Husain ibn Mansur al-Halladsch (858-922)
Hier bin ich, mein Geheimnis, mein Vertrauter!
Hier bin ich, Dir zu Dienst, mein Ziel, mein Sinn.
Ich rufe Dich, vielmehr rufst Du mich zu Dir:
Spräch' ich "Zu Dir", wenn Du nicht sprächst
"Zu Mir!?"
Kern meines Wesenskerns, Ziel des Strebens,
Mein Ausdruck, meine Sprache und mein Stammeln!
Du Ganzes meines Ganzes, Aug' und Ohr mir
Und Glieder und Gestaltung, mein Gesamtes ...
An den mein Geist sich klammerte, vergehend
In der Ekstase - da wardst Du mein Pfand.
Gehorsam Dir, der Heimat fern, beweine
Ich meine Qual - dabei hilft mir mein Feind.
Ich nahe mich, doch meine Furcht entfernt mich;
Mich schüttelt Sehnen, tief in mir verwurzelt.
Was tu ich, innigst einem Freund verbunden?
Der Arzt ward meiner Krankheit überdrüssig.
Man sagt mir: "Heile dich von Ihm durch Ihn!" -
Doch
Kann ich durch Krankheit mich von Krankheit heilen?
Mich machte schwach und krank nur Seine Liebe -
Wie kann bei Ihm ich über Ihn nun klagen?
Gewiß, ich schmecke Ihn, mein Herz erkennt Ihn,
Doch nur mein Augenwink darf von Ihm künden.
Weh meinem Geist um meines Geistes willen!
Weh Mir! Ich bin der Grund für meine Plage!
Wie einer, der ertrinkt - man sieht die Finger
Um Hilfe flehend - er versinkt im Meere.
Nicht einer weiß das, was mir zugestoßen,
Als Er, der in mein Innerstes sich senkte;
Er, der es weiß, welch Leiden ich erdulde:
In Seinem Willen liegt mein Tod, mein Leben.
O höchster Wunsch, mein Gast Du, mein Ersehntes,
Der Seele Leben, meine Welt, mein Glaube!
Sprich: "Ich erkaufte dich", mein Ohr, mein
Auge!
Warum dies Zögern mir, dem so Entfernten?
Wenn Du, entfernt, den Augen Dich verschleierst:
Das Herz bemerkt Dich ferne, ganz von weitem.
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