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Manfred Hausmann
(1898-1986)
Der Kuß
Uns wiegt, die alle Liebenden ersehnen,
die Nacht wiegt uns in ihrem Schoß.
Nachdenklich machst du und mit weichem Dehnen
das Band an deiner Schulter los.
Ganz in der Ferne glimmt es wie gewitternd,
doch um uns her das Duften schweigt.
Es ist die Stunde, da die Seele zitternd
bis an den Rand der Lippe steigt.
So naht mein Mund sich dir, um zu gewahren,
wie schön du doch erschaffen bist,
wie schön die Wildnis ist in deinen Haaren,
das Lächeln auch, das sich vergißt,
der Wangenbucht, das pulsende Verschweben
am Hals, der Brüste blasser Drang,
die Hüfte mit dem ahnenden sich Heben
und mit dem leisen Weitergang.
Allwissend kehrt der Mund von seinem Wandern
zu deinem lächelnden zurück.
Und einer öffnet seufzend sich dem andern
zu einem atemlosen Glück.
Mund ruht auf Mund, und Seele sinkt in Seele.
Was ist noch dein? Was ist noch mein?
Erstickt rührt sich und schluchzend in der Kehle
die dunkle Lust, nicht mehr zu sein.
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