Balint Balassi (1554-1593)

 

  1. Lied von einem Blumenstrauß

  2. Über die Jungfrau Margareta

  3. Als er seiner Julia begegnet, begrüßt er sie also

  4. Gedicht, in dem er sich freut, daß er von der Liebe befreit worden ist

  5. Über die Ewigkeit und Unvergänglichkeit seiner Liebe

  6. Julia ist die Liebe

  7. An die Kraniche

  8. Zur Einsicht gelangt, Julia...

  9. Über die Wienerinnen Susanna und Anna-Maria

  10. Als er Coelia liebgewann, flehte er also zu ihr

  11. Coelia im Bade

  12. Über eine polnische Zitherspielerin

  13. Epigramme

  14. An Fulvia

     

 

 

Lied von einem Blumenstrauß

 

 

Meine Blume hat mir ihren Strauß gegeben!
Liebesblumen wie sie selber eine eben.
Ja, sich selber wollt sie in den Strauß einweben,
der mir kundtut, wie sie's meint: fürs ganze Leben!

 Die duftende Viole steht für ihre Treue,
rote Rose sagt, daß Liebe sie erfreue,
weiße Rose zeigt die Reinheit ohne Reue
und zusammen: ihren hellen Geist aufs neue.

 Doch zugleich, ich seh' es, gibt sie mir ein Zeichen:
Wie sie ist in allem, soll auch ich ihr gleichen,
meine treue Liebe soll für ewig reichen,
denn wir wollen niemals voneinander weichen.

 Deinen Strauß, Geliebte, halt ich hoch in Ehren,
solang ich ihn trage, werd ich mich bewähren,
keine andre je, nur dich allein begehren,
wie du's wünschst, mich jeder Anfechtung erwehren.

 Nur in einem mach es doch nicht gleich den Blüten,
die am Morgen prangen, abends schon ermüden.
Davor, Teure, wollen wir uns beide hüten,
lieben uns vielmehr, so wie wir einst erglühten.

 Denk daran, den heiligen Bund jemals zu brechen
wär ein unverzeihlich ewiges Verbrechen.
Solltest du, sollt ich mich solchen Tuns erfrechen,
würd der Himmel bald sich strafend an uns rächen.

 Als im Jahre fünfzehnhundertachtundsiebzig
im geheimen Nest das Liebespaar aufhielt sich,
gab sie ihre Blume in die Hand mir willig,
Dich um solche Gabe, Gott, lobpreisen will ich.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Über die Jungfrau Margareta

 

 

Ritterklingen ritzen,
Schlangen Gift verspritzen,
   mit den Hörnern kämpft der Stier.
Falkenkrallen reißen,
Löwenzähne beißen
   Beute mit der gleichen Gier.
Töten mit den Blicken -
Nur der Maid mags glücken,
   wie dem Basiliskus schier.

 So ist's mir ergangen,
auch mich nahm gefangen
   eine Jungfrau jung und schön.
Schwarze Augen trafen
mich wie spitze Waffen,
   und da war's um mich geschehn.
Von den Feuerblicken
fühlt ich ein Entzücken,
   mich entrückt in Himmelshöhn.

 Daß mich Glut versehrte,
doch nicht ganz verzehrte,
   ist so großes Wunder nicht.
Bei Fulgosius steht es,
und ihr selber seht es:
   Ein Hirschkäfer, armer Wicht,
geht durchs Feuer und er
bleibt doch heil, welch Wunder!
   Hier darüber sein Bericht:

 Käfer gibt es viele,
denen es gefiele,
   fliegen durch die Glut, den Brand.
Auch die Mücken flattern,
hörn sie Brennholz knattern,
   bis über den Flammenrand.
Mir auch bist du teuer,
heilsam sengend Feuer -
   als des Lebens Unterpfand.

