Liebe im Verlauf einer Partnerschaft

Wie verändert sich die Liebe im Verlauf einer Partnerschaft?

Die Qualität einer Partnerschaft und die Zufriedenheit mit der Partnerschaft sind zeitlichen und stimmungsmäßigen Schwankungen unterworfen. Nicht immer ist die Partnerschaft subjektiv für beide Partner oder jeden einzelnen gleichermaßen zufriedenstellend. Die Zufriedenheit mit der engsten Beziehung, die Menschen eingehen, kann aufgrund äußerer Ereignisse (z.B. die Geburt eines Kindes) ebenso beeinträchtigt werden, wie infolge von eigenen Veränderungen bezüglich der Ansprüche, Erwartungen und Bedürfnisse.

Beide Partner entwickeln sich im Verlauf der Zeit, wodurch sich Ansichten, Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen an den anderen und an die Beziehung ändern können. Decken sich diese Wünsche und Bedürfnisse nicht mit den realen Gegebenheiten, kann die Partnerschaft als unbefriedigend erlebt werden. Leider stimmen in vielen Fällen die ursprünglichen Erwartungen an die Partnerschaft mit der nachher erlebten Realität nicht überein. (Albrecht & Kunz 1980)

Erwartungen an die Partnerschaft

Dass die Erwartungen an die Partnerschaft nicht immer erfüllt werden, ist realistisch und kommt besonders in bestimmten Phasen immer wieder vor. Dies ist auch in den besten Partnerschaften der Fall und im Grunde genommen unbedenklich. Es gibt Phasen der stärkeren Nähe (wo auch Erwartungen als besser befriedigt wahrgenommen werden und eine hohe Zufriedenheit und Wunsch nach Geborgenheit und Zweisamkeit besteht) und Phasen der größeren Distanziertheit.

Dieses Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz zu regulieren, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Paares. Dabei muss auf der einen Seite das eigene Bedürfnis nach Nähe und Intimität sowie nach Autonomie, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit ebenso realisiert und gelebt werden, wie auf der anderen Seite diese Bedürfnisse vom Partner/der Partnerin wahrgenommen und toleriert werden müssen.

Damit eine längerfristig erfüllende Liebe möglich ist, muss ein Paar lernen, Distanz (Freiräume, Autonomie, Abgrenzung vom Partner/der Partnerin) und Nähe (Intimität, Gemeinsamkeiten) immer wieder neu zu regulieren.

Nähe oder Distanz während einer Beziehung

Das Gefühl der Liebe und deren Intensität pendelt entsprechend diesem Bedürfnis nach Nähe oder Distanz während einer Beziehung hin und her, kann phasenweise ausgeprägter oder abgeschwächter sein. Eine Untersuchung von uns zur Frage, wie sich die Liebe seit dem Eingehen der Beziehung bis zum Zeitpunkt der Scheidung verändert hat (Bodenmann, Bradbury & Madarasz (2001)) zeigte eine bemerkenswerte Stabilität der Liebe über die Zeit. Entgegen unseren Erwartungen nahm die Liebe nicht kontinuierlich ab, sondern blieb auf einem mittleren Niveau erhalten. Die Liebe ist entsprechend auch kein tauglicher Gradmesser für die Entwicklung einer Partnerschaft oder die Vorhersage von Scheidung (siehe weiter unten), da sich Paare selbst dann scheiden lassen können, wenn sie noch Liebe füreinander empfinden.

Aufgrund der Einschätzung von Liebe oder der Partnerschaftszufriedenheit lässt sich der Partnerschaftsverlauf und eine spätere Scheidung nur sehr unzuverlässig Vorhersagen. Personen, die heute noch ihre Partnerschaftszufriedenheit als hoch einschätzen, können übermorgen bereits geschieden sein.

 
Dennoch gehört es zu einer der zentralsten Aufgaben einer glücklichen Partnerschaft, die Liebe zu erhalten und zu stärken. Die Liebe muss gepflegt und kultiviert werden. Wenn dies geschieht, kann sie längerfristig aufrechterhalten werden und sogar weiter wachsen und gedeihen.