Der Völker
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°i°e°b°e°s°g°a°r°t°e°n
(Ausgewählte Gedichte)
 









 




Nahandove, schöne Nahandove!
Horch! schon ruft der Vogel der Nacht,
Und der Mond glänzt am Himmel:
Naht die Stunde, was kann noch dich hindern?
Nahandove, schöne Nahandove!

Fertig ist das Lager, das aus Blättern
Und aus duft'gen Blumen ist bereitet;
Würdig ist es deiner süßen Reize,
Nahandove, schöne Nahandove!

Und sie kommt; das schwere Atmen hör' ich,
Das der rasche Gang veranlaßt, höre
Auch das Rauschen ihres Kleides wieder,
Das die zarten Glieder einhüllt; ja sie ist es!
Nahandove, schöne Nahandove!

Odem schöpfe, meine junge Freundin!
Ruhe aus auf meinem Knie. Wie freundlich
Ist dein Blick, wie lebhaft wallt dein Busen!
Sanft gedrückt von des Geliebten Händen!
Und du lächelst, schöne Nahandove!

Deine Küsse dringen durch die Seele,
Mir entflammt dein Kosen wild die Sinne;
Halt! ich sterbe - stirbt man denn vor Wollust?
Nahandove, schöne Nahandove!

Wie der Blitz verschwindet das Vergnügen,
Schwächer wird dein Atem, und es schließen
Deine feuchten Augen sich. - Du senkst
Sonst dein Köpfchen, sonst dein reizend Köpfchen.

Deine Glut erlischt in mattem Schmachten!
Nimmer warst so schön du Nahandove!
Nahandove, schöne Nahandove!

O wie süß ist Schlaf im Arm der Liebe!
Aber nicht so süß als solch Erwachen;
Weh du scheidest! bis zum Abend muß ich
Unter Wunsch und Sehnsucht schmachtend warten,
Doch du kommst gewiß heut Abend wieder,
Nahandove, schöne Nahandove!

Madegassisches Liebeslied

 

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Literatur: Der Völker Liebesgarten Leipzig Verlag Julius Zeitler 1909
(Gesammelt und herausgegeben von Paul Seliger)
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