 Hätt ich nicht die Liebe,
ich nicht übrig bliebe,
   würd ertränkt im Tränenfluß.
Nur die Liebesflammen
halten mich zusammen,
   daß ich nicht zerfließen muß.
Doch ich dank's den Tränen,
daß vom heißen Sehnen
   ich nicht ward zu Asch und Ruß.

 Hell in Flammen blühen
und doch nicht verglühen -
   das ist mir die höchste Lust.
Solche ich empfinde,
wenn zu ihr ich finde,
   an der Liebsten holden Brust.
Bitteres mit Süßem,
beides zu genießen
   kann nur, wer's zu mischen wußt.

 Sieh die schlanke Gerte
schießen aus der Erde:
   Merk sie dir, es ist ihr Wuchs.
Und der Mund, das Kleinod,
und der Wangen Feinrot,
   wenn daher sie flattert flugs.
Mein wird sie mitnichten,
muß auf sie verzichten,
   armer nimmersatter Fuchs?

 Schätze, Reichtum, Güter -
andre seien die Hüter!
   Ihres sei das große Glück,
auf dem Gold zu sitzen,
immer mehr besitzen,
   wem nie groß genug das Stück...
Ich will mich begnügen,
mich dem Schicksal fügen,
   wenn ich nur ein Röschen pflück.

 Nackte weiße Füße
läßt mich sehn die Süße
   in dem feuchten grünen Gras.
Barfuß gehn, sich bücken
bei dem Blumenpflücken,
   all das tut sie mir zum Spaß.
Duckt sich hinter Zweigen,
um sich halb zu zeigen -
   ach, welch zündend Spiel ist das.

 Sie beginnt zu singen,
läßt die Verse klingen,
   lauter wird der leise Sang,
während ihre Locken,
aller feinste Flocken,
   rieseln Hals und Brust entlang.
Nun schon ernster Laune
bindet hinterm Zaune
   Kränze sie auf ihrer Bank.

 Sie ist von der Sorte,
für die nicht nur Worte
   fließen werden, auch viel Blut!
Lanzen werden brechen,
Degen, Schwerter stechen
   für dies selten teure Gut:
Gestern Freund noch richtig,
heute eifersüchtig,
   morgen Gegner voller Wut.

 Diese Verse macht ich
im Jahr neunundachtzig
   nach anderthalbtausend Jahr,
als ich in den Bergen
mußte mich verbergen
   und Sankt Laurenz brach an klar,
denkend an die Dame,
deren teurer Name
   auf Lateinisch Perle war.

 Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Als er seiner Julia begegnet, begrüßt er sie also

 

 

Ich brauche sie nicht, diese Welt,
wenn Julien sie nicht enthält,
die jetzt sich so zu mir gesellt,
in Liebe, die mir so gefällt,

 du machst aus Trauer Fröhlichkeit,
Begierde macht die Seele weit
nach dir. Du bist Glückseligkeit,
in dir ist Gott zu jeder Zeit.

 Mein teures, wunderschönes Haus!
Du strömst den Duft von Rosen aus,
mein Nelken- und Levkojenstrauß,
o Julia! Mein Augenschmaus!

 Du meine Sonne, Licht und Glanz!
Dein schwarzer Augenbrauenkranz,
mein größter Schatz, du mein Byzanz!
Des Lebens Hoffnung bist du ganz.

 Nach deiner Liebe brennt mein Herz,
die Seele krank von Sehnsuchtsschmerz,
die Liebe trägt mich himmelwärts,
du Göttin, in der Schönheit Erz.

 Als ich schön Julia hab erblickt,
ich diesen Gruß an sie geschickt.
Da stand ich, Kopf und Knie geknickt -
sie lächelt' nur, hat kaum genickt.

Übersetzt von HEINZ KAHLAU

___________

 

 

Gedicht, in dem er sich freut, daß er von der Liebe befreit worden ist

 

 

Frei ist nun mein armer Schädel, ganz von Liebe frei,
frei von allen Liebesleiden, frei von Tyrannei.
Friedlich leb ich weiter,
und mein Geist ist heiter -
alle Seelenqualen sind vorbei.

