Mihály Csokonai Vitéz (1773-1805)
(GEKÜRZT)
Seht und schaut
nur, meine Augen,
wie am Bach der Rosenstrauch
zittert wie von Windeshauch:
Seht und schaut nur, meine Augen,
wie sie schnell zusammenglitten
seine Blätter, seine Zweige,
seine Dornen, seine Blüten,
wie des Purpurs duftge Pracht
sich zerstreute sanft und sacht.
Während einige sich ausbreiten
um des Unkrauts harte Stiele,
schweben andre wie an Zügeln
an des muntren Zephirs Flügeln,
seine Spiele
zu begleiten.
- - -
Doch, ihr Augen,
spähet weiter,
was die schöne Nymphe macht,
denn sie legte, gebt nur acht,
auf die Rosenzweige ihre Kleider
und nun geht sie gleich
- sei des Sehens Gott mit euch! -
Ja, dort geht sie, welch ein Himmelsbild,
dessen Rücken soviel Reiz enthüllt!
Könntet ihr es besser doch erkennen,
denn unsterblich schön muß man es nennen!
Meine Rosalie ists, die ich sehe!
Stürmisch schlägt mein Herz dort drinnen,
und ich bin schon ganz von Sinnen,
Gott im Himmel, ich vergehe!
- - -
Wie der Fluß, in
den sie trat,
nun dies schöne Bild verdoppelt hat,
wie die Wellen sie umschmeicheln
und wetteifernd ihre Zehen streicheln,
wer die erste sei zu ihren Füßen,
die den Hof ihr macht mit Küssen!
Meine Augen, seht nur, dort,
schon umschlingen sie
werbend ihre Knie,
ihre Schenkel,
ihre Hüften weich,
die unzüchtgen Wellen, kühl und bleich.
Fort, ihr falschen Wellen, fort,
wenn ihr höher steigt, zertret ich euch!
Ach, ihr habt mich fast schon umgebracht,
da ihr euch zu Nebenbuhlern macht.
Kaum noch seh ich ihre süße Brust,
Quelle meiner Liebeslust,
da ihr dort verweilt,
meine Ruhestätte mit mir teilt.
Wär ich doch nur dieser Wellen eine,
wär auch dieser schöne Leib der Meine!
Übersetzt von ANNEMARIE BOSTROEM
___________
Hier
wo...
AUS DEM GEDICHT AN IHRE HOCHGEBORENE GRÄFIN ERDÖDY
Hier, wo Lillas
Angedenken
auszumerzen ich gedacht,
fand ich doch in allen Ecken
ihrer Blicke Himmelsmacht.
Und ich las an
jedem Baume,
jede Welle rief mir zu:
"Nichts ist herrlicher als Lilla,
niemand elender als du!"
Unter einer alten
Eiche
stand die Zeit, wie Wachs so bleich,
Borkenkäfer in den Händen
und ich bat um eins sie gleich:
Daß sie in mir
löschen möge
Lillas Bild und all mein Leid.
Aber stumm, tränenden Auges
lief mir rasch davon die Zeit.
Übersetzt von ANNEMARIE BOSTROEM
___________
Schleudre, oh
Lilla, doch nicht immer wieder
die Blitze deiner Blicke auf mich nieder,
du kennst mein Leiden doch,
sie schlugen meinem Herzen manche Wunde,
beschwör so früh nicht meine Todesstunde,
laß mir mein Leben noch!
Ach, wie die
Amoretten dort in Schwärmen
um deine schlehenblauen Augen lärmen,
sieh nur, der eine schießt
den Pfeil schon ab, ein andrer sucht mit Tücke
ob ihm die Fackel anzufachen glücke.
Weil er mein Leid genießt!
Einem gelangs, auf
deiner Blicke Schwingen
in meines Herzens Festung einzudringen,
hat dort sich Platz gemacht.
Sein Banner weht auf meiner Hoffnung Zinnen,
alles zertrat sein winzger Fuß dort drinnen,
hör, wie er tobt und lacht.
Übersetzt von ANNEMARIE BOSTROEM
___________
Gleich der
Wacholderbeere,
auf frischen Schnee gefallen,
gleich einem winzgen Käfer,
versteckt im Weiß der Rose,
gleich der Korinthe, bräunlich
auf weißem Zuckerkuchen,
so rund, so süß, so samten
ist eine Sommersprosse
getupft auf Lillas Busen.
Dies ist die
Liebesinsel,
auf der die Amoretten,
wenn sie im Schnee des Meeres
von Lillas Brust gebadet,
mit Necken und mit Lachen
die goldnen Haare trocknen.
Ihr meine wilden
Küsse,
sprecht, ob es wohl erlaubt ist,
auf diesem irdschen Busen
auch einen kleinen Fehler
so rasend zu vergöttern?
Übersetzt von ANNEMARIE BOSTROEM
___________
Liebesbrunst will
mich verbrennen,
Lindre meines Herzens Pein!
Deine Zärtlichkeiten können
Meiner Wunden Balsam sein.
Einen neuen Morgen
künden
Könnten deine Augen mir,
Alle Sorgen zum Verschwinden
Brächt ein einziges Wort von dir.
Holder Engel, laß
mich wissen
Deine Antwort, sprich, o sprich!
Tausendfach mit heißen Küssen
Lohne ich’s dir sicherlich.
Übersetzt von MARTIN REMANÉ
___________
Ich leide, wie ich
nie geglaubt,
seitdem du mir das Herz geraubt,
du mitleidlose Schöne!
Ich sterbe fast bei dem Gedanken
und muß daran wohl ewig kranken,
daß ich mich nach dir sehne.
Mein Frühling ist
durch dich verdunkelt,
und keiner Sonne Glanz durchfunkelt
den Nebel, der mich drückt.
Früh nachts fang ich zu weinen an,
seit ich mich nicht mehr rühmen kann
mit dir, die mich entzückt.
Dein Ritter weint,
seitdem er fern,
und seine Hoffnung wie ein Stern
im Morgengrauen schwand.
Schreckliche Bilder quälen mich,
und „Lili, Lili!” rufe ich,
vor Angst wie festgebannt.
Dann reck ich meine
Arme weit,
sie fallen nur in Dunkelheit,
und rings um mich ist Leere.
Auch nächtens find ich Ruhe kaum,
ich fühle wachend und im Traum,
wie sehr ich dich entbehre.
Wie sinnlos ist für
den das Leben,
dem keine Hoffnung mehr gegeben,
und der doch leben muß.
Die Seele ist in ihm gestorben
und jeder Atemzug verdorben
von Lebensüberdruß.
Und du, mein süßes
Augenlicht,
glühn deines Daseins Rosen nicht,
trotz aller meiner Bürden?
Der Himmel geb’s, ich wäre froh,
weil meiner Tränen Hälfte so
die Engel trocknen würden.
Vielleicht magst du
- in Adlers Klauen
gefangne Taube - um dich schauen,
wo meine Hilfe blieb?
Es wird vergebens sein, vergebens!
Im Tal des Todes, nicht des Lebens,
umarmst du mich, mein Lieb.
Übersetzt von ANNEMARIE BOSTROEM
Aus: Schätze der Ungarischen Dichtkunst Band III (1984)
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