwinden lassen;
Aus Liebe zu der Schönen mit lieblichem Antlitz
habe ich blutige Tränen vergossen,
Die Schmerzen der Trennung und fremde Nachrede
habe ich ertragen;
Ich bin Keschisch-Oglu, aber ich bin gebrochnen
Herzens aus Liebe zu der holden Rahmi.

Keschisch-Oglu (geb. 18. Jh.)
Kaukasisch-Türkisches Liebeslied


 

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Literatur: Der Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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