 Einem Sklaven, der befreit ist, gleiche ich nunmehr.
Mußte ohne Freiheit schuften - niedriger als er.
Lebte wie im Kerker
oder noch viel ärger,
und mein Herz war wie ein Stein so schwer.

 Allen Fröhlichkeiten gebe ich mich sorglos hin.
Niemals ist mein Blick mehr finster, seit ich ledig bin,
ledig aller Pflichten,
frei von Frongewichten
jeder Liebe ist mein heitrer Sinn.

 Wie ein Falke schwinge ich mich, rein und froh gestimmt,
dem man seine Fessel von den gelben Füßen nimmt.
Froh auf freien Schwingen
kann die Seele singen,
weil sie keiner Liebe Fessel krümmt.

 Gebt mir einen schnellen Windhund und ein gutes Pferd,
tapfre Freunde, einen Falken und ein scharfes Schwert.
Sitzen wir am Feuer,
ist mir nichts so teuer
wie der volle Becher, oft geleert.

 Stolze Fräulein, schöne Jungfraun, lächelt noch so sehr,
eure süßen Schmeichelblicke treffen mich nicht mehr.
Weder eure Liebe
noch die bösen Triebe
locken mich zu euren Fallen her.

 Jung und alt zur guten Lehre geb ich meinen Rat,
weil die große Liebe mir so vieles Böse tat:
Lust hat mich getrieben,
Gram ist mir geblieben -
Liebe, die mich gnadenlos zertrat.

 Wer die Ruhe für sein Leben sich zu wünschen weiß,
hüte sich vor jeder Liebe, bitter ist ihr Preis.
Wer von Lieb gefangen,
ist in Qual gegangen -
sie trifft jeden Jüngling, jeden Greis.

 Diese Verse hab ich froh und freien Sinns gemacht.
Zieh mit edlen Junkern aus zu frischvergnügter Nacht.
Männer, die mir gleichen,
aufgelegt zu Streichen -
Hüstelgreise werden ausgelacht.

Übersetzt von HEINZ KAHLAU

___________

 

 

Über die Ewigkeit und Unvergänglichkeit seiner Liebe

 

 

Zeit zerbricht Paläste,
Häuser, Burgen, Feste,
Städte rafft die Zeit dahin.
Reichtum, große Werke,
Mut und stolze Stärke
Sind ohn Dauer und Gewinn.
Auch des Frühlings Rosen,
Lilien und Mimosen
Müssen mit der Zeit verblühn.

 Königliche Würde,
Großer Güter Bürde,
Alles wird der Zeiten Raub.
Asche wird zum Berge,
Berge werden Zwerge,
Denn die Zeit ist stumm und taub.
Ruhm und Ruf und Reinheit,
Liebreiz, Engelsfeinheit
Werden mit der Zeit zu Staub.

 Erde, sie wird älter,
Ihre Glut auch kälter,
Mit der Zeit verebbt das Meer.
Nach den Sonnentagen
Wird uns Kälte schlagen,
Eins kommt aus dem andern her.
Und des Regens Weinen
Tilgt die Schrift aus Steinen -
Was da war, das ist nicht mehr.

 Weich wird Hart besiegen,
Neid und Haß verfliegen,
Unglück wird zu Glück gewendt.
Wir sind Gott in allem
Mit der Zeit verfallen,
Alles findet einst sein End.
Aber meine Liebe
Noch in Höllen bliebe,
Weil sie selbst mit Flammen brennt.

 Gegen Liebe streiten
Nur Unendlichkeiten,
Seit ich meine Julia sah.
Und nur ihre Hände
Löschen meine Brände,
Keine Heilung fand ich da.
Hoffend, mich zu heilen,
Schrieb ich diese Zeilen,
Nur für meine Julia.

Übersetzt von HEINZ KAHLAU

___________

 

Julia ist die Liebe

 

 

Alles, was mir teuer,
unlöschbares Feuer,
ewige Liebe: Julia.
Helle Fröhlichkeiten,
oft genug auch Leiden,
Schmerz und Wonne: Julia.
Sie ist mir das Leben,
ihr bin ich ergeben,
einzig ihr nur: Julia.

 Wort aus ihrem Munde,
gibt von Liebe Kunde,
Liebe spricht aus Julia.
Wenn mich ihre blauen
Augen sanft anschauen,
schaut die Liebe: Julia.
Schläft sie in den Kissen,
muß es jeder wissen,
Liebe schläft dort: Julia.

 Wenn ich in der Seele
mich so bitter quäle,
hilft mir nichts, ist Julia fern.
Licht, das Wärme sendet,
Laub, das Schatten spendet,
ist sie, meines Lebens Stern.
Nichts will ich besitzen,
nur sie kann mir nützen,
geb für sie hin alles gern.

 Steht sie oder wandelt,
Briefe schreibt, denkt, handelt,
immer tut's der Liebe Macht.
Ob sie weint und wettert,
ob sie lacht und schmettert,
ist die Liebe, die es macht,
da der Sohn der Venus
ihr zur Seite gehn muß,
er gibt immer auf sie acht.

 Rose aus dem Eden,
sie bezaubert jeden,
mit liebreichem Angesicht.
Seh ich sie im Kleide
aus hautfarbner Seide -
schöner ist auch Venus nicht.
Haargeflecht neuartig,
sah noch nie so zart ich:
Perln in mattem Sonnenlicht.

 Wie ein Boot im Schusse
hinfegt auf dem Flusse,
gibt sie sich der Tanzlust preis.
Grad wie eine Lanze,
hält sie sich beim Tanze,
gleitet glatt hin wie auf Eis.
Wenn sie in der Mitte
zierlich setzt die Schritte,
staunt entzückt ringsum der Kreis.

 Dreht sie sich und wendet,
dann den Tanz beendet,
wo ich steh, mich streift ihr Kleid,
fühl ich, hingerissen
hungerig nach Küssen,
mich zu jeder Tat bereit.
Doch sie ist zu schicklich,
läßt mich stehn unglücklich,
und ich fühl, wir sind entzweit.

 Bin nun in der Lage
wie der Mann der Sage,
dem, wie ich's in Büchern las,
in der Hölle Raben
ein Stück Herz ausschaben
jeden Tag erneut zum Fraß,
und die Raben wissen,
was sie ausgebissen,
wächst nach ohne Unterlaß.

 So geht's meinem Herzen:
Ist sie lieb, will scherzen,
wächst es immer nach im Glück.
Doch sie ist auch Rabe,
ihr stokes Gehabe
reißt mein Herz aus Stück um Stück,
sie verdammt mich Armen
und läßt ohn Erbarmen
in der Hölle mich zurück.

 Julia und die Liebe
sind zwei gleiche Triebe,
doch mit einem Unterschied:
Strahlend ist die Liebe,
Julia aber trübe,
und das macht mich krank und müd.
Sie kehrt Liebesfreuden
um in Liebesleiden,
tötet mich, eh ich verschied.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

An die Kraniche

 

 

Kraniche in Schwärmen
ziehn mit lautem Lärmen
jeden Morgen hier vorbei.
Wenn ich euch erblicke,
bricht mein Herz in Stücke,
und die Tränen fließen frei.
Fühl ich doch im Innern
schmerzliches Erinnern,
und die Wunden brennen neu.

 Über einer Lichtung
kann ich sehn die Richtung,
die ihr nehmt zur Heimat hin,
wo die Schöne, Hehre
wohnt, die ich verehre,
meines Herzens Königin.
Ob sie ihren alten
Diener noch behalten
hat in ihrem stolzen Sinn?

 Ohn einen Gefährten
zieh auf fremden Fährten
ich, verirrter Pilgersmann.
Schwarz will ich mich kleiden,
Schmerz muß ich erleiden,
mehr als einer sagen kann.
Wenn ich Schwingen hätte,
flög ich um die Wette
rasch mit euch zu ihr hinan.

 Könnt ich mit euch, Vögeln,
durch die Lüfte segeln,
niedergehn an jedem Ort.
Für den Durst sind Quellen
da an vielen Stellen,
trinken und dann weiter fort...
Flügel hab ich keine,
ihr laßt mich alleine,
ihr nur seht sie wieder dort.

 Kraniche, verweilet,
wenn ihr noch so eilet,
einen Dienst mir dennoch tut.
Wenn nur einer bliebe,
daß ich schnell ihm schriebe
meinen Namen hin mit Blut
auf die Brust als Zeichen,
es muß sie erweichen,
wenn sie weiß, ich bin ihr gut.

 Möge Gott ihr geben
frohes, langes Leben,
niemals kenne sie die Not.
Wie ein Blumengarten
prangt mit allen Arten,
solche Sommer schenk ihr Gott.
Unter ihren Füßen,
sollen Rosen sprießen -
mag sie glauben, ich sei tot...

 Wenn auf weiten Fahrten,
die des Kriegsmanns harrten,
Kraniche im Flug ich sah,
in gar schönen Zügen
nach der Heimat fliegen
hin zu meiner Julia.
Riß mich mit das Sehnen,
und mit hellen Tönen
sandt ich meinen Eid hin: ja!

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

Zur Einsicht gelangt, Julia...

 

 

Zur Einsicht gelangt, Julia weder durch Bitten,
noch durch Sitten zur Liebe zu sich entflammen
zu können, bestürmte der Ärmste den Himmel,
die Erde und die Meere mit seinen Klagen;
nun gelobt der Tiefgekränkte, Julia zu Ehren
in der Zukunft kein Lied mehr zu singen.

 Hohes Himmelszelt,
herrlich weite Welt,
ein Palast der hellen Sterne.
Frisches Grün, das lacht,
bunter Blumen Pracht,
Landschaft voller Duft und Wärme.
Weit und wunderbar,
nie der Schiffe bar
ist des Meeresspiegels Ferne.

 Wer gebietet mir,
wie ein wildes Tier
elend mich zu plagen, schinden,
daß in Sumpf und Wald
mich versteckt ich halt,
ausgeliefert Stürmen, Winden.
Ein gejagter Leu,
der geängstigt, scheu
sich durch Dorn und Busch muß winden.

 Gegen Wolf und Bär
setzen mich zur Wehr -
soll das sein mein ganzes Streben?
Wo ich immer bin,
kein Mensch kommt je hin,
solchen Lohn zollt mir das Leben?
Mich trifft, wo ich weil,
stets der Liebe Pfeil,
läßt den Schmerz mich neu erleben.

 Vogelstellen, Jagd,
was mir sonst behagt,
kann die Zeit mir nicht ausfüllen,
wenn mir Liebesleid
frißt im Eingeweid,
kann nichts meine Sehnsucht stillen.
Denn der Brand hier drin,
wahrlich kein Gewinn,
schürt die Glut statt sie zu kühlen.

 Wo ich immer bleib,
was ich immer treib,
hab ich doch nur sie im Sinne.
Wie ein fernes Licht
seh ich ihr Gesicht,
das neu anfacht meine Minne.
Wo ich geh und steh,
fühl ich Julias Näh;
wähn zu hören ihre Stimme.

 Tief in meine Brust
hat er's wohl gewußt,
ihre Züge einzuprägen:
Lettern aus Demant
schnitt Cupidos Hand,
doch er tat es nicht zum Segen.
Doppelt tuts jetzt weh,
da ich sie nicht seh,
wandernd hier auf wilden Wegen.

 Manche Frau im Land
bot mir ihre Hand,
doch ich bin stets ausgewichen.
Keine mir genügt,
Gott hats so gefügt:
daß, mit Julia verglichen,
jeder Stern verbleicht,
jede Frau wiegt leicht,
wird von Julia ausgestrichen.

 Oh, mit böser Sucht
hast du mich verflucht,
falsche Himmelsmacht du,
Liebe, daß ich keiner Frau,
die sich bietet, trau,
wenn sie noch so treu mir bliebe.
Warum nur allein
kanns die eine sein,
die mißachtet meine Triebe.

 Doch deinem Gebot,
wär es auch mein Tod,
muß auch ich mich fügen eben.
Warfst mich hin zum Knecht,
Fußbank ohne Recht,
ihr, der Herrin, hin fürs Leben.
Und ich trag die Qual
gern wie einen Strahl,
der mir Hoffnung könnte geben.

 Wie die Mücken dumm
um das Licht herum
sicher ins Verderben rennen,
knapp bis an den Rand
scheun sie nicht den Brand,
obgleich die Gefahr sie kennen.
Julia, heißes Erz,
zieht so an mein Herz,
das sich wissend läßt verbrennen.

 Stimme, Augen, Haar,
alles birgt Gefahr,
oh, ich weiß, was sie bedeuten.
Dennoch keine Pracht,
keine Zaubermacht
könnte jemals mich verleiten:
Ihr verfallen bleib
meine Seel, mein Leib -
wollt sie mich nur bei sich leiden!

 Doch ich schweige nun,
laß die Klagen ruhn,
nein, kein Zwang mehr, keine Lüge.
Nur den einen Lohn
lasse sie mir schon:
daß in Verse ich einfüge,
was tief eingeritzt
mir im Herzen sitzt:
Julias wunderschöne Züge.

 Draußen ist es kalt,
doch Liebesgewalt
kann noch Brand in mir entfachen.
Während hier im Land
ich nach Rössern fahnd
mit viel Müh bei den Walachen,
schrieb ich dies Gedicht.
Nochmals tu ich's nicht:
Will kein Julia-Lied mehr machen.

 Dieses ist das letzte der Julia-Lieder.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Über die Wienerinnen Susanna und Anna-Maria

 

 

Susanna ist ein schönes deutsches Mädchen.
Sie wohnt in Wien, im Tiefengrabenstädtchen.
Wie rote Rosen leuchten ihre Wangen,
und ihre Lippen wie Rubine prangen.
Um Liebe bat
sie manch Soldat -
jedoch Susanna liebten sie vergebens.

 Susanna hat die lieblichste Verwandte,
die Ann-Maria, die man lustig nannte.
Sie geht so stolz auf ihren schönen Beinen,
und viele Kavaliere nach ihr weinen.
Ihr Haar ist gold,
sie lächelt hold,
wie reiner Honig fließen ihre Worte.

 Mit meinem Freunde bin ich hingegangen,
wir sahen sie und waren gleich gefangen,
als ich sie sah, geriet mein Herz in Hitze,
getroffen stand mein Freund von ihrem Blitze.
Auch ihre Brust
erfüllte Lust,
und deshalb schlossen wir sofort Bekanntschaft.

 Zuerst hat man sich nur die Hand gegeben,
dann gingen wir ins Haus - bei meinem Leben! -
Wie Bienen an den süßen Nelken nippen,
so saugten wir den Honig ihrer Lippen.
All unser Leid
war leicht und weit,
weil wir an ihrer Brust die Welt vergaßen.

 Ist es noch nötig, mehr davon zu sagen?
Durch alle Himmel wurden wir getragen.
Gelächter, Tanz, Umarmungen und Küsse,
verliebte Spiele, Spaß und Hochgenüsse.
Wenn solche Pracht
auch Sehnsucht macht -
muß mein Gedicht hier doch sein Ende haben.

 In der Oktave karger Fastenzeiten,
ich mußte aus dem schönen Preßburg reiten,
schrieb ich, erinnernd, diese Verse nieder,
für einen Tanz, als Text für Liebeslieder.
Sehnsucht im Sinn,
schrieb ich es hin,
im Jahre fünfzehnhundertneunundachtzig.

Übersetzt von HEINZ KAHLAU

___________

 

 

Als er Coelia liebgewann, flehte er also zu ihr

 

 

Meines Lebens Freude,
schönste Augenweide,
meines Herzens Licht und Lust!
Oh, welch ein Entzücken,
dich nur anzublicken,
oh, wie schwillt mir gleich die Brust.
Weggewischt die Plage
alter Liebesklage,
von der du mich heilen mußt.

 Sag mir, Schatz, sags offen,
darf ich, darf ich hoffen?
Brich nicht über mich den Stab,
du kannst mir das Leben
und den Tod mir geben,
von dir hängt mein Schicksal ab.
Magst du mich nicht leiden,
müßte ich dich meiden,
fänd' ich bald mein frühes Grab.

 Wenn im Morgenglanze
auflebt jede Pflanze,
froh erklingt der Vögel Sang.
Alle Blumen prangen,
da die Nacht vergangen,
Rehe ziehn den Wald entlang,
Vögel, Falter, Fische
labt die Morgenfrische -
ich nur soll verzagen bang?

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Coelia im Bade

 

 

Wer macht denn beim Baden
solchen Rauch und Schwaden?
   Bademeister sagt den Grund:
Coelia saß gerade
nackt im warmen Bade.
   Und es währte keine Stund,
bis ihr Leib, der nackte,
solchen Brand entfachte,
   davon raucht es in der Rund...

 Wie der Pfau zum Rade
stellt die Federn grade,
   wenn er prahlt mit seinem Schweif,
wie der Regenbogen,
übers Tal gezogen,
   ausspannt seinen bunten Reif,
so erscheint beim Tanze
Coelia stolz im Glanze
   wie ein prächtiger Farbenstreif.

 Süßer ist die Wonne,
wenn das Licht der Sonne
   sich durch Wolken bietet dar.
Wärmer ist sein Feuer,
wenn durch einen Schleier
   schimmert Coelias goldnes Haar.
Unverhüllt alleine
leuchten Edelsteine
   auf der Brust ihr wunderbar.

 Vor der Sonne bangen,
wenn sie aufgegangen,
   Mond und Sterne um ihr Licht.
So die Mädchen, Frauen,
sonst hübsch anzuschauen,
werden blasser im Gesicht:
Coelia erreichen,
sich mit ihr vergleichen
wagt die Allerschönste nicht.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Über eine polnische Zitherspielerin

 

 

Ja, bei der Susann
mag ich gerne weilen,
schießt sie mich auch an
mit Cupidos Pfeilen.
Bin gefangen
von den Wangen,
die wie rote Rosen prangen.
Haar aus Golde
hat die Holde,
ob ich sie umarmen sollte?
Ob's die Süße dulden wollte?

 Engelhaft entzückt
mich ihr Blick, das fühlt ich,
aber dann berückt
mich ihr Lied endgültig.
Wie sie schaut,
so vertraut,
ist sie mir die liebste Braut.
Schaut sie blaß
voller Haß:
Angstschweiß macht die Stirn mir naß:
Bitte, bitte, laß das, laß!

 Schön ist ihr Gesicht
wie ein Sommermorgen,
ihr Gesang zerbricht
alle meine Sorgen.
Weist zurück
mich ihr Blick
bang ich, Armer, um mein Glück.
Doch der Schreck
ist bald weg,
wenn mit scharfem Witz mich neckt
der Kobold, der in ihr steckt.

 Fällt beim Kartenspiel
Trumpf auf meine Herzen,
weiß daraus sie viel
kundzutun, zu scherzen:
Fürcht dich nicht,
Zuversicht!
Denn bei ihr das Eis bald bricht.
Trumpf auf Rot
bannt die Not,
dir steht Glück zu, sichres Brot,
Unheil dir gewiß nicht droht.

 Ja, sie bleibt dir treu,
dir ihr Herz anbietet,
dafür ohne Reu'
sie das deine hütet.
Jeden Schritt
geht sie mit
und erfüllt dir jede Bitt'.
Tu's ihr gleich,
aber gleich,
und ihr werdet beide reich,
selig wie im Himmelreich.

 Längst hat sie's gewollt,
daß du um sie freiest,
treu ist sie wie Gold,
Zeit, daß du's auch seiest.
Dir sich schenken,
nie dich kränken,
sich allein in dich versenken,
läßt sich lenken,
frei von Ränken,
dir nur Glück und Freude schenken -
Kannst du dir was Bessres denken?

 Suse, schöne Polenmaid,
zupft die Saiten wieder,
singt sie froh zu meiner Freud
allerliebste Lieder.
Ganz von Sinnen,
sie zu minnen,
tief im Liebesrausch schon drinnen,
hör ich Stimmen:
Draußen, drinnen,

 dich, Susann, will ich gewinnen,
dann in Seligkeit zerrinnen.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

Epigramme

 

DIE HAND DER SIEBENBÜRGERIN

 

 

Wenn ich ihr auch diene, ich noch nicht verdiene,
   daß sie Liebe mir gewährt.
Glück ich schon empfinde, wenn die Hand mir linde
   übern siechen Körper fährt.
Nähm sie mich als Hausknecht, wäre mir das auch recht,
   wär für sie ich doch von Wert.

 

COELIAS KUMMER

 

Coelia, Lilienengel mit dem Knick im Stengel,
   läßt das Köpfchen hängen matt.
Nein, es steht nicht grade, hängt herab - wie schade,
   weil sie einen Kummer hat.
Tränen läßt sie fließen, die das Gras begießen
   wie der Morgentau das Blatt.

 

SCHEIDEN VON DER LIEBSTEN AM MORGEN TUT WEH

 

Wenn das Dunkel schwindet, Tag sein Licht entzündet,
   leuchtend, hell auf Busch und Wald.
Amseln, Lerchen singen, Hasen, Rehe springen,
   wenn Auroras Ruf erschallt.
Alle freut der Morgen, nur mir bringt er Sorgen,
   weil ich scheiden muß so bald.

 

VON SEINEM DURCH LIEBE ANGEFACHTEN GEIST

 

Wie in einem Topfe brodeln mir im Kopfe
Verse wie Ameisenbrut.
Hör sie wehe wimmern tief in meinem Innern,
die du schürst, ach Liebesglut.
Sprich, mit wenig Tönen kannst du mich versöhnen,
deine Stimme Wunder tut.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

 

 

An Fulvia

 

 

Lang liebt ich Julia,
heiß liebt ich Coelia
   manch schönes Jahr.
Jener mit Schmerzen,
dieser von Herzen
   hörig ich war.
Jetzt ist alleine
Fulvia die meine -
   sie ich bewahr.

Übersetzt von GÉZA ENGL

___________

Aus: Schätze der ungarischen Dichtkunst Band II (1984)
 

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Gestern, 23:51 von Ivonne433
Ex-Freundin/Frau Hatepage
Hier geht es richtig zur Sache. Jeder kann, wenn er sich an die Regeln hält, seinem Frust über die Frauenwelt freien Lauf lassen.
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    Warnung vor Sabine P.!!!
Gestern, 11:59 von thomasp
Ex-Freund/Mann Hatepage
Hier geht so richtig zur Sache. Jeder kann, wenn er sich an die Regeln hält,seinem Frust über die Männerwelt freien Lauf lassen.
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    Männer Witze
Gestern, 11:28 von zickchen




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